Die Lehren der US Open

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Wien – Mit dem Herren-Finale zwischen Novak Djokovic und Rafael Nadal gingen die 130. US Open in der Nacht auf Dienstag zu Ende.

Regen machte den Fans teilweise einen Strich durch die Rechnung, dafür wurden sie an regulären Spieltagen mit Tennis der Extraklasse verwöhnt. Manche Träume gingen in Erfüllung, andere wiederum zerplatzten jäh.

Zahlreiche Prominente – darunter „First Lady“ Michelle Obama, die Mimen Michael Douglas und Ben Stiller, Stimmakrobat  Sean „P. Diddy“ Combs und NBA-Superstar Kevin Garnett – wollten sich das Spektakel in Flushing Meadows nicht entgehen lassen und statteten dem Arthur Ashe Stadium einen Besuch ab.

Zwei würdige Sieger

Mit Sam Stosur, die mit Serena Williams im Damen-Endspiel kurzen Prozess machte, und Novak Djokovic, der sich bei Rafael Nadal für die Vorjahres-Niederlage revanchierte, fand das vierte und letzte Grand-Slam-Turnier des Jahres zwei mehr als würdige Sieger.

Dank Jürgen Melzers Doppel-Triumph mit Partner Philipp Petzschner (GER) durfte sich auch Österreich über einen Major-Erfolg freuen. Doch wie schon ein altes Sprichwort besagt, ist auch im „Big Apple“ nicht alles Gold, was glänzt. Die Lehren der US Open 2011:

Verlieren will gelernt sein

Wie im Bilderbuch verlief das Turnier für Lokalmatadorin Serena Williams. Nach 1999, 2002 und 2008 war die 29-Jährige drauf und dran, ein viertes Mal den Siegerscheck einzustreichen. Und das, nachdem die US-Amerikanerin nach einer Lungenembolie und anschließender Operation vor wenigen Monaten nur knapp dem Tod entrann. In New York war davon nichts zu sehen, vielmehr dominierte sie nach Belieben und warf auf dem Weg ins Finale u.a. Victoria Azarenka, Ana Ivanovic und Caroline Wozniacki aus dem Bewerb.

Das Happy End – ausgerechnet am zehnten Jahrestag von „9/11“ - schien greifbar nahe, doch das letzte Kapitel wurde zum bösen Erwachen. Williams fand gegen Sam Stosur nie ihren Rhythmus und verlor glatt in zwei Sätzen. Sang- und klanglos ging das Ganze  allerdings nicht vonstatten, denn die ehemalige Nummer eins der Weltrangliste legte sich lautstark mit Schiedsrichterin Eva Asderaki an und giftete gegen diese: „Schauen Sie mich ja nicht an, ich mache keinen Spaß. Sie haben völlig die Kontrolle verloren. Sie sind eine Hasserin.“ Grund für den Gefühlsausbruch: Williams bejubelte einen Ballwechsel, bevor dieser beendet war, woraufhin Asderaki ihr den Punkt aberkannte. Der Vorfall passierte ausgerechnet bei einem Breakball für Stosur.

Erinnerungen an 2009 wurden wach: Die Exzentrikerin rastete damals bei ihrer Halbfinal-Niederlage gegen Kim Clijsters aus, musste anschließend eine Geldstrafe zahlen und spielt seither auf Bewährung. Diesmal kam sie glimpflich davon. Ober-Schiedsrichter Brian Earley verdonnerte Serena lediglich zu 2.000 US-Dollar Strafe.

Dem Wettergott ein Schnippchen schlagen

Auch in der Stadt, die niemals schläft, spielt das Wetter hin und wieder verrückt. Schon vor Turnierbeginn sorgte Hurricane „Irene“ für Unruhe bei den Organisatoren. Das USTA Billie Jean King National Tennis Center, in dem die Bewerbe ausgetragen werden, kam glücklicherweise mit dem Schrecken davon. Die Freude darüber währte jedoch nur kurz, denn der Wettergott kannte kein Erbarmen und schlug in der zweiten Woche unbarmherzig zu.

Es regnete und regnete und regnete. Für die Athleten eine schwierige Phase, verbrachten manche Spieler doch mehr als zehn Stunden am Tag auf der Anlage, ohne auch nur einen Punkt spielen zu können. Der Zeitplan geriet einmal mehr aus den Fugen und konnte nicht eingehalten werden, die Finali (Damen erst am Sonntag, Herren am Montag) wurden wie mehrfach in der jüngeren Vergangenheit nach hinten verschoben.

