Wenn die Pressekonferenz zur Kabarett-Bühne wird

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Die Beziehungen zwischen Sportlern und Journalisten sind nicht immer einfach.

Während Erstere manchmal nur schwer zu vernünftigen und ausführlichen Antworten zu bewegen sind, fallen Letzteren nicht selten keine vernünftigen Fragen ein, was wiederum meist in fehlendem Fachwissen begründet liegt.

Berechtigter Unmut auf der jeweils gegenüberliegenden Seite ist in solchen Fällen garantiert.

Kuriose Szenen in Wimbledon

Ausgerechnet im Tennis-Mekka von Wimbledon kam es in den letzten Tagen zu auffallend vielen kuriosen Szenen, die zumindest bei Unbeteiligten für Schmunzeln sorgten.

Den Vogel schoss am Montag ein Reporter bei der Pressekonferenz von Tomas Berdych nach dessen Achtelfinal-Partie gegen Gilles Simon ab.

„Wie fühlen Sie sich nach dem Match? Glauben Sie, dass Sie in einer guten Verfassung für das Viertelfinale sein werden?“, wurde der Tscheche von einem wissbegierigen Journalisten zu einer Antwort aufgefordert.

Moderator muss eingreifen

Es wäre eine berechtigte Frage gewesen. Zumindest wenn Berdych seine Partie auch gewonnen hätte. Der Weltranglisten-Sechste verließ allerdings als klarer Drei-Satz-Verlierer den Platz.

„Bitte? Entschuldigen Sie bitte?“, meinte ein perplexer Berdych im ersten Moment, etwas falsch verstanden zu haben. Doch der Reporter ließ nicht locker, fragte noch einmal - beinahe schon vorbildlich - nach, ob er sich denn für das anstehende Viertelfinale nun bereit fühle oder nicht.

Der Moderator erkannte den Ernst der Lage, schaltete sich aufklärend ein und verhinderte damit wohl einen größeren emotionalen Ausbruch des Tschechen.

Nick Kyrgios applaudiert seinem Fragesteller

Zur Erinnerung: Der Nordire hatte sie 2014 für Außenstehende eher unbegreiflich sitzen gelassen.

Kyrgios will den Spieß umdrehen

Als etwas „patschert“ – weil eine solche Antwort zu befürchten war - könnte man die Frage jenes Journalisten bezeichnen, der von Nick Kyrgios nach dessen Niederlage gegen Richard Gasquet eine Erklärung haben wollte, warum er denn eigentlich nicht die Aufschläge seines Kontrahenten retournierte.

 „Wollen Sie einmal versuchen, das Service von Richard Gasquet zurück ins Feld zu bringen? Ich drücke Ihnen mein Racket in die Hand und dann schauen wir einmal, wie viel sie zurück bringen“, forderte der heißblütige Australier seinen Fragesteller nonchalant auf.

Dieser verteidigte sich nicht unberechtigterweise, dass ja nicht er der Tennis-Profi sei und er das – im Gegensatz zu Kyrgios – nicht wirklich wissen müsse.

„Okay“, gab der Australier schließlich zu, um die Frage mit einer messerscharfen Analyse abzuschließen: „Er hat einfach zu gut serviert.“

Wie gesagt, es ist nicht immer einfach.

Christian Frühwald

„Weiß er es wirklich nicht oder macht er sich über mich lustig?“, konnte es Berdych nicht fassen, ehe sich der Fragesteller unter vielfachem „Sorry, sorry“ kleinlaut für seinen peinlichen Fauxpas entschuldigte.

Wozniacki will nur über sich reden

Keine Freude mit den Journalisten hatte auch Caroline Wozniacki nach ihrem Zweitrunden-Auftritt, als sie über ihre Drittrunden-Gegnerin Camila Giorgi befragt wurde.

Nachdem sich die Gespräche mehrfach um die Italienerin drehten, unterbrach die Dänin den Fragenden recht missmutig: „Sind wir bei der Pressekonferenz von Camila oder bei meiner? Wenn ihr etwas über sie wissen wollt, fragt sie doch selber.“

„Sie spielen aber gegen Giorgi“, wollte der Reporter nicht auf seine Antwort verzichten, worauf die US-Open-Finalistin klipp und klar feststellte: „Ich weiß wirklich nicht, was in ihrem Kopf vorgeht. Ich weiß nur, was in meinem Kopf vorgeht. Mehr kann ich dazu nicht sagen.“

Vorzeitiger Abbruch der Pressekonferenz

Als der hartnäckige Fragesteller noch einmal nachhakte, reagierte die diesjährige Nummer eins beim Generali Ladies Linz mit schlichter Ignoranz und wandte sich mit einem lapidaren „Next question. Jesus!“ köpfschüttelnd seinen Kollegen zu, in Hoffnung auf ihr genehmere Fragen.

Diese ihre Hoffnung wurde wenige Tage später vollends zerstört, als sie sich genötigt sah, ihre Pressekonferenz nach dem Achtelfinal-Aus gegen Garbine Muguruza abrupt zu beenden.

Angesprochen auf die Knöchelverletzung ihres ehemaligen Verlobten, Rory McIlroy, brach die blonde Dänin das Gespräch wortlos vorzeitig ab.

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