Paszek: "Bin reifer geworden"

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Offiziell war Tamira Paszek auf dem Höhepunkt ihrer bisherigen Karriere.

Rang 26 spuckte die WTA-Weltrangliste aus, wenn man nach der Vorarlbergerin suchte.

Es war der 11. Februar 2013, die ÖTV-Spielerin nie in ihrer Karriere besser klassiert.

Doch in Wahrheit hatte zu diesem Zeitpunkt längst die schwierigste Phase ihrer Laufbahn begonnen.

Verletzungsmisere

Paszek wurde zurückgeworfen. Immer und immer wieder. Die heute 23-Jährige kassierte eine Erstrunden-Niederlage nach der anderen.

Zunächst wurde in der Öffentlichkeit gerätselt, was mit ihr los sei. Inzwischen ist klar: Ihr Körper streikte. Und zwar dauerhaft.

Pfeiffer'sches Drüsenfieber, eine Oberschenkelverletzung, eine Bronchitis und zudem auch noch ein eingeklemmter Nerv spielten der Gewinnerin von drei WTA-Turnieren übel mit.

Mehr als ein Jahr hat sie gebraucht, um wieder Fuß zu fassen. Inzwischen ist Tamira Paszek auf bestem Wege, wieder die "Alte" zu werden.

Bei den French Open gelang ihr erstmals seit sieben Jahren der Sprung in die zweite Runde und auch in Wimbledon hat sie die harte Qualifikation hinter sich gebracht und steht im Hauptbewerb.

Vor ihrem ersten Einsatz hat sich die Dornbirnerin für LAOLA1 Zeit genommen, um über ihr Lieblingsturnier und die schwierigste Phase ihrer Karriere zu sprechen.

LAOLA1: Tamira, zunächst Gratulation zur überstandenen Quali, die ein hartes Stück Arbeit war. Wie ist es dir im letzten Spiel gegen Ons Jabeur ergangen?

Tamira Paszek: Es war eine Nervensache, was dann auch auf dem Platz zu sehen war. Die ganze Anspannung der letzten Monate, nicht zu wissen, ob es mit der Wildcard klappt, dazu ist es mein Lieblingsturnier – all das hat da mitgespielt. Ich wusste, dass die letzte Quali-Runde ein hartes Stück Arbeit würde aufgrund der Nerven. Ich habe nicht mein bestes Tennis gespielt, aber ich habe mein Herz reingeworfen und bis zuletzt um jeden Ball gekämpft.

LAOLA1: Wie groß war der Stein, der dir nach dem Sieg vom Herzen fiel?

Paszek: Der war sehr groß. Es sind auch ein paar Tränen geflossen. (lacht)

LAOLA1: Was würdest du aktuell als deine größte Waffe bezeichnen? Wie ist es um deine Schwächen bestellt?

Paszek: Eine Waffe war schon immer meine Rückhand und dann sehe ich es positiv, dass ich wieder zu meinem Spielwitz finde. Größte Schwäche? (atmet durch) Den Aufschlag haben wir in den letzten Wochen stark verbessert, sodass ich nicht mehr von der größten Schwäche reden will. Ich würde aber sagen, dass definitiv dort noch das größte Verbesserungspotenzial vorhanden ist.

LAOLA1: Die vergangene Zeit war für dich nicht einfach – Pfeiffer’sches Drüsenfieber, dazu eine Oberschenkelverletzung und eine Bronchitis setzten dir lange zu. Sportler sind auf Erfolg programmiert. Wie bist du damit umgegangen, dass dein Körper permanent gestreikt hat?

Paszek: Ich hatte wirklich alles Mögliche. Ein eingeklemmter Nerv in der Schulter war auch noch dabei. Es war definitiv eine schwere Zeit, geduldig zu bleiben und den Glauben an sich selbst zu behalten. Man kann ja nichts machen. Das Pfeiffer’sche Drüsenfieber wurde spät entdeckt, ich musste warten und eine Pause einlegen, mehr ging nicht. Ich habe versucht, in dieser Zeit viele Dinge zu machen, die mir Spaß machen. Kleine Sachen, wie mit meinen Hunden spazieren zu gehen. Dinge, die mir als Mensch guttun. Wichtig war auch, Dinge für mich klarzustellen.

LAOLA1: Die Auslosung hat dir Vorjahres-Halbfinalistin Kristen Flipkens eingebrockt. Wie beurteilst du das Duell?

Paszek: Ich nehme es, wie es kommt. Bei einem Grand Slam gibt es sowieso keine leichte Auslosung. Ich komme aus der Qualifikation, hatte zuletzt viele Matches auf Rasen und fühle mich fit und gesund. Jeder ist schlagbar, ich werde rausgehen und alles geben. Ein leichtes Los ist es aber sicher keines.

LAOLA1: Du bezeichnest Wimbledon als Lieblingsturnier. Was macht den „heiligen Rasen“ für dich so besonders?

Paszek: Das hat viel damit zu tun, dass ich mit 14 Jahren ein Vorbereitungsturnier in Roehampton, wo jetzt auch die Quali war, gespielt und dort ein Spiel bitter verloren habe. Ich war drei Tage am Boden zerstört, doch meine Mama hat gemeint, ich solle Spaß haben, da Wimbledon kommt. Dort bin ich dann ins Finale gekommen und seither ist es für mich ganz speziell. Dazu das Drumherum: Ganz in Weiß spielen, der grüne Rasen, die Zuschauer, Erdbeeren mit Sahne. Es ist alles anders als bei den weiteren Grand Slams.

