"Sensationell für uns beide"

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Sensation in New York perfekt - Cilic gegen Nishikori

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Die Fans bei den US Open in New York haben am Samstag eine doppelte Sensation erlebt.

Im Finale am Montag treffen Marin Cilic (CRO-14) und Kei Nishikori (JPN-10) aufeinander, die Favoriten Roger Federer und Novak Djokovic müssen zusehen.

Erst eliminierte Nishikori den Weltranglisten-Ersten Djokovic (SRB-1) 6:4,1:6,7:6(4),6:3, dann verlor Federer (SUI-2) gegen Cilic 3:6,4:6,4:6.

Nishikori führt im Hed-to-Head 5:2

Für das Finale am Montag (ab 23 Uhr) gibt es keinen Favoriten. Im direkten Vergleich führt der als Nummer 10 gesetzte Japaner gegen den an 14. Stelle gereihten Kroaten mit 5:2.

Nishikori gewann die letzten drei Duell gegen Cilic jeweils im Viertelfinale. Heuer besiegte er Cilic in Barcelona auf Sand und in Brisbane auf Hartplatz. Cilic triumphierte gegen Nishikori zuletzt 2012 bei den US Open, als er in der 3. Runde in vier Sätzen als Sieger vom Platz ging.

"Sensationeller Tag für uns beide"

"Das wird ein sensationeller Tag für uns beide", sagte der Weltranglisten-16. Cilic nach seinem Coup gegen Federer. Zum ersten Mal seit fast zehn Jahren stehen damit weder Djokovic, Federer oder der aktuell verletzte Rafael Nadal im Finale eines Grand-Slam-Turniers.

Zuletzt war dies 2005 bei den Australian Open im Finale zwischen Marat Safin und Lleyton Hewitt der Fall. Nishikori schaffte es als erster asiatischer Tennisspieler in ein solches. Damit ist auch klar, dass 2014 erstmals seit 1998 sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern vier verschiedene Spieler die vier Grand-Slam-Turniere gewinnen werden.

"Nie zu träumen gewagt"

"Das ist ein wunderbarer Tag für mich. Davon habe ich nie zu träumen gewagt. Es war die beste Leistung meiner Karriere", sagte Cilic im Siegerinterview auf dem Platz, während Federer enttäuscht in der Kabine verschwand.

Der fünfmalige US-Open-Champion verpasste nach der unerwartet klaren Niederlage die Chance auf seinen 18. Titel bei einem der vier wichtigsten Turniere im Jahr.

In drei Jahren erreichte der doppelte Zwillingsvater nur ein Grand-Slam-Endspiel - und das verlor er in diesem Jahr in Wimbledon gegen Djokovic.

Federer findet keine Mittel

Nach der Absage von French-Open-Sieger Nadal und spätestens nach dem Aus von Djokovic wenige Stunden zuvor, schien der Weg bereitet für Federers ersten Major-Titel seit Wimbledon 2012. Doch im Gegensatz zu seiner Aufholjagd nach 0:2-Satzrückstand im Viertelfinale gegen den Franzosen Gael Monfils wollte Federer an diesem Tag wenig gelingen.

Gegen die harten Aufschläge des Kroaten fand Federer keine Mittel, und bei eigenem Service war er zu unkonstant und wechselhaft. Selbst ein Break zum 2:0 im dritten Satz half Federer nicht - nach nur einer Stunde und 45 Minuten musste er sich geschlagen geben.

Jahr Turnier Belag Runde Gewinner
2014 Barcelona Sand Viertelfinale Nishikori (6:1, 6:3)
2014 Brisbane Hartplatz Viertelfinale Nishikori (6:4, 5:7, 6:2)
2013 Memphis Hartplatz Viertelfinale Nishikori (6:4, 6:2)
2012 US Open Hartplatz 1/16-Finale Cilic (6:3, 6:4, 6:7, 6:3)
2011 Chennai Hartplatz 1/16-Finale Nishikori (4:6, 7:6, 6:2)
2010 US Open Hartplatz
  1. Runde
Nishikori (5:7, 7:6, 3:6, 7:6, 6:1)
2008 Indian Wells Hartplatz
  1. Runde
Cilic (6:2, 6:4)

Gala-Vorstellung von Nishikori

Nishikori hatte sein Halbfinale gerade noch rechtzeitig vor dem einsetzenden Regen erfolgreich über die Bühne gebracht.

Der 24-Jährige setzte sich nach einer Gala-Vorstellung gegen Djokovic durch. Der von Boris Becker trainierte Serbe verpasste sein fünftes US-Open-Endspiel in Serie.

 Nach 2:52 Stunden im Arthur-Ashe-Stadium musste der dreimalige Wimbledonsieger aus Deutschland mitansehen, wie Nishikori seinen zweiten Matchball verwandelte und sein Coach Michael Chang von seinem Sitz aufsprang.

"Es ist ein großartiges Gefühl, die Nummer eins geschlagen zu haben. Ich bin so happy", sagte Nishikori. "Ich habe versucht, konzentriert zu bleiben nach dem zweiten Satz. Es waren schwere Bedingungen, sehr heiß, sehr feucht."

Chang jubelt

Chang führte die aktuelle Nummer elf der Weltrangliste im Frühling als ersten Japaner in die Top Ten, am nächsten Montag wird Nishikori zumindest Achter sein.

Und er brachte dem Japaner bei, von einem ähnlichen Coup zu träumen, wie ihm selbst vor 25 Jahren in Paris gelang. Damals gewann Chang als 17-Jähriger sensationell die French Open.

Dabei war vor einigen Wochen noch nicht einmal klar, ob Nishikori am US Open antreten kann, musste er doch die Turniere in Toronto und Cincinnati wegen einer Zehenverletzung absagen.

Zu viele unnötige Fehler von Djokovic

Für Djokovic endete hingegen ein privat erfreulicher (Hochzeit, im Herbst folgt das erste Kind), sportlich aber wenig erfolgreicher Sommer abrupt und überraschend.

"Die Bedingungen waren hart für beide, das ist keine Entschuldigung für meine Niederlage", erklärte Djokovic. "Außer im zweiten Satz habe ich nie so gespielt, wie ich mir das vorgestellt habe. Zu viele unnötige Fehler, zu wenig Länge in meinen Bällen."

Cilic war zu stark

Federer schrieb sein Ausscheiden in nur 105 Minuten mehr der starken Leistung seines Gegners Marin Cilic als eigenen Schwächen zu. "Marin hat formidabel gespielt. Ab dem Zeitpunkt, als er voranlag, spielte er ohne Angst, voller Selbstvertrauen.

Er hat viel riskiert und trotzdem wenige Fehler gemacht", sagte der fünffache Gewinner der US Open.

"Ich habe nicht meinen besten Tag erwischt, habe mich körperlich zwar gut gefühlt, aber es nicht geschafft, ihn unsicher werden zu lassen. Aber ich bin nicht weit weg", bemerkte der 33-jährige Basler. Natürlich sei er enttäuscht, mit seinem zuvor erreichten Niveau habe er den Titelgewinn für möglich gehalten.

Schnell abgehakt

Doch Cilic, der während der vorjährigen US Open eine viermonatige Dopingsperre absitzen musste, durchkreuzte mit dem ersten Erfolg im sechsten Duell diese Pläne.

So versuchte Federer die Niederlage möglichst rasch abzuhaken. "Das war sein Tag, aber für mich geht es weiter, so eine Niederlage vergisst man schnell."

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