Der "Djoker" sticht in New York

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Djokovic triumphiert im Finale über Federer

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Novak Djokovic gewinnt zum zweiten Mal nach 2011 die US Open.

Der serbische Weltranglisten-Erste zwingt in einem packenden Finale den an zwei gesetzten Schweizer Roger Federer mit 6:4, 5:7, 6:4, 6:4 in die Knie.

Im Head-to-Head gleicht Djokovic, der einen Siegerscheck über 3,3 Millionen Dollar abstaubt, auf 21:21 aus.

Zudem ist es eine gelungene Revanche für die erst vor wenigen Wochen im Finale des ATP-1000-Turniers von Cincinnatti erlittene Niederlage.

Zehnter Grand-Slam-Titel

Der Schützling von Boris Becker gewann heuer bereits die Australian Open und Wimbledon. Sein Sieg in Flushing Meadows ist sein bereits zehnter Grand-Slam-Titel.

Rekordhalter Federer muss hingegen weiterhin auf seinen 18. Grand-Slam-Titel warten. Zuletzt triumphierte er vor drei Jahren in Wimbledon bei einem Major.

Kurzer Schock für Djokovic-Fans

Djokovic beginnt das Finale, das wegen Regens erst mit fast drei Stunden Verspätung starten kann, stark und holt sich gleich ein schnelles Break zum 2:1.

Im folgenden Aufschlaggame stockt den Fans des serbischen Superstars aber der Atem: Djokovic rutscht bei einem schnellen Richtungswechsel auf dem vom Regen noch etwas feuchten Belag weg und scheuert sich am rechten Arm den Ellbogen blutend.

Nach einer kurzen Behandlung kann er weiterspielen, kassiert aber postwendend das Rebreak zum 2:2. Die Blessur scheint Djokovic danach allerdings nicht mehr zu beeinträchtigen. 

Federer wirkt zu passiv, Djokovic bestimmt das Geschehen und kommt dadurch auch zu deutlich mehr Breakchancen als sein Kontrahent. Der Schützling von Boris Becker holt sich das Break zum 4:3 und serviert danach relativ sicher zum Satzgewinn aus.

Federer übernimmt das Kommando

Im zweiten Durchgang findet Federer deutlich besser ins Spiel und übernimmt plötzlich eindeutig das Kommando.

Der Serbe kann sich im kompletten zweiten Satz keinen Breakball erspielen, kann aber immerhin acht seines Kontrahenten abwehren, eher dieser schließlich doch mit Breakchance Nummer neun den 1:1-Satz-Ausgleich schafft.

Entscheidung fällt Ende des dritten Satzes

Auch danach hat Federer leichte Vorteile, die schwache Chancenverwertung fällt ihm aber schließlich auf den Kopf:

Die Entscheidung fällt Ende des dritten Satzes: Federer kann beim Stand von 4:3 und Aufschlag Djokovic zwei Breakbälle nicht nützen. Im folgenden Game muss schließlich der Eidgenosse selbst seinen Aufschlag abgeben.

Als der Serbe bei 5:4 auf den Satz serviert hat Federer bei 15:40 noch zwei Chancen zum Rebreak, doch Djokovic bleibt auch bei diesem Spielstand cool und schafft die 2:1-Satz-Führung.

Spannung bis zum Ende

Danach nimmt der Weltranglisten-Erste mit dem vierten Game-Gewinn in Folge erneut Federers Aufschlag zum 1:0 im vierten Satz ab. Mit dem zweiten Break zum 5:2 scheint die Partie frühzeitig entschieden. Federer kontert jedoch noch einmal mit einem Rebreak und verkürzt in Folge auf 4:5.

Drei Chancen zum zweiten Rebreak findet der Schweizer noch einmal vor, doch Djokovic erweist sich an diesem Abend bei den "Big points" einfach als der bessere Spieler und kann auch diese abwehren, ehe er schließlich selbst den Sack zumacht.

Djokovic: "Ein unglaublicher Kampf"

"Es war nicht leicht heute", so Djokovic. "Wir mussten wegen des Regens sehr lange warten und uns immer bereit halten. Das war mental nicht einfach. Und dann war das Match an sich natürlich auch ein unglaublicher Kampf. Roger hat mich bis zum letzten Punkt gefordert."

Novak Djokovic Roger Federer
Asse 3 11
  1. Aufschlag
96/155 (62%) 87/137 (64%)
Doppelfehler 5 5
Punkt bei 1. Aufschlag 63/96 (66%) 62/87 (71%)
Punkt bei 2. Aufschlag 32/59 (54%) 23/50 (46%)
Winners 35 56
Unerzwungene Fehler 37 54
Punkte als Rückschläger 52/137 (38%) 60/155 (39%)
Breakbälle 6/13 (46%) 4/23 (17%)
Netzangriffe 21/32 (66%) 39/59 (66%)

Großer Jubel um Sieger Novak Djokovic

"Es war trotzdem großartig, nach sechs Jahren wieder einmal im Finale gestanden zu haben - auch wenn ich natürlich gerne gewonnen hätte", so Federer. "Es ist immer eine riesige Herausforderung gegen Novak zu spielen. Wir haben eine gute Rivalität und kennen uns mittlerweile in- und auswendig. Ich kann ihm nur zu diesem tollen Erfolg gratulieren."

