Der wahre Vorteil des Heimtitels

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Der wahre Vorteil des Heim-Titels

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„Die gewählte Nummer ist vorübergehend nicht erreichbar.“

Die Computer-Stimme verrät es: Hannes Kronthalers Handy ist am Dienstagmorgen offenbar noch nicht aufgedreht. Verständlich.

Am Tag, nachdem Hypo Tirol mit einem 3:1 über Aich/Dob (Endstand im „Best of seven“ 4:1) die sechste Meisterschaft der Vereinsgeschichte fixierte, sei dem Manager ein bisschen Schlaf auch vergönnt. „Um halb zwölf war ich wach“, meint der Architekt der Meister-Teams, als ihn LAOLA1 wenig später dann doch erreicht.

Im großen Interview lässt Kronthaler die Saison Revue passieren, nimmt zum nahenden Abgang von Shootingstar Stefan Chrtiansky Junior Stellung und erklärt, in welcher Form die Innsbrucker kommende Saison an der Austrian Volley League (AVL) teilnehmen werden:

LAOLA1: Gratulation zum Meistertitel. Da es der erste Titelgewinn vor eigenem Publikum war, nehme ich an, dass die Feier recht ordentlich ausgefallen ist.

Hannes Kronthaler: Wir haben auswärts auch immer gut gefeiert. Diesmal hatten wir halt den Vorteil, dass wir zu Fuß heimgehen konnten.

LAOLA1: Es heißt, dass jede Meisterschaft etwas Besonderes hat. Was hat diese Saison ausgezeichnet?

Kronthaler: Man muss bedenken, dass wir bis zur Finalserie kein einziges Spiel verloren haben. Es hat uns dazu verleitet, dass wir die ersten Finalspiele nicht so aggressiv waren. Wir mussten uns erst wieder daran gewöhnen, ein Finale zu spielen. Durch die Niederlage wurde die Mannschaft aufgeweckt, richtig heiß gemacht. Wir haben gesagt: Leitl’n, die Aich/Dober wollen nicht nur mitspielen, die wollen uns etwas wegnehmen, was uns gehört. Darauf hat das Team sehr gut reagiert. Das Besondere der Finalserie war, dass wir davor unantastbar waren, letztendlich aber sehr hart kämpfen mussten, um den Meister einzufahren.

LAOLA1: Es war bereits zu hören, dass Stefan Chrtiansky Junior den Verein verlassen wird. Wohin zieht es ihn?

Kronthaler: Er hat mehrere Angebote, darunter zwei gute. Eines aus Frankreich, eines aus Italien, wobei er und sein Vater (Trainer Stefan Chrtiansky Senior; Anm.), der ihn berät, nach Italien tendieren. Letztes Jahr ist er noch nicht gewechselt, weil es zu früh für ihn gewesen wäre. Das war auch so abgesprochen. Jetzt muss sein Vater einen Verein finden, wo Junior nicht Grundsechs-Angreifer ist, sondern wo er der dritte ist, wie er es auch anfangs bei uns war. Dann muss er schauen, dass er sich dort hineinkämpft. Würde er zu einem Verein wechseln, wo er gleich Top-Angreifer ist, dann – glaube ich – ist die Gefahr des Verheizens sehr groß. Aber dazu hat der Vater sicherlich die nötigen Kontakte.

LAOLA1: Von wessen Entwicklung waren Sie noch überrascht?

Kronthaler: Von jener von Alex Berger. Er ist der Shootingstar der Saison. Als er vor drei Jahren zu uns gekommen ist, ist er zwar auch schon gut gesprungen, aber wie er sich entwickelt hat – vor allem im vergangenen  Jahr – ist schon beeindruckend. Stefan hat den Kader im vergangenen Sommer so zusammengestellt, dass er in der Grund-Sechs spielt. Alex hat die Herausforderung bravourös gelöst und war in der Finalserie in Topform.

Wird Tirol verlassen: Chrtiansky Junior

LAOLA1: Letztendlich geht es auch darum, für die Champions League gerüstet zu sein. Diese Saison hatte Tirol ja Lospech…

Kronthaler: Vielleicht schaffen wir es ja, dass wir heuer nicht aus Pool drei, sondern aus Pool vier gelost werden. Der Los-Modus passt nicht, weil die dritten Teams aus Italien und Russland immer im vierten Topf sind. Dabei sollte man diese Mannschaften auch aus den ersten beiden Pools ziehen, denn sonst bringt mir der dritte nichts. Denn genau dort wären jene Teams, die wir schlagen könnten. Stattdessen bekommen wir möglicherweise wieder ein Team aus dem vierten, das aus einer Top-Liga kommt. Aber es sieht nicht gut aus, dass wir aus Topf vier gezogen werden. Ich bin der Meinung, dass sich die CEV hier was überlegen muss.

LAOLA1: Werdet ihr nächste Saison auch wieder den Grunddurchgang der AVL mitmachen?

Kronthaler: Wir spielen kommende Saison zunächst wieder in der MEL (Mitteleuropa-Liga; Anm.), an der heuer zehn Teams teilnehmen sollen. Auch Bled ist wieder mit dabei. Die haben auch gesehen, dass sie diese Liga brauchen. In Österreich wird zuerst eine Hin- und Rückrunde mit zehn Teams gespielt. Wir steigen dann bei einer Zwischenrunde, in der die ersten vier des Grunddurchgangs mit den beiden MEL-Klubs spielen, ein. Danach geht es in die Playoffs.

Das Interview führte Reinhold Pühringer

LAOLA1: Ihr musstet nach den abgelaufenen Saisonen mit Chocholak oder Leonardo auch schon eure Stars ziehen lassen. Ist das einfach das Los der österreichischen Top-Vereine?

Kronthaler: Ja, aber da geht es nicht nur den österreichischen Klubs so. Sogar internationale Spitzenklubs sind da keine Ausnahme. Trento musste beispielsweise einen ihrer Stars für eine Million Euro an Kazan abgeben. Ich habe halt das Los, dass sie irgendwohin gehen und die Italiener haben das Los, dass sie nach Russland wechseln. Aus der Sicht Juniors ist der Transfer der nächste logische Schritt. Er verdient mit der gleichen Leistung bei jedem anderen Champions-League-Klub das doppelte. Er hat viel vom Verein profitiert und wir auch von ihm, aber jetzt soll er Geld verdienen gehen. Wenn ich für dieselbe Arbeit das doppelte Geld bekomme und dazu auch noch die Chance habe, ganz rauf zu kommen, ist das etwas ganz Normales. Schön ist natürlich, dass alle Spieler den Klub im Guten verlassen und auch wissen, dass man irgendwann wieder zurückkehren kann.

LAOLA1: Wie sehen die Kaderplanungen sonst aus?

Kronthaler: Wir werden auf der Vier jemanden holen, der Junior ersetzen soll. Auf derselben Position möchten wir auch noch einen jungen Österreicher holen. Das Entscheidende ist wohl, dass sich Stefan (Trainer Chrtiansky; Anm.) und ich noch zusammensetzen müssen, um über Aufspieler und Diagonalangreifer zu diskutieren.

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