"Was dich nicht umbringt, macht dich stärker"

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Der spanische Titelverteidiger Rafael Nadal und der Tennis-Weltranglistenerste Novak Djokovic aus Serbien bestreiten wie im Vorjahr das Finale der US Open.

French-Open-Champion Nadal gewann am Samstagabend in New York City das zweite Halbfinale gegen den Schotten Andy Murray 6:4,6:2,3:6,6:2. Murray schlug zwar 44 Winner und damit 13 mehr als sein Gegner, doch 55 unerzwungene Fehler kosteten ihn sein viertes Grand-Slam-Finale und die Chance auf den ersten großen Titel.

Sind aller guten Dinge drei?

Zuvor hatte sich Djokovic in einem packenden Tennis-Krimi nach 0:2-Satzrückstand und zwei abgewehrten Matchbällen noch gegen Roger Federer durchgesetzt.

Der "Djoker" siegte am Ende 6:7(7),4:6,6:3,6:2,7:5 und hat damit die Chance auf seinen dritten Grand-Slam-Titel dieser Saison nach den Triumphen in Australien und Wimbledon. Der Serbe bezeichnete bereits den Halbfinalerfolg als seinen "wichtigsten Sieg des Jahres".

"Djokovic ist Favorit"

Nadal bestreitet am (morgigen) Montag sein bereits 14. Grand-Slam-Endspiel und greift nach seinem elften Major-Titel. Doch in diesem Jahr hatte der 25-Jährige bisher in sämtlichen fünf Finalduellen mit Djokovic, der bei den US Open sein drittes Endspiel nach 2007 (Niederlage gegen Federer) und 2010 erreichte, das Nachsehen, zuletzt in vier Sätzen in Wimbledon. Im Head-to-Head vor dem Endspiel in Flushing Meadows liegt der Mallorquiner mit 16:12 voran.

"Ich habe meine letzten fünf Endspiele gegen ihn allesamt verloren. Er spielt heuer mental auf einem fantastischen Level und ist deshalb sicherlich der Favorit im Finale. Ich muss mir etwas einfallen lassen und noch besser spielen. Vor allem in mentaler Hinsicht muss ich mich steigern, denn zuletzt habe ich nicht immer zu 100 Prozent in den Spielen gegen ihn an mich geglaubt. Und mit so einer Einstellung hast du gegen ihn derzeit keine Chance", meinte Nadal zum bevorstehenden Showdown mit Djokovic.

Alles riskiert, alles gewonnen

Dabei hatte zunächst alles auf ein Endspiel mit Federer hingedeutet. Als der 30-jährige Schweizer Superstar im fünften Satz bei 5:3 und 40:15 Matchbälle hatte, wähnten ihn viele Experten bereits in seinem 24. Grand-Slam-Finale.

Auch Djokovic dürfte seine eigenen Chancen nicht mehr als sehr groß eingeschätzt haben, denn er spielte dann einen Ball, den man nur riskiert, wenn man mit dem Match eigentlich schon abgeschlossen hat.

Der Serbe donnerte nämlich beim nächsten Punkt, ähnlich einem angeschlagenen Boxer, der in der letzten Runde einen wilden Uppercut riskiert, einen Vorhand-Return mit gefühlter Lichtgeschwindigkeit zurück, der wohl in acht von zehn Fällen weit im Out gelandet wäre. Doch die Tennis-Götter meinten es gut mit dem 24-Jährigen: Das Geschoß landete innerhalb des Courts.

"Einer gewinnt, einer verliert"

"Man pokert: Wenn er rausgeht, habe ich verloren. Wenn er drin ist, habe ich eine Chance. Ich habe etwas riskiert. So ist das zwischen Topspielern in dieser Phase eines solchen Turniers. Einer gewinnt, einer verliert, oder wie man bei uns sagt: Was dich nicht umbringt, macht dich stärker", meinte Djokovic zur ersten entscheidenden Szene in diesem Match.

Die zweite folgte nur wenige Sekunden später, als eine Vorhand Federers unglücklich von der Netzkante abgelenkt wurde und ins Out sprang.

"Hart, so zu verlieren"

Das Momentum, bis zu den Matchbällen mit 11:1 Punkten klar auf der Seite Federers, wechselte nun plötzlich wieder. Djokovic gelang das Break, und nach dem Ausgleich schaffte er den erneuten Servicedurchbruch zum 6:5 und servierte danach ungefährdet aus. Nach 3:51 Stunden war die Partie beendet. Am ersten Matchball hatte Federer auch anschließend noch zu knabbern:

"Er glaubte nicht mehr an den Sieg. Gegen jemanden so zu verlieren, ist ganz bitter, weil er mental ja eigentlich schon out war. Er trifft am Ende den Glücksschuss, und draußen bist du."

"Hätte der Sieger sein sollen"

Für den fünffachen US-Open-Champion gab es damit in der letzten Phase der Partie ein bitteres Deja-vu. Bereits im Vorjahr war er dem Serben im Halbfinale nach zwei vergebenen Matchbällen - damals bei 5:4 und Aufschlag Djokovic - unterlegen. Diesmal fiel es dem 16-fachen Grand-Slam-Turniersieger ganz besonders schwer, über die Niederlage Auskunft zu geben:

"Es ist seltsam, hier eine Niederlage zu erklären, da ich überzeugt bin, dass ich eigentlich der Sieger hätte sein sollen. Aber es ist, wie es ist, und ich kann nur mir selber die Schuld geben."

"Wichtigster Sieg des Jahres"

Für Djokovic war es erst der zweite Match-Sieg nach einem 0:2-Satzrückstand. Bisher war ihm dies nur 2005 in Wimbledon gegen den Spanier Guillermo Garcia-Lopez gelungen.

"Es ist für mich der wichtigste Sieg des Jahres, gegen Roger holt man normalerweise einen solchen Rückstand nicht mehr auf", betonte Djokovic, der dafür sorgte, dass Federer erstmals seit 2002 ein Jahr ohne Grand-Slam-Turnier-Sieg abschließen wird.

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