"Das ganze Land ist stolz auf Andy Murray"

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“Was für ein unglaublicher Tag! Ich bin einfach nur stolz auf meinen Bruder! Was für ein Champion!“

Nicht nur der ein Jahr ältere Bruder Jamie war nach dem beeindruckenden Final-Sieg von Andy Murray über Novak Djokovic in Wimbledon völlig aus dem Häuschen.

Nach dem ersten britischen Heimsieg seit 77 Jahren stand die Insel Kopf. Das ganze Land feierte ausgelassen seinen neuen Sporthelden.

Roddick fordert Ritterschlag

„Es war ein Privileg, hier dabei sein zu dürfen und zu sehen, wie Andy Murray in Wimbledon Geschichte schreibt. Das ganze Land ist stolz“, twitterte Premier-Minister David Cameron, der sich den historischen Erfolg wie viele andere Stars nicht entgehen ließ.

Unter anderem konnte man die Hollywood-Stars Gerard Butler und Bradley Cooper sowie Manchester-United-Goalgetter Wayne Rooney und Victoria Beckham auf den Tribünen erspähen.

Die britische Queen war zwar nicht dabei, sie ließ dem 26-jährigen Schotten aber eine private Nachricht zukommen.

Der dreifache Wimbledon-Finalist Andy Roddick spekulierte schon mit einer „Beförderung“: „Ich bin mir sicher, dass @andy_murray seinen Twitter-Namen auf @sirandymurray wird umstellen müssen.“

Murray fällt riesige Last von den Schultern

Murray fiel nach dem zweiten Grand-Slam-Titel – den ersten holte er im letzten  Jahr bei den US Open – eine riesige Last von den Schultern.

„Es war sehr, sehr stressig in den letzten vier, fünf Jahren“, sprach Murray über den extremen Druck an dem viele seiner Landsleute in den vergangenen Jahrzehnten zerbrachen.

Feierstimmung in Murrays Heimatort Dunblane

„Schon kurz vor Turnierbeginn war es nicht leicht. Doch vor allem an den letzten beiden Tagen war es extrem. Überall wo du hingehst, wirst du mit dem Finale konfrontiert. Ich konnte dieser Geschichte nicht aus dem Weg gehen. Das Turnier ist einfach zu groß und dann noch diese 77-jährige Durststrecke ohne Heimsieg.“

Lehren aus dem Vorjahr

Schon im vergangenen Jahr war Murray knapp dran. Im Endspiel gegen Roger Federer gewann er zwar den ersten Satz, musste sich dann aber doch in vier geschlagen geben. „Ich komme meinem Ziel langsam näher“, meinte er damals mit Tränen in den Augen. „Das war einer der schlimmsten Momente meines Lebens.“

Am Sonntag ging Murray schließlich den letzten Schritt. „Ich habe mich diesmal besser gefühlt als im vergangenen Jahr. Es war aber trotzdem nicht leicht“, so Murray, der nun hofft, dass er in Zukunft befreiter aufspielen kann. „Ich glaube, dass es jetzt leichter für mich wird. Ich hoffe es zumindest.“

Dank an Trainer Ivan Lendl

Murray vergaß aber auch nicht, sich bei seinem Team zu bedanken. „Sie haben mich immer begleitet und unterstützt und haben viele schwierige Situationen mit mir durchgestanden.“

Fairer Verlierer: Novak Djokovic

Der Serbe, der im Head-to-Head nur mehr knapp mit 11:8 voranliegt, kann sich damit trösten, am Montag weiterhin die Weltrangliste vor Murray anzuführen.

„Er war in den entscheidenden Momenten einfach der bessere Spieler. Ich war im zweiten und dritten Satz jeweils mit 4:2 in Führung und habe jedes Mal meinen Aufschlag abgebeben. Ich habe es ohne Grund erlaubt, dass er wieder zurückkommt.“

Der Serbe will die Leistung seines Kontrahenten aber nicht schmälern. „Er hat einige unglaubliche Schläge ausgepackt und hat meine Stops sensationell erlaufen. Er war einfach überall auf dem Platz. Er hat fantastisches Tennis gespielt und sich den Sieg verdient – keine Frage. Ich hätte bei den Big Points einfach besser spielen müssen.“

Müder Murray

So musste sich Djokovic damit trösten, dass er seinem Bezwinger zumindest körperlich und mental alles abverlangt hatte. Denn Murray gab später im BBC-Studio zu, dass er nach der Partie einen ziemlichen Zusammenbruch durchmachen musste.

„Nach der Presse und dem Doping-Test hat es mich getroffen wie ein Ziegelstein. Ich war von einer Sekunde auf die andere einfach nur müde. Und dabei habe ich noch eine lange Nacht vor mir…“

Christian Frühwald

Neben Freundin Kim Sears und Mutter Judy erwähnte er dabei vor allem seinen amerikanischen Coach Ivan Lendl, nach dessen Verpflichtung vor 18 Monaten er den großen Durchbruch schaffte.

Seitdem gewann er Olympia-Gold in London, die US Open und nun eben Wimbledon. Zudem stand  Murray bei seinen letzten vier Grand-Slam-Turnieren immer im Endspiel.

„Dieser Titel gehört Ivan – ich weiß, dass er in seiner aktiven Zeit alles daran gesetzt hat, in Wimbledon zu gewinnen. Ich bin froh, dass ich ihm helfen konnte, dass er es nun wenigstens als Coach geschafft hat."

"Er ist ein fantastischer Mensch und sehr geduldig mit mir. Ich bin sicher kein einfacher Typ“, bedankte er sich beim gebürtigen Tschechen, dem nach dem verwandelten vierten Matchball entgegen seiner Gewohnheiten sogar ein kleines Lächeln entfleuchte.

"Er hat einfach gesagt, dass er stolz auf mich ist. Und natürlich, wenn er das sagt, bedeutet das viel", sagte Murray und ergänzte, "er lächelt in der Öffentlichkeit nicht viel, aber wenn die Leute und die Kameras weg sind, ist er ein ganz anderer Mensch."

Parallelen zu Lendls Karriere

Bei Lendls Karriere gibt es auch einige Parallelen mit jener von Murray. Beide verloren ihre ersten vier Grand-Slam-Endspiele. Lendl gewann danach acht seiner insgesamt 15 Major-Finali, Murray gewann zwei seiner letzten vier.

„Ich war einfach beharrlich“, erklärt der Weltranglisten-Zweite sein Erfolgsrezept. „Das beschreibt meine Karriere wohl am besten. Ich hatte einige schlimme Niederlagen. Ich konnte aber jedes Jahr von mir behaupten, dass ich ein bisschen besser geworden bin. Ich habe immer gelernt und weiter so hart gearbeitet wie ich konnte. Zudem gehe ich heute auch mit Niederlagen besser um als früher.“

Djokovic als fairer Verlierer

Dass er mit Niederlagen ausgezeichnet umgehen kann, bewies wieder einmal auch Djokovic. „Gratulation an Andy. Es war mir ein Vergnügen bei diesem historischen Finale dabei sein zu dürfen.“

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