Görges klagt über fehlenden Respekt und Anerkennung

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Wie schwer es ist, in die Fußstapfen von großen Sportlegenden zu treten, davon können Österreichs Tennis-Asse ein Lied singen.

Mit dem Sieg bei den French Open und dem Sprung an die Weltranglisten-Spitze warf Thomas Muster einen Schatten, aus dem Jürgen Melzer & Co. immer nur kurzfristig treten konnten. Starke Leistungen wurden von der Öffentlichkeit nur selten im entsprechenden Ausmaß gewürdigt.

Mit einem noch deutlich schwierigeren Schicksal haben seit Jahren die deutschen Tennis-Damen zu kämpfen.

377 Wochen stand Steffi Graf an der Weltranglistenspitze, mit 22 Grand-Slam-Titeln ist die heute 46-jährige Ehefrau von Andre Agassi die zweiterfolgreichste Spielerin aller Zeiten.

„Steffi ist eine Legende“

„Steffi ist eine Legende und wird das auch bleiben“, stellt Julia Görges im Gespräch mit LAOLA1 klar. Die 27-jährige Deutsche ist in dieser Woche wie beinahe jedes Jahr beim Nürnberger Gastein Ladies zu Gast. 2010 feierte sie beim Sandplatz-Event in den Salzburger Alpen den ersten ihrer beiden WTA-Titel.

Ein Jahr spätere triumphierte sie beim Premier-Turnier in Stuttgart und stürmte in Folge in die Top 15 der Weltrangliste. Die Anerkennung für ihre Leistungen blieb ihr und vielen Landsfrauen wie Andrea Petkovic oder Sabine Lisicki aber meist versagt.

„Wir wurden immer gefragt, wann jetzt die neue Steffi Graf kommt. Nur wird’s die bei uns leider nicht geben. Man muss den Respekt für die einzelnen Leistungen der Sportler ganz individuell zollen. Außenstehende vergessen oft, wie hart dieser Job sein kann“, bricht sie eine Lanze für sich und ihre Kolleginnen.

Neun Deutsche in den Top 80

Dabei würde es wahrlich keinen Grund zur Beschwerde geben. Neun deutsche Damen stehen derzeit in den Top 80 des WTA-Rankings. Ein Umstand, bei dem man als Österreicher – aktuell steht keine ÖTV-Lady in den Top 200 – durchaus neidisch werden könnte.

„Wir haben eine sehr gute Breite an Spielerinnen und sollten damit auch zufrieden sein. Wir wissen ja auch nicht, was danach kommt.“

Über den Nachwuchs müssen sich unsere Nachbarn freilich noch länger keine Sorgen machen. Mit Carina Witthöft schaffte heuer eine 20-Jährige den Sprung in die Top 50. Anna-Lena Friedsam und Annika Becker, die übrigens ebenfalls in Bad Gastein am Start ist, sind auch erst erst 21 Jahre jung.

Einen wirklichen Grund für die deutsche Tennis-Armada gebe es laut Görges nicht. „Wir haben einfach eine gute Generation. Dass wir derzeit so viele Spielerinnen in den ersten 100 haben, ist fast schon ein kleines Wunder.“

Freilich sei es hilfreich, wenn sich die Damen gegenseitig hochpushen können. „Jede von uns hatte einzelne Phasen, in denen sie große Erfolge gehabt hat. Das ist schön zu sehen, dass nicht nur eine diktiert, sondern alle zusammen. Das ist auch für den Fed Cup ein großer Vorteil, weil man einfach mehr Möglichkeiten hat.“

Görges kratzt wieder an den Top 50

Nach einigen durchwachsenen Jahren fühlt sich Görges langsam wieder auf den Weg zu alter Stärke. Bei den Australian Open und den French Open erreichte sie jeweils das Achtelfinale. Mittlerweile kratzt sie als 57. wieder an den Top 50.

„Es ist eine sehr positive Entwicklung, da ich sehr konstant gespielt habe. Mit meiner Saison bin ich sehr zufrieden“, so Görges, die als Grund für ihren Rückfall in erster Linie die immer stärker werdende Konkurrenz sieht.

„Das Tennis hat sich einfach weiter entwickelt. Es nicht einfach, dort oben zu bleiben. Wenn man weiß, was es da überhaupt für eine Energieleistung braucht, um überhaupt dort hin zu kommen, dann weiß man auch, was die Top-Spielerinnen da jedes Jahr leisten müssen. Es ist definitiv mein Ziel wieder in die Spitze zu kommen.“

Von Serena Williams beeindruckt

Umso beeindruckender findet Görges deshalb auch die aktuelle Vormachtstellung von Serena Williams im Damen-Tennis. In Wimbledon feierte die bald 34-jährige US-Amerikanerin ihren vierten Grand-Slam-Sieg in Folge, womit ihr nur mehr ein Erfolg auf Steffi Graf fehlt.

„Sie ist einfach genial und ein richtiger Champion. Sie bringt einfach immer wieder ihre Leistung. Man muss anerkennen, dass sie mit Abstand die Nummer eins ist. Sie ist sehr kompakt, hat den besten Aufschlag der Tour und kann dadurch viel Druck ausüben. Zudem bewegt sie sich sehr gut und ist ein kompletter Athlet. Ihre Erfahrung mit 21 Grand-Slam-Siegen ist natürlich unbezahlbar.“

Trotz der Dominanz sieht Görges mehr Chancen für die erweiterte Weltklasse, zu der sie sich auch selbst zählt: „Jedes Jahr ist aber eine Überraschungs-Finalistin mit dabei und deshalb sind alle Spielerinnen sehr motiviert, weil sie wissen, dass alles möglich ist. Vor fünf bis sieben Jahren haben noch vier, fünf Spielerinnen dominiert. Jetzt ist es deutlich offener.“

Dementsprechend zuversichtlich geht sie auch in das Nürnberger Gastein Ladies, wo sie am Dienstag in der ersten Runde auf eine Qualifikantin trifft.

„Es ist ein sehr schönes Turnier und ich fühle mich immer sehr willkommen. Da ich früher immer in Österreich Urlaub gemacht habe, ist es wie in zweites Zuhause für mich“, würde sie ihren Aufenthalt im früheren Monte Carlo der Berge gerne verlängern. Am liebsten bis Sonntag.

Christian Frühwald

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