"Die heutigen Frauen sind größer und stärker"

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Wie sich die Zeiten doch ändern.

40- bis 50-Jährige Hausfrauen sind zwar auch im 21. Jahrhundert noch recht verzweifelt, dürfen sich aber mittlerweile immerhin über den Status eines Sex-Symbols erfreuen.

Andere rüstige Damen erleben in „Sex and the City“ schlüpfrige Geschichten in New York. In einem Alter, in dem sie in den 80er Jahren noch als „Golden Girl“ engagiert worden wären.

Top 100 so alt wie nie zuvor

Auch das internationale Damen-Tennis widersetzt sich diesem Trend nicht. Die Top 100 sind so alt wie nie zuvor.

Mit den beiden US-Girls Christina McHale (19 Jahre) und Sloane Stephens (Bild, 18 Jahre) und der Ungarin Timea Babos (18 Jahre) finden sich nur mehr drei Teenager unter den besten 100 Tennis-Spielerinnen der Welt.

Ein Umstand, der noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wäre. Gerade die WTA-Tour war lange Zeit für ihre extrem jungen Sportlerinnen bekannt.

Durchbruch in jungen Jahren

In den vergangenen Jahrzehnten war es für viele spätere Stars Standard, schon in den frühen Teenager-Jahren den Durchbruch in die Weltklasse zu schaffen.

Wer mit 20 Jahren noch keinen Top-10- oder zumindest Top-20-Status hatte, wurde schnell das Prädikat „Mittelklasse“ auf die Stirn gebrannt.

Eine Martina Hingis triumphierte beispielsweise bereits mit 16 Jahren bei den Australian Open, Jennifer Capriati gewann als 15-Jährige ihr erstes WTA-Turnier.

Karriereende mit 22 Jahren

Andrea Jaeger, die mit 15 Jahren ein gefeiertes „Wunderkind“ war, hängte als 22-Jährige den Schläger auch schon wieder an den Nagel, weil sie den Ruf Gottes erhörte und auf „Nonne“ umsattelte.

Tracy Austin, zweifache US-Open-Siegerin und Nummer eins der Welt, beendete - allerdings verletzungsbedingt - sogar schon mit 20 ihre Karriere. In einem Alter also, in dem heutige Stars oft noch nicht einmal den Durchbruch geschafft haben.

Schon damals spekulierte Schett darauf, dass die spielerischen Finessen „mit dem schnelleren Spiel“ kombiniert werden. Diese Prophezeiung sollte sich als richtig erweisen. Athletinnen wie Azarenka oder Kvitova setzen Schetts Hoffnungen heute schon in die Tat um.

Ältere Damen bieten besseres Gesamtpaket

Das Phänomen der älteren Spielerinnen wird dadurch aber noch verstärkt. Denn nur gestandene und routinierte Frauen können ein derartiges Gesamtpaket anbieten.

Trainer Mark Wellington, der unter anderem mit Azarenka, Maria Sharapova und Österreichs Talent Tina Kandler arbeitete, erklärt ebenfalls auf "ESPN": „Vor zehn Jahren hat eine Frau einfach nur härter als ihre Gegnerin schlagen müssen."

"Heute sind in den Top 10 große und kräftige Spielerinnen, die auch wissen, wie sie spielen müssen. Diese Spielerfahrung kann eine Junioren-Spielerin gar nicht haben.“

Victoria Azarenka zählte bei ihrem Australian-Open-Sieg im Jännner bereits 22 Lenze. Die Weißrussin übernahm mit ihrem ersten Grand-Slam-Titel zugleich auch die Weltranglisten-Führung.

Dabei war Azarenka gemeinsam mit der ein Jahr jüngeren Petra Kvitova, die in der vergangenen Saison in Wimbledon triumphierte, eine der jüngsten Major-Gewinnerinnen der letzten Jahre.

Ansonsten setzten sich Routiniers wie Samantha Stosur (27 Jahre), Li Na (30), Kim Clijsters (28), Serena Williams (30) oder Francesca Schiavone (31) durch.

Körperlicher Faktor wird immer wichtiger

Doch warum haben sich die Zeiten derart geändert? Warum können Mädchen heutzutage nicht mehr mit gestandenen Frauen mithalten?

Als Hauptgrund für diesen Trendwechsel ist wohl die höhere Bedeutung des körperlichen Faktors zu nennen. So sieht es zumindest auch Tracy Austin.

„Ich glaube nicht, dass man heutzutage mit 14 Jahren körperlich auf der Tour mithalten kann. Ich habe damals 45 Kilogramm auf die Waage gebracht. Die heutigen Frauen sind viel größer und stärker“, wird die mittlerweile 49-Jährige auf „ESPN“ zitiert.

Damals war es sogar eher umgekehrt. Während die „jungen Wilden“ aus vollem Rohr losballerten, packten  die Veteranen die feine Klinge aus, um mit spielerischen und taktischen Mitteln zum Erfolg zu kommen.

Schett: „Variation ist das Wichtigste“

Ein Spielstil, dem schon vor zwei Jahren Barbara Schett im LAOLA1-Interview nachtrauerte: „Die Spiel-Variation ist meiner Meinung nach das Wichtigste. Nur draufzuknallen ist zu wenig“, konnte die Tirolerin dem vielzitierten „Power-Tennis“ nicht viel abgewinnen.

