Roddick: "Ich habe nie in Selbstmitleid gebadet"

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An seinem 30. Geburtstag ließ Andy Roddick die Katze aus dem Sack:

Der US-Amerikaner wird bei den US Open das letzte Turnier seiner Karriere bestreiten.

Mit seinem klaren Dreisatz-Sieg über den Australier Bernard Tomic dürfen die Fans "A-Rod" zumindest noch einmal auf den Schläger schauen.

Wobei die Chancen auf ein weiteres Mal relativ gut stehen, wartet in der dritten Runde mit dem Italiener Fabio Fognini ein durchaus schlagbarer Gegner. Das bisher einzige Duell konnte Roddick in diesem Jahr in Eastbourne auf Gras mit 7:5 im dritten Satz für sich entscheiden.

Wer "traut" sich?

"Ich freue mich darauf und werde versuchen, noch etwas länger zu bleiben", blickt Roddick der Partie zuversichtlich entgegen.

Stellt sich die Frage, welcher Spieler für das endgültige Karriereende des Andy Roddicks "verantwortlich" sein will?

Was der 32-fache Turniersieger und US-Open-Champion 2003 rund um seinen Rücktritt außerdem zu sagen hatte, erfahrt ihr hier:

 

Andy Roddick über...

 

...den Zeitpunkt seines Rücktritts:

Ich habe einfach das Gefühl, dass es an der Zeit ist. Ich weiß nicht, ob ich noch fit genug für ein weiteres Jahr auf der Tour bin. Außerdem fehlt mir vielleicht auch ein bisschen das letzte Fünkchen Motivation. Ich habe mir schon das ganze Jahr gedacht, dass ich es weiß, wenn ich bei den US Open meine erste Runde spiele. Und ich habe es gewusst.

...Alterskollege Roger Federer:

Ich wollte bei meiner Abschieds-Pressekonferenz unbedingt einen Vergleich mit Roger hören. Dafür möchte ich mich bedanken (lacht). Das Alter ist nur eine Zahl und zeigt nicht, wie man sich fühlt und wie fit man ist. Und ich habe einfach nicht mehr das Gefühl, dass ich mit denen da vorne mithalten kann.

...seine Pläne für die Zukunft:

Mit meiner Stiftung will ich in Austin (Anm.: Texas) ein Jugend- und Lern-Zentrum errichten. Da will ich selbst mitarbeiten und das nicht nur kurzfristig. Es gibt auch noch ein paar andere Projekte auf die ich mich sehr freue.

...die emotionale Bedeutung seines Rücktritts:

Ich habe in den letzten Monaten oft schwierige Gespräche mit Brooke (Anm.: Ehefrau) geführt. Es war unser kleines Geheimnis.

...jene Dinge, die er in Zukunft vermissen wird:

In der Nähe meines Wohnortes gibt es einige gute Spieler. Ich werde also keiner dieser Typen sein, die in den nächsten drei Jahren kein Racket mehr angreifen. Ich liebe immer noch diesen unschuldigen Teil des Tennis-Spiels. Ich liebe es, Tennis-Bälle zu schlagen. Ich schaue auch gerne zu und das werde ich auch in Zukunft machen. Kurzfristig werden mir vor allem die Beziehungen zu den Kollegen fehlen, langfristig wird mir vor allem der Tennis-Sport abgehen.

...Dinge, die er lieber anders gemacht hätte:

Ich glaube nicht, dass ich in meinem Leben viel ändern will. Jeder hätte natürlich gerne das eine oder andere Match mehr gewonnen. Wenn ich ein, zwei Finali mehr gewonnen hätte, würden einige Dinge sicher anders ausschauen. Auf der anderen Seite haben mich aber auch diese Niederlagen zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin. Ich bin auf jeden Fall ganz zufrieden mit meiner Karriere.

...sein Leben im Schatten von Federer, Nadal und Djokovic:

Wenn man sich einmal meine Karriere im Rückblick anschaut, wird man sehen, dass ich es mit meinen Gegnern nicht gerade leicht hatte. Ich habe aber trotzdem Dinge erreicht, von denen andere Spieler nur träumen können. Ich war zwar oft enttäuscht oder frustriert nach Niederlagen, ich habe aber nie in Selbstmitleid gebadet.

...jene Leistung, auf die er am meisten stolz ist:

Meine Beständigkeit. Ich war über Jahre hinweg ziemlich gut und habe dabei immer 100 Prozent geben. Genau dieses Gefühl habe ich jetzt eben nicht mehr. Davor habe ich aber 13, 14 Jahre alles gegeben, um an der Spitze zu stehen. Viele andere Spieler investieren in ein Jahr und gehen es dann wieder locker an. Ich war aber ziemlich beständig - darauf bin ich stolz!

...seine ersten Erinnerungen an die US Open:

Das war 1990. Meine Eltern haben es mir als Geburtstagsgeschenk geschenkt. Ich habe mich ohne Akkredierung in die Players Lounge geschlichen und dort Pete Sampras getroffen. Er hat gerade Videospiele gezockt und ich habe ihn dann in Mortal Kombat geschlagen. Das war ziemlich lustig.

...das Ende seiner Reisen um die ganze Welt:

Die Umstellung wird sicher nicht einfach für mich. Ich liebe es, zuhause bei meiner Frau und meinen Freunden zu sein. Auch mein Hund wird sicherlich aufgeregt sein. Ich muss mich sicherlich erst umgewöhnen. Wenn ich aber plötzlich wieder Lust bekommen sollte, mit ein paar Journalisten zu plaudern, bin ich mir sicher, dass ich wieder eine Akkreditierung bekomme.

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