Wer nach dem Damen-Finale, bei dem Siegerin Flavia Pennetta ihren Rücktritt verkündete, schon ähnliches bei Federer befürchtet hat, kann beruhigt sein. Die noch spielende Tennis-Legende hat keine Lust, an seinem aktiven Status etwas zu ändern und ist immer noch hungrig nach weiteren Erfolgen.

"Ich bin mit meinem Spiel sehr zufrieden. Ich glaube, dass es in die richtige Richtung geht - obwohl das jetzt komisch klingt, weil ich ja das Finale verloren habe. Ich liebe diesen Sport weiterhin aus ganzem Herzen und werde nächstes Jahr sicher wieder kommen."

Djokovic überflügelt Becker

Djokovic kann mit diesem Erfolg auch seine Final-Bilanz bei den US Open wieder etwas aufputzen: Nach mittlerweile bereits sechs Endspielen hat er nun zumindest zwei Siege auf dem Konto (Siegerliste).

Womit er seinen Coach Boris Becker übertrumpft, der in seiner Karriere nur einmal (1989) in New York triumphierten konnte.

In der ewigen Grand-Slam-Bestenliste zieht Djokovic mit dem auf Platz sieben klassierten US-Amerikaner Bill Tilden gleich, der mit seinen alleine sieben US-Open-Erfolgen in den 20er Jahren übrigens Rekordsieger in Flushing Meadows ist. Auf Björn Borg und Rod Laver fehlt ihm nur mehr ein Major-Sieg.

Näher am Grand Slam als Serena Williams

Rein statistisch gesehen war Djokovic sogar einen Sieg näher am Grand Slam dran als Serena Williams bei den Damen, die sich in New York völlig überraschend im Halbfinale der Italienerin Roberta Vinci geschlagen geben musste.

Djokovic stand bei alllen Majors im Endspiel und musste sich nur bei den French Open dem Schweizer Stan Wawrinka geschlagen geben.

"Ich will aber nicht sagen, dass ich, wenn ich in Paris gewonnen hätte, dann auch den Grand Slam gewonnen hätte", hält er aber nichts von solchen statistischen Spielereien.

"Wenn ich hier den Druck von Serena gehabt hätte, wäre es wahrscheinlich unglaublich schwierig geworden, auch in New York den Titel zu holen. Drei Titel sind aber auch schon großartig."

"Besser als 2011"

Für Djokovic, der das ATP-Ranking am Montag weiterhin überlegen vor Federer anführen wird, toppt 2015 auch sein bislang bestes Jahr 2011. Damals gewann er ebenfalls bis auf Paris alle Grand-Slam-Turniere.
 
"2011 war auch richtig gut, aber ich glaube, dass ich 2015 noch mehr genossen habe. Vor allem, weil ich mittlerweile Vater bin - das macht es irgendwie noch besser", so Djokovic, der bei der Konkurrenz keine Hoffnungen für 2016 aufkommen lassen will.
 
"Ich liebe diesen Sport und die guten Ergebnisse motivieren mich noch mehr, weiterzumachen."

Christian Frühwald

"Vor allem am Ende hat er mich noch einmal stark unter Druck gesetzt. Als der Matchball endlich über die Bühne war, ist mir ein ganz großer Stein vom Herzen gefallen", atmet der Triumphator nach dem verwerteten Matchball auf.

Auf die Chancenverwertung angesprochen, meint Djokovic: "Wenn du einen Grand-Slam-Titel holen willst, musst du diese Punkte einfach machen." Während der Serbe sechs von 13 Breakchancen verwerten kann, nutzt Federer nur vier von 23.

Viel Lob für Federer

Trotzdem hat Djokovic viel Lob für den mittlerweile schon 34-jährigen Finalisten über: "Ich kann Roger nur meine große Bewunderung ausssprechen. Er bewegt sich für sein Alter wirklich unglaublich und bringt einen immer ans Limit. Er ist einfach unglaublich konstant."

"Ich habe viel Respekt vor ihm und seinen Leistungen. Jeder Spieler auf der Tour weiß, dass es etwas Besonderes ist, wenn man gegen den Besten aller Zeiten spielen darf", so Djokovic.

Federer kämpft mit den Tränen

Federer hat nach seinem ersten US-Open-Finale seit 2009 Mühe, die Tränen zurückzuhalten. Trotzdem erweist sich der "Maestro" wie gewohnt als fairer Sportsmann.

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