Tennis-WAG gibt neue Einblicke

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Kelsey A. - die starke Frau, die aus dem Schatten tritt

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„Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine starke Frau.“

Es gibt wenig Branchen auf dieser Welt, in denen dieses altbekannte Zitat so sehr zutrifft wie im Herren-Tennis.

Alleine die „Big Four“ - Roger Federer, Rafael Nadal, Novak Djokovic und Andy Murray - pflegen allesamt langjährige und glückliche Beziehungen zu ihren Frauen bzw. Freundinnen.

Eine Kontinuität, die sich dementsprechend auch auf dem Court positiv auswirkt.

Keine Zukunft für Playboys?

Doch auch in der erweiterten Weltklasse setzt sich der Trend zur Monogamie fort. Playboys wie früher Marat Safin werden seltener.

Die Konzentration der Profis muss zu 100 Prozent auf dem Tennis-Sport liegen. Ein fester Partner an der Seite erleichtert dieses Unterfangen ungemein.

Wie wichtig eine starke Frau sein kann, zeigt auch die Entwicklung von Kevin Anderson, der bei den US Open sensationell Andy Murray und zuvor schon Österreichs Dominic Thiem eliminierte.

Der 29-jährige Südafrikaner arbeitete sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich im Ranking hoch und wird dank seines Viertelfinal-Einzugs in Flushing Meadows in der kommenden Woche voraussichtlich erstmals den Sprung in die Top Ten schaffen.

Frau Anderson wird eine Vollzeit-WAG

Ihren Teil dazu beigetragen hat sicherlich auch Kelsey Anderson. Seit dem Jahr 2011 ist die 28-jährige US-Amerikanerin mit dem ein Jahr älteren Südafrikaner verheiratet.

Kennengelernt haben sich die beiden auf der University of Illinois, wo Anderson drei Jahre lang studierte und sich im College-Tennis weiterentwickelte, ehe er 2007 endgültig den Sprung zum Profi wagte.


Eine Entscheidung, die sich ebenso auszahlen sollte, wie jene von Kelsey, als sie vor drei Jahren beschloss, auf ihren Buchhaltungs-Job in Chicago zu verzichten und ihren Mann fortan Vollzeit auf der Tour zu begleiten.

„Ich glaube, dass ich diese Arbeit auch später noch einmal machen kann. Vorerst bin ich nur eine „Tour-Frau“, auch wenn das vielleicht nach ein bisschen wenig klingt. Ich glaube aber, dass ich eine große Rolle in Kevins Team spiele“, ist Kelsey in einem BBC-Interview von der Wichtigkeit ihrer Aufgabe überzeugt.

„Es macht mir nichts aus, wenn mich die Leute eine WAG (Anm.: Wives and Girlfriends) nennen. Ich nehme diese Bezeichnung mit ganzem Stolz an.“

Spieler-Frau präsentiert Tour-Blog

Vor allem mental verlangt der Job in der Spieler-Loge schließlich einiges ab. „Der Druck ist groß und es wird richtig stressig. Solche Gefühle kann man nicht ignorieren. Irgendwann ist das Fass voll“, fiebert sie auf der Tribüne voll mit.

Die Hochzeit fand 2011 in Illinois statt

Pro Jahr belaufen sich alleine die Ausgaben für Flugtickets auf rund 50.000 Dollar. Zudem kosten die Hotelzimmer wöchentlich zwischen 1.000 und 2.000 Dollar. „Wenn man ein ganzes Team mit hat, muss man schon ordentlich Geld verdienen, um diese Kosten decken zu können.“

Nur der Mann fliegt Business Class

Priorität hat zudem immer der Brötchengeber. So kann es durchaus einmal vorkommen, dass sich Kevin in der Business Class von den Anstrengungen des letzten Turniers erholt, während seine Frau nur Economy Class fliegt.

„Mein Job und der von seinem übrigen Team ist es, ihm alle mögliche Unterstützung zu gewährleisten. Im Idealfall muss er nur auf den Platz gehen und spielen“, beschreibt Kelsey das Erfolgsmodell.

