Clijsters: "Ich bin immer meinem Herzen gefolgt"

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Wenn Kim Clijsters in den kommenden Tagen zum letzten Mal ihre Tennis-Tasche packen und in den Katakomben der Spieler-Umkleidekabinen von Flushing Meadows verschwinden wird, wird sie ein vertrautes Gefühl durchströmen.

Nämlich jenes des Abschiednehmens. Diesmal aber in dem Wissen, dass es ihr allerletzter Auftritt als Profi-Spielerin gewesen sein wird.

Bereits vor fünf Jahren zog sich die sympathische Belgierin als damalige Nummer vier der Welt erstmals von der WTA-Tour zurück.

Hochzeit und Kind

Die damals 24-Jährige wollte eine Familie gründen, heiratete den amerikanischen Basketballer Brian Lynch und wurde kurze Zeit später mit Tochter Jada schwanger, die schließlich im Februar 2008 das Licht der Welt erblickte.

Normalerweise bedeutet dies für jede Tennis-Dame ein abruptes Karriere-Ende. Spielende Mütter sind auf der Tour auch im 21. Jahrhundert mit der Lupe zu suchen. Ausnahmen wie die Oberösterreicherin Sybille Bammer bestätigen die Regel.

Comeback mit US-Open-Sieg

Doch wie die Ottensheimerin versuchte auch Clijsters Kind und Karriere unter einen Hut zu bringen – und dies gelang der quirligen Blondine mit Bravour: Nach einer Exhibition in Wimbledon („Da bin ich wieder auf den Geschmack gekommen“) feierte sie im Jahr 2009 ein vielbeachtetes Comeback.

Nur wenige Wochen später holte sie bei den US Open – auch ihren Premieren-Sieg 2005 feierte sie in Flushing Meadows - den zweiten Grand-Slam-Titel ihrer Karriere.

Die letzte Mutter, die vor Clijsters einen Major-Sieg einfahren konnte, war Evonne Goolagong Cawley im Jahr 1980.

Vorbild für viele junge Mütter

Ihre Bilder mit Tochter Jada bei der Siegerehrung gingen in die Sportgeschichte ein und dienen auch heute noch vielen jungen Frauen als Beispiel, wie man auch als Mutter nicht auf einen erfüllenden Beruf verzichten muss.

Mit der Unterstützung ihres Ehemanns, der seine Karriere hinten anstellte, und einer ausgeklügelten Planung gelang es Clijsters, die beiden zeitintensiven Jobs als Tennis-Profi und Mutter zu vereinen.

„Bin immer meinem Herzen gefolgt“

Dass ihr Comeback so erfolgreich ausfiel, überraschte allerdings Clijsters selbst. „Als ich mit Jada wieder begonnen habe zu spielen, hätte ich nie gedacht, dass es so gut laufen würde“, gesteht sie heute.

In erster Linie sei Clijsters aus Liebe zum Tennis zurückgekehrt.  „Ich bin immer meinem Herzen gefolgt und habe immer das gemacht, was ich für richtig gehalten habe. Ich bin mir selbst immer treu geblieben“, so die Belgierin, die in dieser Hinsicht bei einigen Spieler-Kolleginnen Verbesserungs-Potenzial ortet.

„Spieler verändern sich. Tennis besteht nicht nur aus Matches und Training. Man sieht oft Spieler, die den wahren Sinn des Sports aus den Augen verlieren.“

Clijsters spielte Tennis, weil sie den Sport liebte. Mit einem Gesamtpreisgeld von über 24 Millionen US-Dollar konnte sie sich diesen Luxus leisten. Für die allseits beliebte Tochter eines im Jahr 2009 verstorbenen ehemaligen Fußball-Profis zählten andere Dinge.

Körper spielt nicht mehr mit

„Es war ein unglaubliches Abenteuer in den letzten drei, vier Jahren. Jetzt bin ich aber bereit, dieses Kapitel meines Lebens abzuschließen.“

Vor allem der Körper der heute 29-Jährigen scheint den Torturen des Spitzensports nicht mehr gewachsen zu sein. Seit ihrem dritten US-Open-Titel 2010 plagte sich Clijsters immer wieder mit Verletzungsproblemen herum.

2011 knöchelte sie zu Jahresbeginn bei einer Hochzeit um und kam so nur schwer in die Gänge. Danach musste sie fast die gesamte Sandplatz-Saison wegen Schulter- und Handgelenks-Blessuren streichen.

Starke Leistungen trotz Verletzungen

Angeschlagen verlor die 41-fache WTA-Turniersiegerin bei den French Open bereits in Runde eins, ihren Start in Wimbledon musste sie allerdings gleich wieder wegen einer Fußverletzung absagen, ehe sie zu Saisonende noch eine Bauchmuskelzerrung ereilte.

Heuer plagte sich Clijsters mit der Hüfte und erneut dem Knöchel herum. Ihre 19:6-Bilanz ist dementsprechend noch eindrucksvoller.

Trotz ihrer körperlichen Probleme stand sie bei den Australian Open im Halbfinale, in Wimbledon im Achtelfinale und bei den Olympischen Spielen im Viertelfinale.

„Bin einfach schon zu alt“

„Ich bin einfach schon zu alt, um jenes Spiel zu spielen, dass ich körperlich spielen will“, meint die für ihr Kämpferherz und ihre extreme Grätsche berühmte Clijsters. „Ich habe aber trotz aller Probleme immer 100 Prozent gegeben.“

Nun sei es aber an der Zeit, den Schläger endgültig an den Nagel zu hängen. „Ich habe meinen Körper genug leiden lassen. Die letzten 15, 20 Jahre haben ihre Spuren hinterlassen“, freut sie sich nun auf ruhigere Zeiten im Kreis ihrer Familie.

Tränenreicher Abschied garantiert

Vorher will sie ihre letzten US Open aber noch einmal so richtig genießen. „Hier zu spielen und meine Karriere zu beenden - das wird ein ganz besonderer Moment für mich. Ich bin mir sicher, dass es sehr emotional wird.“

Die Tränen, die ihr schon in Melbourne bei ihrer letzten Partie die Wangen herunter strömten, wird Clijsters auch in New York nicht zurückhalten können – und so wird es mit ihr auch vielen anderen ergehen.

Christian Frühwald

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