Tamira Paszeks Weg zurück auf die Tour

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Es war ein harter Weg, den Tamira Paszek gehen musste.

Ihr Körper spielte der Vorarlbergerin immer wieder einen Streich, sodass sie ihr riesiges Potenzial zwei Jahre lang nicht ausschöpfen konnte.

Das Pfeiffersche Drüsenfieber machte der Dornbirnerin ebenso zu schaffen wie ein Adduktoreneinriss. Letzterer zwang Paszek dazu, die Saison 2014 frühzeitig zu beenden.

Seither schuftet sie in ihrer Heimat an der Rückkehr auf die WTA-Tour. Der Schweiß, das Leiden und der harte Kampf haben sich bezahlt gemacht. Österreichs Nummer zwei laut Weltrangliste steht kurz vor ihrem Comeback.

Die nötige Sicherheit fehlte

"Ursprünglich wollte ich vor einigen Wochen schon beim ITF-Turnier in Kreuzlingen zurückkehren, aber das war dann doch zu kurzfristig", erklärt Tamira Paszek im Gespräch mit LAOLA1. "Ich hatte im Bein noch nicht die nötige Sicherheit."

Das Training verlief zwar gut, doch die Rechtshänderin fühlte, dass sie noch nicht bei 100 Prozent war. "Das war aber eine Bedingung, um wieder einzusteigen." Die Verletzungspause verlängerte sich, weshalb sie beim Weltverband um ein "Protected Ranking" ansuchte.

Spielerinnen, die dieses bewilligt bekommen, haben den Vorteil, bei ihrer Rückkehr nicht mit einer deutlich schlechteren Weltranglisten-Position in den Zirkus wiedereinsteigen zu müssen. Paszek - aktuell an Position 165 geführt - würde dadurch in etwa 35 Plätze "gutmachen".

Comeback in Stuttgart geplant

Das neue Ziel für ihre Rückkehr lautet Mitte April, genauer gesagt ist es der Porsche Tennis Grand Prix in Stuttgart, ein mit 731.000 Dollar dotiertes Sandplatz-Event.

Die tägliche Schufterei zeigt Wirkung, wie sie bestätigt. "Es wird von Tag zu Tag besser." Die Fitness sei kein Problem mehr, die Reha-Zeit gehöre der Vergangenheit an. In der Vorwoche stand endlich wieder Tennis auf dem Programm, Paszek lobt vor allem die Zusammenarbeit mit dem Sportservice Vorarlberg. "Das läuft super, hier werde ich bestens betreut."

Zwar ging es ihr in der ersten Woche nach dem frühzeitigen Saison-Aus 2014 nicht gut, doch insgesamt freundete sie sich schnell mit ihrer Situation an. "Ich hatte eine super schöne Zeit mit meiner Familie." Paszek genoss es, nicht permanent die Koffer packen zu müssen.

Geduld bewahren als oberste Prämisse

Inzwischen allerdings hat sie wieder das Fernweh gepackt. "Ich freue mich auf die Tour, die Herausforderung hat mir doch sehr gefehlt." Die größte Herausforderung während der wettkampffreien Zeit war es, die Geduld zu bewahren.

"Für den Kopf ist das natürlich schwer. Da ich so eine Situation allerdings schon einmal erlebt habe, fiel es mir diesmal deutlich leichter."

Gemeinsam mit Trainer Larri Passos, den die jüngste österreichische Turnier-Siegerin aller Zeiten (15 Jahre, 9 Monate, 18 Tage) als "große Unterstützung" bezeichnet, will sie ab sofort am Feinschliff für ihr Comeback arbeiten.

Dabei gilt es, möglichst schnell wieder ihren Spielrhythmus zu finden. Im Hinblick auf die French Open in Roland Garros möchte die Vorarlbergerin drei bis vier Turniere bestreiten. "Der Körper muss mitspielen. Selbstbeherrschung und Professionalität sind wichtig. Ich darf keine Wunder erwarten, komme aber zurück, um anzugreifen."

 

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Posted by Tamira Paszek on Sonntag, 22. März 2015

Olympische Spiele ein großes Ziel

Die Top-100 sind das erste Zwischenziel der Dornbirnerin, die genau weiß, was sie will. "Wenn ich keine hohen Ziele hätte, würde das alles keinen Sinn machen. Dieses Dahinplätschern wie in den letzten zwei Jahren will ich nicht mehr", lässt sie keinen Zweifel daran aufkommen, wie ernst es ihr ist.

Langfristig üben die Top-10 großen Reiz auf sie aus, zudem glaubt sie weiterhin daran, ein Grand-Slam-Turnier gewinnen zu können. "Dazu sind die Olympischen Spiele im nächsten Jahr sehr wichtig für mich."

Der Traum von einer Teilnahme in Rio treibt sie an, die Voraussetzungen dafür sind gegeben, glaubt Paszek, deren Karriere-Bestmarke in der WTA-Weltrangliste Platz 26 (Februar 2013) darstellt. Den Vorwurf, dass ihr der Fed Cup insgesamt zu wenig bedeute, lässt sie indes nicht gelten.

Einsätze für Österreich "eine Ehre"

"Ich will unbedingt wieder spielen, denn es ist eine Ehre, für Österreich dabei zu sein", beteuert die 24-Jährige, die davon spricht, dass ihr Name "oft in ein schlechtes Licht gerückt" wurde.

Es gab immer wieder Vorwürfe, dass sie nur halbherzig dabei war, es kursierten unzählige Gerüchte, die alles erschwerten. "Aus all dem habe ich gelernt, dass ich Falschaussagen nicht mehr kommentarlos hinnehmen werde", stellt Paszek klar.

Mit 17, 18 Jahren sei es schwierig für sie gewesen, wenn es hieß, "die Paszek will nicht spielen", inzwischen habe sie damit keine Probleme mehr. "Ich bin erwachsener geworden", erklärt die dreifache Gewinnerin von WTA-Turnieren.

Aufgrund dieser Erfahrungen und der vielen gesundheitlichen Rückschläge ist Tamira Paszek enorm gereift. Diese Reife soll sich ab sofort auch auf dem Platz widerspiegeln, denn das ÖTV-Ass steht kurz vor ihrem Comeback und will endlich wieder durchstarten.


Christoph Nister

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