Schett: "Man muss hart zu sich selber sein"

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Um das heimische Damen-Tennis ist es in den letzten Jahren ruhig geworden, sehr ruhig. Mittlerweile scheint keine Österreicherin mehr unter den Top 200 der Welt auf.

Beim Generali Ladies Linz (10. bis 18. Oktober) stehen die ehemalige Weltranglisten-26. und dreifache WTA-Turniersiegerin Tamira Paszek und Nachwuchshoffnung Barbara Haas nur dank Wild Card fix im Hauptfeld.

Kann das österreichische Damen-Tennis noch weiter sinken oder ist ein Aufschwung in Sicht? Wie schwer ist es eigentlich unter die Top 100 zu kommen? Reicht Talent, um erfolgreich zu sein? LAOLA1 hat bei Turnier-Botschafterin Barbara Schett nachgefragt.

Die ehemalige Nummer 7 der Welt nimmt für uns fünf rot-weiß-rote Tennis-Hoffnungen unter die Lupe, stellt aber klar: „Es kann so viel passieren, dass es schwierig ist, Prognosen abzugeben, weil einfach alles zusammenpassen muss.“

 

Barbara Schett über ...

 

... das österreichische Damen-Tennis:

Man braucht es nicht schönreden. Es ist momentan natürlich schade, dass niemand unter den Top 200 ist. Aber in diesem Jahr hat sich einiges getan: Barbara Haas hat ein 25.000-Dollar-Turnier (in Podgorica/Anm.) gewonnen und  Julia Grabher hat zwei 10er (10.000 Dollar-Turniere in Wien und Pörtschach/Anm.) für sich entscheiden können.

 

... den Weg in die Top 100:

Die Leute glauben immer, es ist so einfach, unter die ersten 100 zu kommen, aber da muss viel zusammenspielen. Man braucht Glück und der Körper muss mitmachen. Vom Kopf her ist es schwierig, immer motiviert zu sein. Der Sport ist auch teuer. Du musst dich jede Woche messen und stehst im Endeffekt immer alleine am Platz. Das ist nicht zu unterschätzen. Wichtig ist, dass die jungen Spieler immer ein Ziel vor Augen haben und hart zu sich selber sind. Sie müssen alles dafür geben. Dann wird sicher wieder jemand kommen, der es in die Spitze schafft.

... Tamira Paszek (24 Jahre, WTA-213.):

Tamira ist schon wahnsinnig lange auf der Tour (seit 2005/Anm.). Sie hat immer wieder Probleme mit Verletzungen gehabt und wenn du stets von vorne anfangen musst, dann ist das natürlich schwierig. Sie hat sich jetzt aber wieder erholt und ist fit. Wichtig ist, dass sie Matches spielt. Tamira hat sich heuer bei vielen Turnieren qualifiziert und es geht bergauf. Wenn man schon so lange auf der Tour ist, ist es vom Kopf her schwer, da anzuknüpfen, wo man schon einmal war (WTA-26./Anm.). Sie ist eine Spielerin, die gute Leute schlagen kann und ist momentan auf einem guten Weg. Ihr Trainer Larri Passos ist ein super Mann und hat vom Tennis wirklich Ahnung.

... Barbara Haas (19 Jahre, WTA-240.):

Ich habe sie schon lange nicht mehr spielen sehen und freue mich, sie in Linz zu sehen (Qualifikation oder Wild Card/Anm.). Sie ist keine Spielerin, die den einen Schlag hat, mit dem sie punkten kann. Sie ist eher eine Allrounderin und macht wenig Fehler. Aber sie spielt jetzt auch schon länger 25er und ich würde mir wünschen, dass sie den nächsten Schritt macht. Barbara trainiert mit Jürgen Waber, der hat sehr viel Erfahrung. Ich glaube, das geht in die richtige Richtung.

 

... ITF-Turniere:

Meine Devise ist immer, nicht zu viel Zeit bei diesen Challengern zu verlieren. Wenn man dort hängen bleibt, ist es schwierig, wieder heraus zu kommen. Der Transfer zur WTA-Tour muss binnen ein, zwei Jahren passieren. Ich sehe, dass das bei den Mädels etwas länger dauert.

... Julia Grabher (19 Jahre, WTA-498.):

Ich finde super, dass sie sich auf die Matura konzentriert und die Schule abgeschlossen hat. Heuer hat man gemerkt, dass sie richtig Gas gibt. Sie hat mehr Turniere gespielt und zwei 10er gewonnen. Da scheint es auch in die richtige Richtung zu gehen. Sie kann sich jetzt aufs Tennis konzentrieren. Da muss man ihr ein, zwei Jahre Zeit geben, dann sieht man, ob es Früchte trägt oder nicht.

... Lisa Maria Moser (24 Jahre, Staatsmeisterin/WTA-546.):

Sie ist schon ein Weilchen dabei. Ihr fehlt in ihrem Spiel einfach die Konstanz, weil sie sehr schnell und aggressiv spielt. Vom Tempo her kann sie mit jeder mithalten, aber die Konstanz fehlt.

... Mira Antonitsch (16 Jahre, WTA-1139.):

Sie spielt vermehrt Jugend-Turniere und schnuppert in Damen-Turniere hinein. Das Umfeld mit Alex und Karin (Eltern/Anm.) stimmt. Die wissen, wie es geht und deshalb ist sie gut betreut. Es ist wichtig, dass sie verletzungsfrei bleibt. Sie hatte bislang immer wieder Verletzungen, die sie zurückwarfen.

... die Rücktritte von Yvonne Meusburger und Patricia Mayr-Achleitner:

Ich glaube nicht, dass eine große Lücke entsteht. Erstens haben wir noch Tamira Paszek, die renommiert ist und es ist einfach so, dass Leute aufhören und andere nachkommen. Für die Jungen ist es gut, dass sie sich neue Ziele setzen. Sie sind altersmäßig und im Ranking knapp beisammen und es ist gut, wenn man Konkurrenz hat.

 

... das Rezept zum Erfolg:

Es ist schwierig, dass das ganze Paket passt. Man muss es körperlich und mental schaffen und vom Tennis her auch Talent haben. Voraussetzung ist allerdings, dass man ein harter Arbeiter ist. Bis zu einem gewissen Grad kann man es mit Talent schaffen, aber dann muss man hart arbeiten, sonst kommt man nicht weit nach vorne. Ich kann mich noch an mich erinnern. Ich wollte mit sechs, sieben Jahren beste Tennisspielerin Österreichs werden. Das war damals Top 10, weil Babsi Paulus dort war. Das war ein Ziel, auf das ich stur und geradlinig hingearbeitet habe. Meine Eltern mussten mich nicht ans Training erinnern. Ich habe auch nie gesagt: „Da mag ich nicht hinfahren, weil es dort `schiach‘ ist.“ Man muss fokussiert sein und etwas wirklich wollen, dann kann man es auch erreichen. Das ist im Leben immer so. Man muss beinhart dahinter sein und Disziplin haben.

 

... Förderprojekte:

Es ist gut, dass das Generali Young Ladies Team (Programm zur Förderung österreichischer Tennisspielerinnen/Anm.)  ins Leben gerufen wurde. Dort können sie sich pushen und nach oben treiben. Ich glaube, auch der ÖTV bringt ein neues Damen-Konzept heraus, da wird sich hoffentlich einiges tun. Es kommt sicher wieder die Zeit, wo Damen unter den 100 sind.

 

Martina Gugglberger

 

Alle Infos zum Turnier unter www.generali-ladies.at.

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