Novak Djokovic und sein Schrei nach Liebe

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„Ich weiß, dass ich nie so beliebt sein werde wie Roger oder Rafa“, klagte Novak Djokovic unlängst.

Er wiederholt sich damit, denn schon des Öfteren kam der Serbe auf dieses Thema zu sprechen. Er, die Nummer eins der Welt, der beste Tennisspieler der Gegenwart, wird in der Sport-Welt respektiert und geschätzt, aber bei weitem nicht so geliebt wie Federer und Nadal.

Zwölf Jahre in Folge gewann der Schweizer zuletzt den Titel als beliebtester Spieler der ATP-Tour, 2014 triumphierte er mit überwältigenden 65 Prozent aller Stimmen.

Hinter dem Eidgenossen wurde Nadal auf Platz zwei gewählt, gefolgt von Grigor Dimitrov (BUL). Erst an vierter Position folgte Djokovic.

Djokovic ist der "Bösewicht"

Federer und Nadal haben sich im letzten Jahrzehnt nicht nur epische Duelle geliefert, sondern auch immer mit Sportsgeist und Fairness beim Publikum gepunktet.

 


Welch große Anerkennung die beiden selbst unter ihren Berufskollegen genießen, untermauert der Stefan Edberg Sportsmanship Award. Seit 2004 gewann Federer zehn Mal, einzig 2010 musste er sich geschlagen geben, als der Spanier triumphierte.

„Er ist der Bösewicht, der nichts falsch gemacht hat“, bezeichnete John McEnroe, zu aktiven Zeiten der Tennis-Rüpel schlechthin, Djokovic. Ganz richtig liegt er damit allerdings nicht.

Der Serbe hat sich in der Vergangenheit den einen oder anderen Ausrutscher erlaubt, den ihm die Fans offenbar bis heute nicht verziehen haben. Gerade bei den US Open, wo der Serbe im Finale auf „People’s favourite“ Federer trifft, wird der 28-Jährige auch heute noch kritisch gesehen.

Ein gellendes Pfeifkonzert

Rückblick: Wir schreiben das Jahr 2008. Als „The Next Big Thing“ in die Weltelite vorgestoßen, lieferte sich Djokovic immer wieder taktische Scharmützel mit seinen Gegnern. Lange und zahlreiche Pausen während eines Matches und vermeintliche Verletzungen stießen dem einen oder anderen übel auf.

„Rückenschmerzen? Hüftschmerzen? Ein Krampf? Die Vogelgrippe? SARS? Anthrax? Ein Husten?  Entweder, er ruft ein bisschen zu schnell nach dem Physio, oder er ist der mutigste Spieler aller Zeiten“, sprach Andy Roddick vor nunmehr sieben Jahren auf seine ihm eigene Art aus, was viele andere dachten. Djokovic übertrieb es häufig mit seinen Mätzchen und sorgte für Unmut.

Nachdem der US-Amerikaner wenig später vom „Djoker“ in Flushing Meadows eliminiert wurde, konnte sich dieser einen Seitenhieb nicht verkneifen: „Andy hat gemeint, ich hätte 16 Verletzungen. Ganz offensichtlich ist dem nicht so, richtig?“ Die Verbalattacke gegen den „Local Hero“ war eine denkbar schlechte Idee, ein gellendes Pfeifkonzert die Folge.

Parodien und eine Verbal-Entgleisung

Auch zahlreiche Parodien – so veräppelte er etwa Maria Sharapova und Serena Williams, aber auch Nadal und Federer, kamen beim einen oder anderen Anhänger der Genannten nicht gut an. Unvergessen auch sein Ausraster bei den Madrid Open vor zwei Jahren.

Bei seiner Dreisatz-Niederlage gegen den Bulgaren Grigor Dimitrov hatte er gerade den zweiten Durchgang im Tiebreak für sich entschieden, ehe ihn seine Gefühle übermannten und er dem kritischen Publikum in seiner Landessprache ein „Ihr könnt mir den Schwanz lutschen“ entgegen geschrien haben soll.

