"Habe die Fans und das Adrenalin vermisst"

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Sabine Lisicki ist zwar erst 22 Jahre jung, hat in ihrer Karriere aber schon so einiges durchgemacht.

Nach ihrem Durchbruch im Jahr 2009, als sie unter anderem bis ins Wimbledon-Viertelfinale stürmte, musste sie im folgenden Jahr einen bitteren Rückschlag hinnehmen.

Aufgrund einer komplizierten Sprunggelenksverletzung verpasste die Deutsche beinahe die gesamte Saison.

Fall aus den Top 200

Nach dem Fall aus den Top 200 startete die im berühmten Bolletieri-Camp in Florida trainierende Berlinerin innerhalb kürzester Zeit wieder voll durch.

Nachdem sie sich auf Challenger-Ebene langsam Spielpraxis holte, beeindruckte sie in der Rasen-Saison mit dem Einzug ins Halbfinale von Wimbledon und dem Turniersieg in Birmingham.

Vorstoß in die Top 15

Im Sommer ließ Lisicki den Titel in Dallas folgen. Dank dieser Erfolge beendet sie diese Saison auf dem 15. Weltranglistenplatz - ein neues Career High!

Erst zu Jahresende kam ihr Motor etwas ins Stottern. Eine in China eingefangene Lebensmittelvergiftung vermasselte ihr unter anderem das Generali Ladies in Linz.

Beim "Tournament of Champions in Bali" musste sie wegen Rückenschmerzen im Halbfinale aufgeben.

"Hoffe, dass der Rücken schnell wieder in Ordnung ist"

"Das Turnier ist super verlaufen, leider hat es ein ungewolltes Ende genommmen. Ich hoffe aber, dass das wieder schnell in Ordnung ist", blickt Lisicki vorerst einmal einem kurzen Urlaub und dann natürlich der kommenden Saison freudig entgegen.

Im LAOLA1-Interview spricht sie über ihr beinahe perfektes Comeback, ihr Training der Bolletieri-Academy und ihr kosmopolitisches Leben.

LAOLA1: Gibt dir auch Bolletieri selbst noch Tipps?

Lisicki: Nick ist jeden Tag auf der Anlage und kommt auch immer wieder auf den Platz und spricht sich mit meinem Vater, der auch mein Trainer ist, ab, woran man noch arbeiten kann und was wichtig ist. Wir sind einfach ein Team. Das habe ich dort und das ist auch wichtig. Vor allem in schweren Zeiten.

LAOLA1: Du bist Deutsche, trainierst in Amerika und hast polnische Wurzeln. Welcher Nationalität fühlst du dich verbunden?

Lisicki: Ich bin ganz klar eine Deutsche. Die amerikanische Siegermentalität ist aber da und auch diese Lockerheit liegt mir. Das passt einfach gut. Den Siegeswillen hatte ich von klein auf. Schon bei den deutschen U12-Meisterschaften war ich dafür bekannt, bis zum letzten Punkt zu kämpfen. Ich habe oft noch Matches gedreht und gewonnen. Ich habe immer alles gegeben und das hat sich bis jetzt auch nicht geändert. In der Academy ist das eben auch so. Deshalb fühle ich mich dort wohl. Auch wenn ich Berlin natürlich vermisse (lacht). Ich freue mich jedes Mal wenn ich in Berlin bin – es ist einfach eine tolle Stadt. Es ist einfach Deutschland.

LAOLA1: Wie oft bist du in Berlin?

Lisicki: Leider nicht sehr oft. Eigentlich sogar sehr selten. Gerade mal vor dem Fed Cup oder bei deutschen Turnieren schaffe ich es ein paar Tage nach Hause. Die Zeit, die ich dort bin, genieße ich wirklich. Ich wohne noch bei meinen Eltern.

Das Gespräch führte Christian Frühwald

LAOLA1: In Bali hast du im Halbfinale wegen Rückenschmerzen aufgeben müssen. Davor warst du von einer Lebensmittelvergiftung, die du dir in China eingefange hast, geschwächt. War die Saison schon zu lang?

