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Vom EM-Hoffnungsträger zum baldigen Amateur

Im Sport kann es oft schnell gehen. Ganz schnell.

Vor rund einem Jahr galt Michael Laimer als wohl gefährlichster Diagonalangreifer der Nation, war Profi bei den hotVolleys und bereitete sich eifrig auf das große Ziel Heim-Europameisterschaft vor.

Die Welt hat sich seither aber weiter gedreht. Auch für den 26-Jährigen, der nach einer vor allem für ihn enttäuschenden EM zur SG Enns/Wels/Steyr gewechselt ist und vor dem Ende seiner Profi-Karriere steht.

Was war geschehen?

Im Nationalteam erwuchs dem 2,07-m-Riesen durch Thomas Zass alsbald starke Konkurrenz. Der mittlerweile zu Paris gewechselte Shootingstar lief Laimer sukzessive den Rang auf der Diagonalangreifer-Position ab.

Zu allem Überdruss verletzte sich Laimer in der European League schwer. „Ich habe mir im Sprunggelenk alle Bänder gerissen, dazu ist vom Knochen etwas abgesplittert“, erinnert sich der gebürtige Salzburger im Gespräch mit LAOLA1.

Die EuroVolley - also jenen Höhepunkt, auf den er solange hingearbeitet hatte - verfolgte Laimer fast nur in der Zuschauer-Rolle. „Klar ist man enttäuscht, wenn man zu einer EM kommt, einen Ball spielt und danach sieht man das Spielfeld nicht mehr“, meint er mit gesenkter Stimme.

Keine Vertragsverlängerung

Auch bei den hotVolleys schien er nach vier Jahren keine Zukunft mehr zu haben. Der Klub ließ den Vertrag auslaufen.

Mit der prekären Situation bei den Wienern habe sein Fall aber nichts zu tun. „Meine Entscheidung sowie meine Gespräche mit dem Verein fanden statt, bevor es geheißen hat, dass es finanzielle Probleme gibt“, stellt Laimer klar, der auch einen Sprung ins Ausland in Betracht zog.

„Es ist aber sehr schwer, ins Ausland zu kommen, wenn du verletzt bist. Ich habe deshalb beschlossen, meinen Lebensmittelpunkt nach Salzburg zu verlegen.“

Verein gesucht, Verein gefunden

Für Laimer eine Entscheidung beruflicher Natur. „Ich möchte nächstes Jahr eine Fachhochschule für Physiotherapie beginnen.“ Bis es soweit ist, hat er einen Klub gesucht, der in der Nähe beheimatet ist. Die Wahl fiel auf die SG Enns/Wels/Steyr.

Seine Profi-Karriere wurde durch die Fokussierung auf die berufliche Ausbildung mit einem Ablaufdatum versehen. „Sollte sich nichts Sensationelles ergeben, werde ich sie ad acta legen“, bestätigt Laimer, der bereits einige berufliche Kontakte knüpfen konnte.

Verpatzter Start

In seiner Salzburger Heimat, wo er mit seiner Freundin zusammengezogen ist, sowie bei seinem Klub hat er sich bereits gut eingelebt.

Sportlich muss sich sein neues Teams allerdings erst finden. „Wir sind erst zwei Wochen zusammen, müssen uns erst zusammenraufen“, fordert Laimer nach dem 1:3 zum Auftakt gegen Jerich Gleisdorf etwas Geduld.

Was mit der SG möglich ist, sei noch schwer abzusehen. „Ich glaube aber sehr wohl, dass wir eine Mannschaft haben, die in das Playoff kommen kann.“ Ein Ziel, das den Oberösterreichern in den vergangenen Jahren nur selten gelang, aber durchaus realistisch erscheint, da es im Sport schließlich oft ganz schnell gehen kann.

Reinhold Pühringer

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