Melzer kämpft um erstes Wimbledon-Viertelfinale

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Jürgen Melzer hat seinen vor Turnierbeginn wegen eines Leistenbruchs nicht für möglich gehaltenen Erfolgslauf in Wimbledon fortgesetzt.

Der 32-jährige Niederösterreicher entzauberte am Freitag in der dritten Runde auch den Sensationsmann Sergiy Stakhovsky nach 2:15 Stunden mit einem 6:2, 2:6, 7:5, 6:3 und steht damit bei seinem zwölften Wimbledon-Antreten bei den Herren zum zweiten Mal nach 2010 im Achtelfinale.

In diesem bekommt er es am Montag mit dem als Nummer 24 gesetzten 2,03 m-Riesen Jerzy Janowicz aus Polen zu tun.

"Ein absoluter Glücksmoment!"

Nach einer über weite Strecken ausgezeichneten Leistung freute sich Melzer und gestikulierte triumphierend in Richtung seiner Box mit seiner Frau Iveta und Manager Ronnie Leitgeb.

Zum insgesamt fünften Mal und erstmals seit den Australian Open 2011 hat es der Weltranglisten-37. in die Runde der letzten 16 geschafft.

Eine Genugtuung für Melzer, der zuletzt auch immer wieder von Verletzungen gequält wurde.

"Ein Achtelfinale in Wimbledon bedeutet mir viel, das ist ein absoluter Glücksmoment. Vor allem, weil es mir nicht viele zugetraut haben - ich mir schon", freute sich Melzer, der trotz Leistenbruch in Wimbledon einen Lauf bekommen hat.

"Es macht mir Spaß, zu spielen, ich fühle mich wohl, bin konzentriert, und zwischendurch habe ich heute sehr, sehr gut gespielt", erklärte der ehemalige Weltranglisten-Achte.

Stakhovsky hielt Druck nicht stand

Schon vor dem Spiel war darüber spekuliert worden, dass Sensationssiege wie jene von Stakhovsky in der zweiten Runde über den siebenfachen Wimbledonsieger Roger Federer oft im darauffolgenden Match schwer zu bestätigen sind.

Stakhovsky hatte sich einer Flut von Medienanfragen gegenübergesehen, und es ist schwer, da kühlen Kopf zu bewahren.

"Jeder erwartet von dir, dass du besser spielst, nachdem du Roger geschlagen hast. Das einzige, was du nicht willst ist, dass du in der Runde darauf verlierst. Das war eine neue Erfahrung für mich, darauf war ich nicht vorbereitet", sagte ein enttäuschter Stakhovsky, dessen Presseraum diesmal weit leerer war als noch vor zwei Tagen.



Melzer zeigte sich vom "Riesentöter" im ersten Duell mit dem Ukrainer unbeeindruckt, und schon nach 31 Minuten hatte der Niederösterreicher den ersten Satz nach zwei Breaks in der Tasche.

In der Folge nütze Stachowskij im zweiten Durchgang bei 3:2 seinen ersten Breakball zum 4:2 und nahm Melzer auch den Aufschlag zum 6:2 gleich noch einmal ab.

Die Vorentscheidung in diesem Match fiel im dritten Satz, als Melzer ein neuerliches Break zum 2:4 kassierte, aber eiskalt das sofortige Rebreak schaffte.

"Das war sehr wichtig, dann habe ich mir gedacht, ich kann seinen Aufschlag wieder besser lesen."

Auch wenn er in der Folge bei jedem Aufschlag-Spiel mit 0:30 oder 15:30 in Rückstand geriet, überstand Melzer diese Bedrohung und servierte nach einem neuerlichen Break zum 6:5 zur 2:1-Satzführung aus.

Melzer bewies Nervenstärke

Im vierten Satz gelang Melzer ein schnelles Break zum 2:1, er geriet aber noch einmal in Gefahr, als er bei 4:3 zwei Breakbälle des 27-jährigen Weltranglisten-116. abwehren musste.

Mit seinem neunten Ass holte der French-Open-Halbfinalist 2010 das 5:3 und nahm Stakhovsky schließlich den Aufschlag zum Matchgewinn ab.

"Ich glaube, alles in allem habe ich gewonnen, weil ich einen Weg gefunden habe, seinen Aufschlag zu retournieren", glaubt Melzer.

Und im Unterschied zu Federer hat er mit weit mehr Speed auf die Aufschläge des Ukrainers geantwortet.

"Roger hat mit sehr viel Slice retourniert, das wollte ich vermeiden - es musste einschlagen."

Premiere gegen Janowicz

Mit Jerzy Janowicz steht Melzer am Montag nicht nur ein 2,03-m-Hüne gegenüber, sondern die Nummer 22 der Welt und wieder ein sehr starker Aufschläger.

Gegen den 22-jährigen Polen aus Lodz hat der zehn Jahre ältere Melzer bisher noch nie gespielt. Sollte sich Melzer durchsetzen, dann steht er nicht nur zum ersten Mal im Einzel-Viertelfinale von Wimbledon, sondern kämpft um sein zweites Major-Halbfinale nach Paris vor drei Jahren.

Melzer ist gewarnt

"Er ist ein sehr gefährlicher Gegner und mit seiner Vor- und Rückhand sehr dominant. Bei ihm gilt ähnliches wie bei Isner oder Karlovic, weil er auch mit 140 Meilen aufschlägt: Man muss das Ding zurückbringen", weiß Melzer, was auf ihn zukommt.

"Er wird der Favorit sein, aber mal sehen, ob ich ihn rausnehmen kann."

Sieg und Niederlage im Doppel

Tamira Paszek zog in die 2. Doppel-Runde ein.

Die Vorarlbergerin setzte sich an der Seite von Christina McHale (USA) gegen Date-Krumm/Parra Santonja (JPN/ESP) 7:6(6), 2:6, 6:3 durch.

Sandra Klemenschits und Romina Oprandi (SUI) verloren in der 2. Runde gegen Kops-Jones/Spears (USA-5) 1:6, 1:6.

Peya braucht Geduld

Die Zweitrunden-Partie von Alexander Peya und Bruno Soares (BRA-3) gegen Hanley/Smith (AUS) wurde am Nachmittag beim Stand von 4:6, 6:1, 3:1 wegen Regens unterbrochen.

Bei 4:6, 6:1, 6:7(6), 7:5 musste das Match am Abend wegen Dunkelheit abgebrochen werden.

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