Eine Rebellin tritt zurück

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"Rebellin" Li Na verabschiedet sich

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Chinas Tennisstar Li Na geht, wie sie gekommen ist - nach ihren eigenen Regeln.

Nicht mit großem Aufgebot an Parteifunktionären, sondern mit einem persönlichen Dankesbrief im Internet an Fans und Ehemann verabschiedet sich die 32-jährige Siegerin von zwei Grand-Slam-Turnieren vom Spitzensport.

"Ich gehe meinen Weg", schrieb sie am Freitag und beendete damit als Weltranglisten-6. ihre Karriere.

Erster Sieg vor zehn Jahren

Im Oktober 2004 gewann Li Na in Guangzhou als erste Chinesin überhaupt ein WTA-Tennisturnier. Im August davor hatte es durch Sun Tian Tian/Li Ting in Athen das erste Olympia-Gold Chinas in dieser Sportart gegeben.

Es war der Beginn des Aufstiegs des chinesischen Tennis' gewesen, alleine Li Na gewann in der Folge insgesamt neun WTA-Tour-Titel.

Höhepunkt Paris

In China haben Athleten freilich eine klar definierte Rolle: Sie kämpfen für die Volksrepublik und für die Partei.

Li Na war aber in der Folge eine der wenigen, die sich nie in die klassische Rolle pressen lassen wollte.

Als erste Asiatin bzw. Chinesin gewann sie dann 2011 bei den French Open ein Grand-Slam-Turnier.

Ihr Triumph katapultierte sie in die höchsten Riegen chinesischer Spitzensportler. Aber treue Parteianhänger starteten immer wieder Attacken gegen sie.

Kritik durch die Partei

Statt der Worthülsen von vielen Sportlern aus China, die sich nach jedem Erfolg artig bei der Partei bedanken, verbuchte Li Na ihre Siege als persönliche Erfolge.

Sie war unbequem für die Führung in Peking. Das ließen treue Parteianhänger die Sportlerin spüren.

Vergangenes Jahr veröffentlichte das Parteiorgan "Volkszeitung" einen Leitartikel, in dem Li Na scharf angegriffen wurde: "Wer kann diesem furchtbaren, launischen Wesen Einhalt gebieten?"

"Will einfach nur Sport machen"

Der Angriff ließ viele Anhänger aber noch stärker zu ihrem Star stehen.

Auf dem Twitter-ähnlichen Mikroblog Weibo folgen ihr mehr als 23 Millionen Nutzer. Viele verteidigten sie gegen die Attacken von Parteianhängern.

Gerade weil sie sich nicht in eine Rolle pressen lassen will, und nicht Propagandasprüche nachplappert, wird sie von ihren Fans gefeiert.

Aber Li Na versucht nicht gezielt, eine kritische Position zu vertreten. "Ich will einfach nur Sport machen, und mir nicht reinreden lassen", sagt sie.

Tod des Vaters als Einschnitt

Ihr Vater war Badminton-Spieler, aber das Chaos während der Kulturrevolution bereitete seiner Karriere ein frühes Ende.

Als sie fünf Jahre alt war, schickte er seine Tochter in eine staatliche Sportschule. Der gnadenlose Drill setzte ihr zu.

Sie war 14 Jahre alt, als ihr Vater starb. Aber weil sie gerade in einem Turnier stand, verschwieg ihr Trainer ihr die Todesnachricht für mehrere Tage.

"Es war mein größter Schmerz, dass ich ihm nicht Lebewohl sagen konnte", schrieb Li Na in ihrer Autobiografie.

Flucht aus Sportschule

Zwei Jahre später lernte sie ihre späteren Ehemann und langjährigen Trainer Jiang Shan kennen.

Beziehungen zwischen jungen Sportlern waren in China streng verboten. Als ihr damaliger Coach davon erfuhr, versuchte er, die junge Liebe zu beenden.

Zur gleichen Zeit versuchte er Li Na dazu zu drängen, mit Hormonpräparaten ihre Leistungsfähigkeit zu steigern. Das war für sie zu viel. Sie floh in einer Nacht aus der Sportschule.

Sieg in Melbourne

Mit der Ansage, dass sie nur noch für sich selbst und nicht mehr für andere spielen werde, setzte sie dann ihre Karriere nach langem Zureden durch Freunde und Sportkollegen doch fort.

Sie krönte ihren Erfolg mit dem Sieg in 2011 in Frankreich. Anfang Jänner dieses Jahres gewann sie in Shenzen ihren achten WTA-Titel und ließ gleich darauf den zweiten Grand-Slam-Erfolg bei den Australian Open folgen.

Danach war sie sogar die Nummer zwei der Welt. Weil sie wegen ihrer Probleme seit ihrer Drittrunden-Niederlage in Wimbledon aber nicht mehr gespielt hat, ist sie bis zu ihrem Rücktritt auf Platz sechs zurückgefallen.

Knie zu bedient

Ihr Rückzug aus dem Spitzensport ist endgültig. Daran lässt sie in ihrem Dankesbrief keinen Zweifel aufkommen.

"Nach vier Operationen werden sich meine Knie nie wieder voll erholen können", schrieb sie. Schweren Herzens müsse sie ihre Leidenschaft für das Profitennis aufgeben.

Keine Dankesworte an die Partei verliert sie, sondern eine Liebesbekundung für ihren Ehemann: "Du bist alles für mich. Ich danke dir, dass ich mein Leben mit dir verbringen darf."

"Eine Pionierin"

Die Spielerinnen-Organisation WTA verneigte sich von Li Nas Leistungen.

"Sie ist eine Pionierin, die Tennis zu Hunderten von Millionen Menschen in China und Asien gebracht hat", schrieb WTA-Chefin Stacey Allaster in der Mitteilung und prophezeite, dass Li Nas Vermächtnis noch über Jahrzehnte in China nachwirken wird.

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