Stehen die besten Jahre noch bevor?

Der Einsatz und das genommene Risiko haben sich für das Ehepaar Anderson in jedem Fall bereits ausgezahlt. Über sechs Millionen Dollar Preisgeld hat der Südafrikaner bereits in seiner Karriere erspielt. Zudem ist er davon überzeugt, dass seine besten Jahre noch bevorstehen.

„Mein Körper fühlt sich trotz meines Alters immer noch großartig an. Er ist wahrscheinlich auch etwas unverbrauchter, da ich wegen meiner College-Zeit etwas später auf die Tour eingestiegen bin. Ich habe mich immer schon etwas jünger gefühlt als die anderen“, erklärte er in dieser Woche bei den US Open.

"In mir steckt noch einiges drin"

„Ich glaube, dass noch einiges in mir drinsteckt. Ich verbessere mich immer noch von Woche zu Woche. Und auch mein Erfolgshunger ist noch lange nicht gestillt“, brennt in Anderson der Ehrgeiz, Größeres zu erreichen.

Am Mittwoch kann er mit einem Sieg über Stan Wawrinka erstmals in seiner Karriere das Halbfinale eines Grand-Slam-Turniers erreichen. „Das Viertelfinale bedeutet mir schon extrem viel. Schauen wir mal, was gegen Stan drin ist.“

Seine Frau ist vom Einsatz ihres Mannes in jedem Fall begeistert: „Ich bin unglaublich stolz auf seine Entwicklung. Ich weiß, wie hart er an sich arbeitet. Diese tollen Erfolge hat er sich alle schwer verdient.“

Christian Frühwald

Auch abseits des Turniergeländes ist das Leben als Spieler-Frau ein aufregendes. Deshalb hat sich Kelsey im vergangenen Monat dazu entschlossen, aus dem Schatten ihres Mannes zu treten und einen eigenen Tour-Blog zu starten (Changeover).

Dort schreibt sie über den Umgang mit Niederlagen und Fernbeziehungen, gibt Tipps über Restaurants, Hotels und viele weitere Einblicke in das turbulente Leben auf der ATP-Tour.

„Gebe der Rolle der Spieler-Frau eine Stimme“

So verrät Kelsey beispielsweise, dass sie immer ein Handtuch als Sitzunterlage, Wasser, eine Kopfbedeckung wegen der Sonne und Sonnenbrillen mit ins Stadion nimmt. Und natürlich ihr Handy und einen Reserve-Akku, damit sie im Fall der Fälle schnell ihr Twitter-Profil oder ihren Blog aktualisieren kann.

„Ich glaube, dass die Ehefrauen und Freundinnen abseits der Spieler-Box nicht sonderlich viel in der Auslage stehen“, erklärt sie, warum sie ihrem inneren Drang in die Öffentlichkeit nachgegeben hat. „Deshalb bin ich stolz darauf, der Rolle der Spieler-Frau eine Stimme geben zu können.“

Anderson glaubt, dass sie eine von vielleicht nur drei Frauen auf der Tour ist, die ihre bessere Hälfte zu jedem Turnier begleiten.

Schwieriger Start

Zu Beginn von Andersons Karriere war das freilich nicht der Fall. Die Preisgelder waren mickrig, Sponsoren nicht vorhanden – deshalb versuchte er wie jeder andere aufstrebende Spieler auch, die Reisekosten möglichst niedrig zu halten.

„Ich habe erst begonnen, mit ihm auf Tour zu gehen, als er im Ranking um die 35, 30 stand. Erst danach waren meine Mehrkosten zu rechtfertigen“, erweist sich Kelsey ihrem Job gemäß als kühle Rechnerin.

Hohe Reisekosten

„Es war eine große Entscheidung. Ich habe ja nicht nur meinen Job aufgegeben, sondern wir hatten dadurch auch plötzlich höhere Reisekosten. Das ist sicherlich der Hauptgrund, warum viele Frauen nicht mit ihren Männern auf Tour gehen.“

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