Eine längst überfällige Premiere

Aufmacherbild
 

In seinem fünften Grand-Slam-Finale hat sich Andy Murray seinen großen Traum erfüllt und ganz Großbritannien in einen Tennis-Taumel versetzt.

Der Schotte gewann am Montag (Ortszeit) bei den US Open mit einem 7:6(10),7:5,2:6,3:6,6:2 gegen den Serben Novak Djokovic seinen ersten Major-Titel und beendete damit die 76 Jahre andauernde Wartezeit der Briten.

Der legendäre Fred Perry hatte bei den US Open 1936 als bisher letzter Brite bei den Herren eines der vier Grand-Slam-Turniere gewonnen.

Noch einmal aufgerafft

"Es war ein unglaublich hartes Match, aber am Ende hat es sich großartig angefühlt", sagte Murray.

Schon durch den Finaleinzug überholte er in der Weltrangliste den pausierenden Spanier Rafael Nadal, ist neuer Dritter.

"Erleichterung ist wahrscheinlich das beste Wort, um mein Gefühl zu beschreiben." Besonders froh war der Schotte, dass er sich im fünften Satz noch einmal aufgerafft hatte. "Wenn ich das Match nach der 2:0-Satzführung noch verloren hätte, wäre es sehr hart für mich gewesen."

Windige Verhältnisse

Der schon 2007 und 2010 in US-Open-Finali unterlegene Djokovic hatte sich ins Match zurückgekämpft, nachdem er den 87-minütigen Eröffnungssatz mit dem sechsten Satzball Murrays verloren hatte und in Durchgang zwei 0:4 zurückgelegen war.

Doch die Nummer zwei des Turniers spielte bei erneut windigen Bedingungen danach unbekümmert drauflos und schaffte den Ausgleich zum 5:5.

Murray breakte den Titelverteidiger jedoch zum 7:5 ein drittes Mal in diesem Satz und ging damit mit 2:0 Sätzen in Front.

Historische Chance ausgelassen

Dann nahm Djokovic das Heft doch in die Hand, obwohl er sein Halbfinale gegen den Spanier David Ferrer erst am Vortag gespielt hatte.

Murray hatte sein Match gegen den Tschechen Tomas Berdych schon am Samstag absolviert. Den ersten Sieg nach 0:2-Satzrückstand in einem US-Open-Finale seit dem US-Amerikaner Pancho Gonzalez 1949 gelang dem "Djoker" aber nicht.

Bei anderen Grand Slams hatte zuletzt der Argentinier Gaston Gaudio 2004 in Roland Garros ein derartiges Husarenstück geschafft.

Verdienter Sieger

"Ich hatte heute einen großen Gegner", nahm Djokovic die nach 4:54 Stunden mit Matchball zwei besiegelte Niederlage fair hin.

"Er hat diesen Grand-Slam-Sieg mehr als irgendjemand anderer verdient. Er war schon so oft knapp dran." Für den fünffachen Gewinner von Major-Turnieren reichte es heuer auf höchster Ebene damit "nur" bei den Australian Open zum Titelgewinn.

"Klar bin ich enttäuscht über die Niederlage", meinte Djokovic dazu. "Aber ich weiß auch, dass ich heute alles gegeben habe."

Der vierte im Quartett

Durch den Ausgang dieses Endspiels hat jeder aus den Top vier der Weltrangliste heuer einen Grand-Slam-Titel geholt - Djokovic in Melbourne, Rafael Nadal in Paris, Federer in Wimbledon und eben Murray in New York.

Für ihn ging ein fantastischer Sommer zu Ende, an dessen Anfang noch die bittere Viersatz-Niederlage im Wimbledon-Finale gegen Roger Federer gestanden war.

Doch schon bei Olympia drehte der Lokalmatador den Spieß um, schlug den Schweizer im Finale sicher in drei Sätzen.

Frage der Konstanz

"Es ist großartig, es geschafft zu haben", erklärte Murray zu seinem Triumph, bei dem er mit 160 um fünf Punkte mehr als sein Gegner gemacht hat.

"Ich hoffe auch, dass es Kinder bei uns zum Tennis bringt." Sein nächstes Ziel hat er sich mit der Spitze der Weltrangliste auch schon gesetzt.

"Da muss ich über das gesamte Jahr so konstant sein, wie es Novak, Roger und Rafa (Anm.: Nadal) schon gezeigt haben. Ich werde es versuchen. Ich wäre liebend gerne die Nummer eins, doch es wird sehr schwierig."

Parallele zu Lendl

Auf der Tribüne verfolgten neben Murrays Mutter u.a. auch die Stars Sean Connery und Alex Ferguson den Erfolg ihres Landsmanns mit.

Interessant, dass auch Murray-Coach Ivan Lendl seine ersten vier Grand-Slam-Finali verloren hatte. Murray:

"Ich habe nicht nur bewiesen, dass ich ein Grand-Slam-Turnier gewinnen, sondern auch nach viereinhalb Stunden körperlich noch mein Bestes bringen kann. Und das gegen einen der stärksten Spieler, den das Tennis je gesehen hat, besonders auf dieser Unterlage."

Zum Seitenanfang»
Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen