Janowicz: "Jürgen ist ein großartiger Spieler"

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Eltern sehen es normalerweise gerne, wenn ihre Kinder im späteren Leben einmal in die Fußstapfen ihrer Erzeuger treten.

Beinahe wäre dies auch bei Jerzy Janowicz, am Montag (ab 12:30 Uhr LIVE im LAOLA1-Ticker) Achtelfinal-Gegner von Jürgen Melzer in Wimbledon, der Fall gewesen.

Der Sohn zweier polnischer Volleyball-Profis entschied sich dann aber doch in letzter Minute für eine Karriere als Tennis-Crack.

2,04-Meter-Riese in zwei Junioren-Endspielen

Außergewöhnliches Talent konnte der 2,04-Meter-Riese aus Lodz in beiden Sportarten vorweisen. Schlussendlich war der „weiße Sport“ für Janowicz die etwas attraktivere Sportart.

Dank seiner Größe avancierte er schon in seiner Junioren-Zeit zum gefürchteten Aufschlag-Kanonier. In Kombination mit einer starken Vorhand spielte er sich bei den French Open 2008 und den US Open 2007 jeweils ins Junioren-Finale.

Der Wechsel zu den Profis gestaltete sich zunächst als etwas schwierig. Erst im vergangenen Jahr startete Janowicz in beeindruckender Manier durch.

Von Platz 221 in die Top 30

Nachdem er die Saison 2011 als 221. außerhalb der Top 200 beendete, schoss er sich in den folgenden zehn Monaten in die Top 30 der Welt. In erster Linie hatte Janowicz diesen Sprung dem ATP-1000-Turnier in Paris-Bercy zu verdanken.

Bei dem Hallen-Event zog er als Qualifikant sensationell ins Endspiel ein, wo er erst David Ferrer unterlag. Auf dem Weg dorthin eliminierte er unter anderem Andy Murray nach Abwehr eines Matchballs.

„Das war der unglaublichste Tag in meinem Leben“, staunte er nach seinem Meisterstück.

Konstanz fehlte bislang noch

Seinen Platz in den Top 30 konnte Janowicz im ersten Halbjahr 2013 erfolgreich verteidigen. Mittlerweile klopft er als 22. bereits an den besten 20 an. Bislang fehlt es aber noch oft an der Konstanz.

So folgten auf Siege über Leute wie Tsonga, Gasquet und Querrey Niederlagen wie jene in der ersten Runde von Halle gegen den bosnischen Weltranglisten-240. Mirza Basic.

Teilweise ist dies auch auf seine emotionalen Ausbrüche auf dem Platz zurückzuführen. Nicht immer fällt es dem Heißsporn leicht, einen kühlen Kopf zu bewahren.

Verbale Attacke gegen Federer und Djokovic

Dies machte sich ab und an auch abseits des Platzes bemerkbar. Zu Jahresbeginn sorgte der extrovertierte Riese mit einem Interview in einer polnischen Zeitung für Schlagzeilen.

Darin wurde er über die Vorbilder seine Jugendzeit befragt. „Richtige Vorbilder habe ich eigentlich nicht“, meinte Janowicz. „Ich mochte den Spielstil von Pete Sampras und den Charakter von Marat Safin.“

Von den aktuellen Top-Spielern sei er dagegen nicht so überzeugt. „Ich mag Nadal, weil er kein falsches Bild produziert. Er benimmt sich auf der Tour genauso wie im normalen Leben.“

Ganz anders sei es hingegen bei Novak Djokovic. „Er ist ein Fake, der meist nur schauspielert. Und Federer ist der Typ, der einfach über allen anderen stehen will. In diesem Kontext gesehen, ist auch er nicht natürlich. Irgendwie ist er keiner von uns.“

Erstmals in Grand-Slam-Achtelfinale

Mit diesen Aussagen machte sich Janowicz keine Freunde. An diese Geschichte will er in Wimbledon aber nicht denken.

Mit seinem beeindruckenden Drei-Satz-Erfolg über Nicolas Almagro schaffte er es bei seinem erst fünften Grand-Slam-Turnier erstmals unter die letzten 16.

„Zum ersten Mal auf dem Centre Court und zum ersten Mal in einem Achtelfinale. Ich bin einfach nur glücklich“, strahlte Janowicz nach der Partie.

Vor Melzer zeigt der Pole Respekt. „Jürgen ist ein großartiger Spieler und als Linkshänder sehr gefährlich“, so Janowicz, der sich im Vorfeld unbedingt einen „Lefty“ als Sparring-Partner organisieren will.

Keine Frage: Jerzy Janowicz ist ein Mann der Zukunft. Am Montag zählt im Achtelfinale aber vorerst noch die Gegenwart.

Christian Frühwald

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