Leitgeb will das Übel an der Wurzel packen

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Zuversichtlich präsentierte der frisch gewählte ÖTV-Präsident Ronnie Leitgeb am Mittwoch seine Pläne und Ziele für die kommenden drei Jahre.

Wie erwartet legt sich der sich der ehemalige Wegbegleiter von Thomas Muster die Latte nicht gerade niedrig.

Im Gegensatz zu seinem Vorgänger, dem Herz-Chirurgen Ernst Wolner, will sich der 52-jährige Mödlinger persönlich um den schwierigsten Bereich, den Spitzensport, kümmern.

Schließlich kann der Manager von Jürgen Melzer, Tamira Paszek und Nikolay Davydenko auf 30 Jahre erfolgreiche Arbeit im internationalen Tennis-Zirkus verweisen.

Übel an der Wurzel packen

Leitgeb versucht, das Übel an der Wurzel zu packen. Er will nicht nur die Ausbildung der Spieler, sondern gleich der gesamten heimischen Trainer reformieren.

„Wir brauchen gut ausgebildete Trainer an der Basis und auf jeder Leistungsstufe die richtigen Betreuer“, erklärt Leitgeb, der die Fortbildung der heimischen Coaches forcieren will (LAOLA1-Kommentar).

Diese sei in der Vergangenheit sehr vernachlässigt worden, wie auch Clemens Trimmel zugibt.

„Mir brauchst nix erzählen!“

„Ich will nicht verallgemeinern, dass alle Trainer ein Ausbildungsproblem haben. Das Image der österreichischen Trainer ist aber halt oft nach dem Motto ‚Mir brauchst nix erzählen!‘ Teilweise wird zu wenig auf Fortbildung und Weiterentwicklung wert gelegt. Wir haben definitiv gute Trainer in Österreich. Es könnten aber durchaus mehr sein“, erklärt der 33-jährige Wiener im Gespräch mit LAOLA1.

Trimmel, selbst ehemaliger Tennis-Profi, ist seit Jänner im Amt und Leitgeb als ÖTV-Sportdirektor direkt untergeordnet („Ich berichte direkt an ihn“).

„Ronnie Leitgeb hat über die Jahre bewiesen, dass er nicht nur in Österreich, sondern auch im internationalen Sport einiges bewegen kann. Ich glaube, dass der Verband gut beraten ist, sein Wissen gut zu nutzen. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit“, streut er seinem neuen Chef Rosen.

ÖTV will „Kinder von klein auf begleiten“

„Wir sind intensiv im Austausch und beleuchten derzeit noch die österreichische Spitzenszene. Was ist gut? Was ist schlecht? Was ist verbesserungswürdig? Am Ende des Tages sollen Eltern, die ihre Kinder zum Tennis bringen wollen, den Verband als Beratung und Unterstützung dazu nützen können.  Wir wollen als Verband ein Kind, dass das Potenzial hat, richtig gut zu werden, von klein auf begleiten können.“

Leitgeb bedient sich bei seiner Planung beim international vielfach gelobten französischen Verband als „role model“: „Dort ist jeder 10-bis 12-Jährige in etwa auf dem gleichen Status, was seine Entwicklung betrifft – ganz egal ob er in Paris oder Marseille trainiert. Auch wir wollen das vereinheitlichen.“

Erfolgsgarantie gebe es aber selbst bei der Umsetzung dieser Pläne keine. „Tennis ist eine Weltsportart. Wenn man bedenkt, wie viele Menschen auf der ganzen Welt Tennis spielen, ist jeder Österreicher, den wir in die Top 100 hineinbekommen, eine kleine Sensation“, rückt Leitgeb die Erwartungen der Öffentlichkeit zurecht.

Bündelung der heimischen Kräfte

„Auch größere Nationen haben stärkere und schwächere Jahrgänge. Die Engländer, der reichste Verband der Welt, haben jahrelang gebraucht, um sich einen Schotten an die Fahne zu heften.“

Der Weg zum Erfolg ist dementsprechend steinig. Deshalb fordert Leitgeb auch eine Bündelung der Kräfte auf seinem „österreichischen Weg. Die Erfahrung, die wir haben, müssen wir bündeln – ganz egal, ob dies einen Koubek, Hipfl, Schaller oder Bresnik betrifft.“

„Als ich mit Thomas Muster begann, war das österreichische Tennis extrem abhängig von ausländischen Trainern. Es gab niemanden mit Tour-Erfahrung im internationalen Tennis. Wir mussten uns die Leistung aus dem Ausland holen. Jetzt schauen wir auf 30 Jahre Tennis-Erfahrung zurück und können aus dem eigenen Saft ein gut schmeckendes Steak produzieren, bei dem sich die anderen schwer tun, darauf zu kauen.“

„Habe großen Respekt vor der Arbeit von Bresnik“

Dabei will Leitgeb „alten Animositäten keinen großen Raum geben“ und „in die Zukunft schauen.“ Dementsprechend hofft er auch auf eine gute Zusammenarbeit mit seinem ehemaligen Intimfeind Günter Bresnik, der mit Dominic Thiem eines der hoffnungsvollsten heimischen Talente unter seinen Fittichen hat.

„Ich habe großen Respekt vor der Arbeit von Günter Bresnik. Wir sind in guter Kommunikation und ich bin zuversichtlich, dass wir einen gemeinsamen Weg für das österreichische Tennis gehen können“, lässt Leitgeb heimische Tennis-Fans auf eine für alle Beteiligten lohnende Zusammenarbeit hoffen.

Leitgeb hält große Stücke auf Trimmel

Große Stücke hält Leitgeb bei seinen Planungen auf Trimmel, den er zur Jahrtausendwende selbst betreute und deshalb bereits gut kennt.  „Wir brauchen junge Leute wie Clemens Trimmel, die selber erfolgreich Tennis gespielt und eine gute Ausbildung gemacht haben und die sich mit ihrem ganzen jugendlichen Einsatz dem Tennis zur Verfügung stellen“, überhäuft er seinen Sportdirektor mit Vorschuss-Lorbeeren.

An Erfahrung sollte es Trimmel trotz seines Alters jedenfalls nicht mangeln. Sein Lebenslauf scheint für seine Arbeit prädestiniert zu sein.

 „Ich habe selbst die ganze Schiene durchgemacht“, lässt Trimmel seinen Werdegang Revue passieren. „Ich bin im Urlaub von Christian Roth entdeckt worden, der heute in der Südstadt Geschäftsführer ist und damals Trainer im Wiener Tennis-Verband war. Ich habe dann beim WTV angefangen, bin mit 14 in die Südstadt gekommen und habe dort das Gymnasium gemacht.“

„Dann war ich bei Ronnie Leitgeb gemeinsam mit Markus Hipfl unter Vertrag. Wir hatten damals das Glück, dass wir Sponsoren hatten, die uns den Weg leichter gemacht haben. Jetzt schließt sich der Kreis nach meiner wirtschaftlichen Ausbildung und jahrelangen Berufserfahrung. Ich bin froh, dass ich wieder im Tennis gelandet bin.“

Bei allem Know-How und Einsatzgeist ist aber auch Trimmel klar, dass am Ende des Tages nur eines zählt: „Das Ziel muss es sein, so gute (National-)Mannschaften wie möglich zu schaffen!“

Christian Frühwald

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