Lisicki: Eigentlich mag ich die Turniere am Ende des Jahres. Für mich ist es nicht so eine lange Saison, weil ich zu Beginn nur bei den ITF-Turnieren war. Im Prinzip spiele ich erst seit April konstant auf der WTA-Tour. Das hat mich sehr gefreut und deshalb wollte ich die Saison auch noch gut abschließen. Dann sind mir leider das Essen in China und die Schmerzen im Rücken in die Quere gekommen.

LAOLA1: Wie schaut deine Saisonbilanz aus? Nach der schweren Sprunggelenksverletzung im Vorjahr können die Erwartungen ja nicht sehr hoch gewesen sein.

Lisicki: Unglaublich gut. Wer hätte gedacht, dass ich im April auf 218 stehe und jetzt in den Top 20 bin. Das hätte ich nie geglaubt. Mein Ziel war es, in den Top 50 zu stehen und eine gute Ausgangsposition für 2012 zu haben. Das habe ich weit überboten. Ich habe zwei Titel gewonnen und war in Wimbledon erstmals in einem Grand-Slam-Halbfinale. Auch die Konstanz war sehr gut. Schade, dass es jetzt so ein Auf und Ab ist. Aber so ist es nun mal. Manchmal hat man eben Pech.

LAOLA1: Inwieweit hat sich durch die Erfolge in diesem Jahr dein Leben abseits des Platzes verändert?

Lisicki: Ich hatte das ja schon vor zwei Jahren, als ich in Charleston gewonnen habe und in Wimbledon das Viertelfinale erreichte. Ich kenne das also. Es war nichts Neues für mich und das hat mir auch geholfen. Außerdem sind wir jetzt vier Mädels in Deutschland und dadurch verteilt sich der Druck ein bisschen. Das ist gut so. Wir spielen von Januar bis November durch und es ist unmöglich, jede Woche ein Turnier zu gewinnen. Für die Zuschauer und Fans ist es super, dass wir jetzt zu viert sind.

LAOLA1: Wie schaut deine Zielsetzung für die nächste Saison aus?

Lisicki: Mein Ziel ist es, bei den Grand-Slam-Turnieren in den Top 16 gesetzt zu sein. Das hatte ich mir eigentlich für Australien vorgenommen, da habe ich aber nicht mit der Lebensmittelvergiftung gerechnet. Wenn es schon in Australien klappt, ist es super. Wenn nicht, dann halt später. Auf jeden Fall werde ich dann die Top 10 anstreben. Es muss aber Schritt für Schritt gehen. Das Wichtigste nach meiner Verletzung ist aber, wieder auf dem Platz zu stehen, die Fans hinter sich und das Adrenalin in mir drin zu haben. Das liebe ich sehr und habe ich sehr vermisst. Ich will mir den Spaß nicht durch irgendeinem Druck nehmen. Ich will weiter Spaß auf dem Platz haben, kämpfen und alles geben. Wenn ich verletzungsfrei und gesund bleibe, dann wird der Rest von selbst kommen.

LAOLA1: Wo wirst du in der Vorbereitung deinen Trainingsschwerpunkt legen?

Lisicki: Man kann sich überall verbessern. Fitnessmäßig kann ich sicher auch noch zulegen. Ich habe mich dieses Jahr sehr gut gehalten und mich nicht verletzt. Das ist schon mal sehr gut. Ich will auf diese Saison aufbauen und das Selbstvertrauen mitnehmen. Ich werde einfach generell hart arbeiten und nichts völlig Neues machen.

LAOLA1: Die Vorbereitung wirst du wieder im Bolletieri-Camp in Florida abwickeln. Was hat dir das Training dort persönlich gebracht?

Lisicki: Ich wurde dort immer sehr unterstützt – auch nach meiner Verletzung, als ich bei Null anfangen musste. Die Reha habe ich in Berlin gemacht. Sobald ich wieder auf den Platz konnte, war ich in der Academy. Da hat man einfach die Vielfalt an Plätzen und Trainingspartnern. Auch das gute Wetter spielt eine Rolle. Man kann einfach immer draußen spielen.

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