Ein Wunderkind wird erwachsen

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Donald Young - vom Wunderkind zum Spätstarter

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Auch wenn die sich auf Grand-Slam-Jagd befindliche Serena Williams bei den US Open derzeit alles überschattet, so rückt mittlerweile doch auch der Herren-Bewerb für viele amerikanische Tennis-Fans immer mehr in den Mittelpunkt.

Neben Aufschlag-Kanonier John Isner schaffte es nämlich auch überraschend Donald Young unter die letzten 16.

Und dies in beeindruckender Manier: Nach seinem heroischen Fünf-Satz-Auftaktsieg über Gilles Simon drehte der 26-Jährige auch in der dritten Runde gegen den Serben Victor Troicki einen 0:2-Satz-Rückstand um.

Debüt als 16-Jähriger im Jahr 2005

Young stellte damit sein bestes Grand-Slam-Ergebnis ein, welches er vor vier Jahren ebenfalls in New York erreichte. Genau zehn Jahre ist es allerdings schon her, als Donald Young sein Debüt in Flushing Meadows feierte.

Als 16-jähriges Wunderkind galt der Sohn zweier Tennis-Lehrer als „The Next Big Thing“ im amerikanischen Tennis.

Im Jahr 2005 wurde er der jüngste Junioren-Grand-Slam-Sieger und der jüngste Junioren-Weltranglisten-Erste zu Jahresende aller Zeiten.

„Will alle Grand-Slam-Turniere gewinnen“

Kein Wunder, dass der junge Mann aus Chicago schon von allen Experten als legitimer Nachfolger von Pete Sampras, Andre Agassi und Michael Chang gehandelt wurde.

„Ich will alle Grand-Slam-Turniere mehr als einmal gewinnen – das ist mein Ziel“, setzte sich Young mit Interviews auch selbst gewaltig unter Druck. „Sampras ist mein Vorbild. Am liebsten würde ich ihn übertrumpfen, aber ich will zumindest nahe an seine Erfolge kommen.“

Von Nike wurde der Teenager schnell mit einem millionenschweren Ausrüster-Vertrag ausgestattet. „Newsweek“ präsentierte ihn auf einer Liste der kommenden Superstars an der Seite des ebenfalls gerade aufstrebenden Barrack Obama.

Total verpatzter Einstieg auf die Tour

Doch das große Ausnahme-Talent wurde zu schnell hochgejubelt und gnadenlos verheizt. Dank zahlreicher Wild Cards durfte er schon als 16-Jähriger zahlreiche ATP-Turniere bestreiten, holte sich dort aber eine Klatsche nach der anderen ab.

„Früher war meine Fitness immer meine große Schwäche. Das darf aber eigentlich nicht sein, denn die Fitness ist immer etwas, was man selbst in der Hand hat. Und ab sofort wird mich mein körperlicher Zustand nicht mehr von Erfolgen abhalten können. Ich bin noch nicht dort, wo ich wirklich hin will. Die Richtung stimmt aber.“

Seinen Traum von den großen Erfolgen hat Young auf jeden Fall noch nicht aufgegeben. „Um ein Turnier wie die US Open zu gewinnen, muss ich noch viel konstanter werden. Ich bin sicher noch nicht soweit, um über einen möglichen Turniersieg zu sprechen. Ich will mich aber weiter verbessern und irgendwann schaffe ich es dann vielleicht einmal ins Finale.“

„Go Donald!“

Die amerikanischen Fans in Flushing Meadows sind von der Wiederauferstehung des ehemaligen Wunderkinds jedenfalls begeistert. Nach seinem dreieinhalb Stunden währenden Kampf gegen Troicki wurde er mit Standing ovations und nicht endend wollenden „Go Donald!“-Rufen gefeiert.

„Das ist einfach ein großartiges Gefühl“, schwärmt Young vom New Yorker Publikum. „Ich hätte mir keinen besseren Platz für diese Siege vorstellen können. Auch wenn ich selbst noch nicht weiß, wie ich das eigentlich geschafft habe“, spielte er auf seine Rückenprobleme an.

Nach dem zweiten Satz musste sich Young eine Behandlungspause nehmen. „Der Physiotherapeut hat ein kleines Wunder bewirkt“, bedankte er sich für die überraschende Genesung.

Young wird auch alle seine Kräfte benötigen, um erstmals in seiner Karriere in das Viertelfinale eines Major-Turniers zu kommen. Sein nächster Gegner wird am Montag der Schweizer French-Open-Sieger Stan Wawrinka sein.

Im Head-to-Head steht es 1:1. Den Sieg feierte Young vor vier Jahren bei den US Open in fünf Sätzen. Wenn das kein gutes Omen ist.

Christian Frühwald

Schnell entwickelte sich eine Abwärtsspirale. In seinem Frust versuchte sich Young von seinen Eltern abzukapseln. „Ich habe auf niemandem mehr gehört“, erzählte er schon vor einigen Jahren in der „New York Times“ über seine schwierigen Anfangsjahre. Anstatt auf dem Trainingsplatz war er oft lieber unterwegs, um mit Freunden abzuhängen.

2008 sollte Young schließlich doch noch den Sprung in die Top 100 schaffen. In diesen konnte er sich seitdem trotz einiger Auf und Abs meist halten. Vor drei Jahren stand er sogar kurzfristig in den Top 50. Mit einem weiteren Sieg in New York würde er ganz knapp sein Career High (38) verbessern können.

Der nun erfolgte Aufstieg zeichnete sich schon vor einigen Wochen in Montreal ab, als er beim ATP-1000-Turnier nach einem Sieg über Tomas Berdych sensationell das Achtelfinale erreichte.

Viele Stunden in der Kraftkammer

“Ich haben in den letzten Monaten wie ein Sklave in der Kraftkammer geschuftet”, erklärt Young sein neues Erfolgsgeheimnis.

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