LAOLA1: Du hast zuletzt klar ansteigende Form gezeigt und bei den French Open erstmals seit 2007 die erste Runde überstanden. Wie fühlt es sich an, nach einer langen Durststrecke wieder auf dem Weg nach oben zu sein?

Paszek: Es ist ein sehr schönes Gefühl, gerade nach so harten Zeiten wie in den letzten eineinhalb Jahren mit all den Verletzungen. Da fühlt es sich super an, täglich die Verbesserungen zu sehen. Die Konstanz kommt wieder rein, die Gesundheit spielt mit – das gibt Auftrieb und positive Motivation.

LAOLA1: Du bist in Nottingham ausgerutscht und musstest dein Match aufgeben. Bist du punkto Fitness bei einhundert Prozent?

Paszek: Da hatte ich Glück. Die Bänder waren nur überdehnt. Es war aber eine Schrecksekunde, bei der ich dachte: Das darf nicht wahr sein! Mittlerweile komme ich aber genau zur richtigen Zeit wieder an die einhundert Prozent ran.

Turnier 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014
Australian Open Rd. 2 Rd. 1 Rd. 1 Rd. 1 Rd. 1 Rd. 1 Rd. 2 -
French Open Rd. 2 Rd. 1 Rd. 1 - Rd. 1 Rd. 1 Rd. 1 Rd. 2
Wimbledon <span style=\'color: #ff9900;\'>AF Rd. 1 Rd. 1 - <span style=\'color: #ff0000;\'>VF <span style=\'color: #ff0000;\'>VF Rd. 1 ?
US Open <span style=\'color: #ff9900;\'>AF Rd. 2 - Rd. 2 Rd. 1 Rd. 1 - ?

LAOLA1: Inwiefern?

Paszek: Ich habe mir Gedanken gemacht, wohin ich will. Mit welchem Umfeld ich das alles machen will. Im Nachhinein war es eine wichtige Erfahrung, das mitzumachen.

LAOLA1: Und wohin willst du?

Paszek: Definitiv in die Top 10. Das war immer mein Ziel, das aber nicht mehr sichtbar war durch die Verletzungen. Ich konnte auch im Training nicht mehr meine gewohnte Leistung bringen. Jetzt gilt es aber erst einmal, wieder in die Top 100 zu kommen, wovon ich (Nummer 123, Anm.) nicht mehr so weit entfernt bin. Danach will ich Schritt für Schritt dorthin, wo ich war, um als letzten Schritt den Sprung in die Top 10 zu schaffen.

LAOLA1: Du hast in einem Interview mit der WTA erwähnt, dass du viel geweint hast und häufig deprimiert warst. Welche Personen waren in dieser Zeit für dich die wichtigsten Stützen?

Paszek: Ich habe Gott sei Dank ein sehr schönes Umfeld und ein sehr gutes Verhältnis zu meiner Familie und Freunde, dich ich von klein auf kenne. Die haben mich immer unterstützt.

LAOLA1: Gab es Momente, in denen du ans Aufgeben gedacht hast?

Paszek: Es gab Momente, in denen ich einfach alleine sein wollte. Da hatte ich genug von allen. Es waren Momente, in denen ich mich gefragt habe, wie es weitergehen soll, wenn die Gesundheit nicht mitspielt. Als Sportler ist man den Wettkampf gewohnt, ohne Challenges ist man auf Dauer natürlich deprimiert.

LAOLA1: Du hast erwähnt, dass du auf dem Platz glücklicher denn je bist. Wie würdest du dieses Gefühl beschreiben?

Paszek: Ich bin immer noch die gleiche Person, aber viel ruhiger. Ich sehe es gelassener, wenn Dinge nicht so funktionieren. Ich sehe das große Ganze mit anderen Augen. Ich bin ein Perfektionist, daher war es nicht immer leicht (lacht). Mittlerweile nehme ich alles mit mehr Humor und habe die Leichtigkeit und den Spaß wiedergefunden. Ich genieße jetzt den Moment und freue mich, dass ich mich gut fühle und glücklich bin. Ich bin reifer und erwachsener geworden.

LAOLA1: Du bist bereits das neunte Jahr auf der Tour, sprichst aber gleichzeitig davon, noch acht bis zehn Jahre vor dir zu haben. Hast du tatsächlich vor, der WTA solange erhalten zu bleiben?

Paszek: Ich hoffe, dass es in den nächsten Jahren gut läuft. Ich bin 23 und stehe eigentlich am Anfang der Karriere. In diesem Alter haben viele erst so richtig angefangen. Wenn ich gesund bleibe, es läuft und ich den Spaß behalte, kann ich mir gut vorstellen, so lange weiterzuspielen.

LAOLA1: Zurück zu Wimbledon. Was ist in diesem Jahr für dich möglich?

Paszek: Ich mache mir überhaupt keinen Druck und habe keine speziellen Erwartungen. Ich werde rausgehen und versuchen, das zu spielen, was wir trainiert haben. Am wichtigsten ist meine Gesundheit.

LAOLA1: Abschließend noch eine Frage zum Fed Cup. Patricia Mayr-Achleitner hat in Paris fehlenden Teamgeist bemängelt. Du warst im Februar dabei, wie hast du die Situation erlebt?

Paszek: Zu Patricias Kommentar will ich mich nicht äußern. Ich denke, es ist die Aufgabe des Captains, diese Aussage zu kommentieren.

LAOLA1: Vielen Dank für das Gespräch.


Das Interview führte Christoph Nister 

 

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