Inzwischen ist der einzige Schrei von Djokovic jener nach Liebe. Der derzeit weltbeste Tennisspieler kämpft um die Anerkennung der Zuschauer und bemüht sich, seine Kritiker von sich zu überzeugen.

Becker trägt sein Übriges bei

Ab und an kommt er auch unschuldig zum Handkuss. Dann nämlich, wenn sein Trainer Boris Becker unüberlegte Aussagen tätigt, wie zuletzt über Federers neues taktisches Element („SABR“ – hier geht’s zur Story) oder davon spricht, es sei ein offenes Geheimnis, dass die beiden Topstars sich nicht verstehen würden.

Es würde dem 28-Jährigen ohnehin nicht gerecht, ihn in die Bad-Boy-Ecke zu drängen, denn in diese gehört er ganz bestimmt nicht. Millionen Fans finden seine Art schließlich toll und unterstützen ihn.

Fakt ist aber auch, dass es zwei Athleten gibt, die mindestens eine Stufe über ihm anzusiedeln sind. Ein Vergleich auf Facebook macht es deutlich: Nadal (rund 14,5 Millionen Fans) und Federer (14,3) sind dem amtierenden Australian-Open- und Wimbledon-Champion (6,0) meilenweit voraus.

Daher verwundert es nicht, dass Federer vor dem Finale die Zuschauer als Baustein auf dem Weg zum Erfolg sieht und hofft, „das Publikum auf meiner Seite“ zu haben. Er erinnere sich noch gut an seine bisherigen Endspiele in Flushing Meadows (2004 bis 2009), so sei das Finale 2005 besonders schwer gewesen, weil die US-Amerikaner auf der Seite ihres Landsmannes Andre Agassi waren.

Mit Zwang die Fan-Herzen erobern

In diesem Jahr kann sich „FedEx“ der mehrheitlichen Unterstützung der 22.547 Zuschauer im Arthur Ashe Stadium, der größten Tennis-Arena der Welt, sicher sein. Trotz überzeugender Auftritte in New York und dem Titel in Cincinnati, wobei er den „Djoker“ im Endspiel in zwei Sätzen bezwang, gilt der Eidgenosse indes als Außenseiter.

„80 Prozent seiner Zeit verbringt Djokovic damit, seine Gegner zu zerstören“, scherzte McEnroe in Wimbledon, „20 Prozent damit, die Liebe des Publikums für sich zu gewinnen.“ In diesem Punkt könnte die Tennis-Legende Recht haben.

Und genau hier liegt möglicherweise Djokovic‘ Hauptproblem. Federer und Nadal geben sich so, wie sie sind, mit all ihren Stärken und Schwächen. Die beiden punkten mit ihrer Authentizität. Dagegen vermittelt Djokovic, der sportlich längst auf Augenhöhe ist, manchmal den Eindruck, sich bewusst zu inszenieren, um dem Publikum zu gefallen.

Solange das so bleibt, wird sich seine These bewahrheiten: Er wird nie so beliebt sein wie Roger und Rafa.


Christoph Nister

<span style=\'color: #ffff00;\'>NOVAK DJOKOVIC

<span style=\'color: #ffff00;\'>ROGER FEDERER

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Joao Souza (BRA)

6:1, 6:1, 6:1

Leonardo Mayer (ARG)

6:1, 6:2, 6:2

2R

<span style=\'color: #ff0000;\'>Andreas Haider-Maurer (AUT)

6:4, 6:1, 6:2

Steve Darcis (BEL)

6:1, 6:2, 6:1

3R

Andreas Seppi (ITA)

6:3, 7:5, 7:5

Philipp Kohlschreiber (GER)

7:6, 7:6, 7:5

AF

Roberto Bautista-Agut (ESP)

6:3, 4:6, 6:4, 6:3

John Isner (USA)

6:3, 6:3, 6:1

VF

Feliciano Lopez (ESP)

6:1, 3:6, 6:3, 7:6

Richard Gasquet (FRA)

6:3, 6:3, 6:1

HF

Marin Cilic (CRO)

6:0, 6:1, 6:2

Stan Wawrinka (SUI)

6:4, 6:3, 6:1

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