Die Kritik seitens der Spieler wuchs,  als diese auf den Platz geschickt wurden, obwohl der Belag noch gar nicht getrocknet war. „Sie tun alles für die Show, aber nichts für uns“, wetterte Rafael Nadal und drohte mit offener Konfrontation: „Wir werden dafür kämpfen, dass sich manche Dinge ändern.“

Die Lösung für das Problem wäre simpel, mit einem Dach könnte der Spielbetrieb zumindest im Arthur Ashe aufrechterhalten werden. Dem Regengott würde man damit ein Schnippchen schlagen, doch es gibt auch den einen oder anderen Haken. Die Kosten wären mit rund 140 Millionen Dollar beträchtlich, zudem wäre es keine einfache architektonische Aufgabe, ein Dach zu konstruieren.

Eine Zweiklassen-Gesellschaft

Rückblick zu den French Open: Im Halbfinale kam es zum großen Clash der „Big Four“. Nadal traf auf Murray, Federer bekam es mit Djokovic zu tun. Deja-vu: Dasselbe Spielchen wiederholte sich im „Big Apple“, denn neuerlich waren die vier stärksten Spieler der Welt eine Klasse besser als der Rest. Einzig Murray mühte sich in der zweiten Runde gegen Robin Haase und musste über fünf Sätze gehen, ansonsten hatten die Top-Stars im Lager der Filzkugel-Artisten zumeist leichtes Spiel.

Diese Dominanz wirkt für manche vielleicht eintönig und auf Dauer langweilig, doch genau das macht den Herren-Zirkus derzeit so spannend. Es gibt vier außergewöhnliche Persönlichkeiten, die dem Rest der Welt die Grenzen aufzeigen.

Noch einen Tick über allen anderen steht freilich Djokovic. Der Serbe spielt die Saison seines Lebens und hält bei nunmehr zehn Titeln (inkl. drei Major-Erfolgen). Zugegebenermaßen war ihm auch das Glück so manches Mal hold. Im Halbfinale gegen Federer schien sein Ende gekommen, als er dem Tennis-Tod noch einmal von der Schippe sprang, zwei Matchbälle (auch dank der Netzkante) abwehrte und ins Finale einzog, um dieses in eindrucksvoller Manier für sich zu entscheiden. Das nennt man wohl „Glück des Tüchtigen“.

Würdig oder unwürdig, das ist hier die Frage

Caroline Wozniacki darf sich seit 11. Oktober 2010 Nummer eins der Damen-Welt schimpfen. Mit Ausnahme einer Woche im Februar führte die Dänin die Weltrangliste ununterbrochen an, und doch musste sie sich immer wieder mit Kritikern auseinander setzen, die sie als einer Nummer eins „nicht würdig“ betrachten. Woher rührt diese Einschätzung?

Ganz klar, ihr fehlt bis dato ein Sieg bei einem der vier Grand-Slam-Bewerbe. Auch bei den US Open konnte sie diesen Makel nicht ablegen, im Halbfinale war sie gegen Serena Williams chancenlos, vielmehr noch wurde sie vorgeführt. Nun arbeitet sich eine Spielerin nicht umsonst an die Spitze – Wozniacki hält bei einem Saisonrekord von 58 Siegen bei nur 13 Niederlagen, dazu stockte sie ihr Konto an Turniersiegen um sechs auf.

Wenn es aber in Melbourne, Paris, Wimbledon und New York ans Eingemachte geht, fehlt ihr regelmäßig die nötige Kaltschnäuzigkeit einer Serena Williams oder Kim Clijsters. Es ist müßig zu spekulieren, ob dieses Duo ohne seiner Verletzungsanfälligkeit an Stelle Wozniackis vom Thron lachen würde, eines steht aber fest: Solange die Blondine bei Majors sieglos bleibt, wird sie in puncto Ansehen immer hinter der genannten Konkurrenz zurückstehen müssen.

Land der Doppel-Spezialisten

In den Einzelkonkurrenzen gab es lediglich einen Sieg für einen österreichischen Vertreter zu bejubeln – ein miserables Abschneiden. Umso erfreulicher das Auftreten im Doppel: Jürgen Melzer gelang hierbei mit Partner Philipp Petzschner ein Durchmarsch. Das Duo behielt auch im Endspiel gegen die Polen Mariusz Fyrstenberg und Marcin Matkowski die Nerven und entschied den Bewerb für sich.

Dieser Erfolg ist ein weiteres Indiz dafür, dass Österreich sich längst zur  Doppel-Nation gemausert hat. Melzer gelang zuvor in Wimbledon und Melbourne der Einzug in die Runde der letzten Acht, im Vorjahr triumphierte er im „All England Lawn Tennis Club“. Alex Peya stand auf dem „heiligen Rasen“ in diesem Jahr in der Vorschlussrunde, Julian Knowle gewann 2007 in Flushing Meadows und wurde im Vorjahr in Roland Garros erst im Halbfinale gestoppt.


Christoph Nister

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