Melzer hadert mit verpassten Chancen

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Achtelfinale bei den Australian Open, zweite Runde in Paris, dritte in Wimbledon und zweite Runde bei den US Open.

Durchwachsen wie auch sein bisheriges, von mehreren Verletzungen gestörtes Tennis-Jahr liest sich die Grand-Slam-Bilanz 2011 von Jürgen Melzer.

Der 30-jährige Niederösterreicher, der im vergangenen Jänner in Melbourne nach seinem vierten Achtelfinal-Major-Einzug en suite erstmals in die Top Ten eingezogen ist, musste sich am Freitag in New York nach verbissenem Kampf in fünf Sätzen geschlagen geben.

Chance vergeben

Nur zwei Punkte haben Melzer bei 5:4 im Tiebreak des fünften Satzes gegen den Russen Igor Kunizyn gefehlt.

Dem Weltranglisten-17. ist klar, welch große Chance er da vergeben hat.

Denn in der dritten Runde hätte er mit dem überraschend gegen den Letten Ernests Gulbis weitergekommenen Luxemburger Gilles Muller eine tolle Chance auf ein neuerliches Achtelfinale, - und das aller Wahrscheinlichkeit auf großer Bühne gegen Rafael Nadal -, gehabt.

"Wenn ich da drüber komme, spiele ich gegen Muller, der mir eigentlich taugt. Dann stehst du auf einmal im Achtelfinale und weißt auch nicht wirklich, warum", erklärte der Deutsch Wagramer.

An Niederlage zu knabbern

Melzer gab zu, dass knapp verlorene Matches wie diese, ihm schon eine Zeit im Magen liegen.

"Da denkt man lange nach, das kommt immer wieder. Klar spielt man Punkte (im Geiste noch einmal, Anm.) durch, das wird noch ein paar Tage oder Wochen dauern."

Doch man sollte trotzdem vorsichtig sein, Melzer zu früh abzuschreiben. Was Melzer fehlt, ist das Selbstvertrauen, und das wirkt sich eben auch in mangelnder Aggressivität aus. Dass er nach wie vor ganz vorne mitspielen kann, davon ist nicht nur er überzeugt.

Kopf nicht in den Sand stecken

"Ich werde sicher nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern weiterarbeiten", versprach Melzer. Er selbst findet, dass er durchaus das Zeug dazu hat, in die Top Ten zurückzukehren.

"Ich habe es sicher nicht verlernt. Es geht ja phasenweise echt ganz gut. Ich muss einfach meinen Aufschlag finden, da habe ich immer wieder Probleme. Dann gewinnst du drei, vier Matches und bist wieder dort, wo du eigentlich hingehörst."

Nicht "tot" trainieren

Noch spielt Melzer bei den US Open im Doppel (Samstag/2. Runde um 18.30 MESZ), danach gilt sein ganzer Fokus der Vorbereitung auf den Davis Cup in Belgien in knapp zwei Wochen.

Für ihn ist es wichtig, nun eine richtige Balance zwischen Training und Regeneration zu finden, erklärte er und präzisierte es so: "Ich habe heuer nicht gerade wenige Verletzungen gehabt. Ich muss schauen, dass mein Körper verletzungsfrei bleibt. Wenn ich mich jetzt 'tot' trainiere, dann geht es wieder nach hinten los."

Hauptziel ist es, gesund bis zum Jahresende durchzuspielen.

Keine Gedanken über Karriereende

Die Zahl 30 als Alters-Indikator spielt da keine Rolle, denn Melzer ist grundsätzlich körperlich topfit.

"Wann ich aufhöre, steht in den Sternen, da denke ich noch gar nicht daran."

Rücken wirft Melzer aus der Bahn

Sein Grand-Slam-Jahr hatte so gut begonnen, doch mit der Rückenverletzung im Vorfeld der French Open ging es abwärts.

"Dass ich in Paris überhaupt habe spielen können, war eigentlich ein Wunder. Und dann hat es sich bis Wimbledon gezogen. Ich habe vor Wimbledon keine Matchpraxis gehabt, dafür war Wimbledon ganz okay."

Davis Cup als schwierige Mission

Seinen Fans verspricht er eines: "Ich werde mich reinhauen. Ich hoffe, dass ich zum Davis Cup wieder da bin und auch in Wien wieder gut spiele."

Den Trip nach Antwerpen gegen unberechenbare Spieler wie Xavier Malisse oder Oliver Rochus schätzt er als schwierig ein.

"Weder die Belgier noch wir sind übermäßig in Form. Mal sehen, wer sich dort besser zurechtfindet."

"Frankreich hat auch nicht reingepasst"

Dass er sich mit Blick auf die Einzelkarriere die Reise zu diesem Länderkampf lieber ersparen könnte, ist für Melzer kein Thema.

"Der Davis Cup gegen Frankreich hat auch nicht reingepasst, der hat viel zerstört. Aber wenn man sich dazu entschließt, sein Land zu vertreten, dann muss man es so nehmen wie es ist."

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