Spielerin

Land

Geburtsdatum

Kimiko Date Krumm

JPN

28.09.1970

Tamarine Tanasugarn

THA

24.05.1977

Greta Arn

HUN

13.04.1979

Alberta Brianti

ITA

05.04.1980

Francesca Schiavone

ITA

23.06.1980

Lourdes Dominguez Lino

ESP

31.03.1981

Stephanie Foretz Gacon

FRA

03.05.1981

Serena Williams

USA

26.09.1981

Klara Zakapolova

CZE

24.02.1982

Flavia Pennetta

ITA

25.02.1982

Li Na

CHN

26.02.1982

Tochter Jada ist wichter als jeder Titel

Für diese innere Ruhe benötigt es nun einmal Lebenserfahrung. Bestes Beispiel dafür ist Kim Clijsters. Die Belgierin holte drei ihrer vier Major-Titel nach ihrem Comeback als Tennis-Mama.

„Als Mutter wirst du mental stärker“

Wenn es Tochter Jada Ellie gut geht, lässt sich die ehemalige Weltranglisten-Erste von so etwas Bedeutungslosem wie einem Tennis-Match nicht aus der Contenance bringen.

„Als Mutter wirst du vielleicht nicht körperlich stärker, mental macht es dich aber auf jeden Fall stärker“, ist Clijsters überzeugt. „Der Stolz auf Jada ist nicht zu überbieten. Kein Sieg, kein Titel kann sich mit dem Mutter-Gefühl messen!“

Comeback nach misslungener Nachwuchs-Planung

Eine ähnliche Ruhe wie Cllijsters kann Kimiko Date Krumm an den Tag legen. Mit ihren 41 Jahren muss die Japanerin, die 1996 sogar die Nummer vier der Welt war und kurz danach ihren Rücktritt verkündete, niemandem mehr etwas beweisen.

Eigentlich wäre die Ehefrau des deutschen Rennfahrers Michael Krumm sogar lieber Mutter geworden, als wieder auf dem Tennisplatz zu stehen. „Wir haben versucht, ein Baby zu machen, und nichts ist passiert“, erzählt Date Krumm über die misslungene Nachwuchs-Planung.

Nach einer zwölfjährigen Pause und einer kurzen Karriere als Langstreckenläuferin wagte sie auf Drängen ihres Gatten schließlich ein ähnliches Experiment wie Thomas Muster bei den Herren. Nur verlief jenes von Date Krumm weitaus erfolgreicher.

Alt, aber gut: Kimiko Date Krumm

„Früher hatte jede Spielerin einen anderen Stil. Heute spielt jede gleich – härter, härter, härter“, so Date Krumm, die mit ihrem Spielwitz und vor allem ihrem extrem giftigen Slice schon einigen Gegnerinnen, die durchaus ihre Töchter sein hätten können, den Nerv gezogen hat.

WTA mit aktueller Entwicklung zufrieden

Date Krumm ist somit das Extrem der aktuell stattfindenden „Überalterung“ der WTA-Tour. Der internationale Verband ist mit dieser Entwicklung übrigens recht glücklich, hat er diese doch selbst gefördert.

Laut aktuellem Regelwerk ist es Spielerinnen unter 15 Jahren verboten auf Tour-Ebene zu spielen. Bis zum 19. Lebensjahr ist das Antreten bei den Turnieren stark limitiert.

Vielen ehrgeizigen Talenten und deren Eltern bzw. Trainern ist diese Regelung natürlich ein Dorn im Auge. Ihrer Meinung nach wird dadurch absichtlich die Entwicklung der Mädchen behindert.

Teenie-Stars sorgen für Probleme

Freilich hat sich die WTA bei der Einführung dieser Bestimmungen auch etwas gedacht, bringen Teenie-Stars doch auch eine Menge Probleme mit sich. Aufgrund unterschiedlichster Jugendschutzgesetze in der ganzen Welt sind Konflikte vorprogrammiert.

Zudem ist auch der gesundheitliche Aspekt zu berücksichtigen. 14-18-jährige Mädchen stecken oft noch mittendrin in ihrer Wachstumsphase. Spitzensport ist da aus medizinischer Sicht nicht ideal. Als bestes Beispiel dient das frühe Karriereende von Tracy Austin.

Unter dem Strich gibt es also wohl wenige Gründe, den alten Zeiten nachzutrauern. Natürlich ist das mediale Interesse bei Teenie-Stars groß. Diese müssen aber die Ausnahme bleiben. Von einer Überflutung wie in den 80er und 90er Jahren hat Niemand etwas.

Ein „Wunderkind“ ist nur eines, wenn es eine gewisse Einzigartigkeit vorweisen kann.

Christian Frühwald

Spielerin

Land

Geburtsdatum

Timea Babos

HUN

10.05.1993

Sloane Stephens

USA

20.03.1993

Christina McHale

USA

11.05.1992

Simona Halep

ROU

27.09.1991

Anastasia Pavlyuchenkova

RUS

03.07.1991

Ksenia Pervak

KAZ

27.05.1991

Polona Hercog

SLO

20.01.1991

Petra Martic

CRO

19.01.1991

Urszula Radwanska

POL

07.12.1990

Tamira Paszek

AUT

06.12.1990

Irina-Carmelia Begu

ROU

26.08.1990

Mit dem höheren Alter kann sich zudem ein mentaler Vorteil ergeben. Ältere Spielerinnen sind abgeklärter, ruhiger und dadurch weniger fehleranfällig.

Lebenserfahrung als Trumpf-Ass

Samantha Stosur, die bei ihrem ersten Grand-Slam-Sieg bei den US Open  2011 schon 27 Jahre alt war: „Zu Beginn meiner Karriere war ich oft nervös und konnte Matches einfach nicht beenden. Heute bin ich reifer und kann mit solchen Situationen besser umgehen.“

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