Die größten ÖTV-Baustellen

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Die größten Baustellen des neuen ÖTV-Präsidenten

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Mit 28. Februar verabschiedet sich Ronnie Leitgeb nach drei Jahren Amtszeit von seinem Posten als ÖTV-Präsident.

Einen Tag danach wird Robert Groß die Nachfolge des ehemaligen Muster-Managers antreten.

Leitgeb gab an, aus persönlichen Gründen nicht mehr bei der Präsidentenwahl am 1. März bei der ÖTV-Generalversammlung in Bad Lutzmannsburg kandidieren zu wollen.

Der designierte Nachfolger ist ein erfahrener Funktionär. Seit 1996 ist der seit zwei Jahren pensionierte Direktor der oberösterreichischen Sparkassen an der Spitze des oberösterreichischen Tennis-Verbands zu finden.

Viel Arbeit für neuen ÖTV-Präsidenten

Seine neue Aufgabe als ÖTV-Präsident hat es in jedem Fall in sich. Viel Einarbeitungszeit wird dem 67-Jährigen nicht vergönnt sein, setzte es doch in der Vergangenheit viel Kritik für den Verband.

Sei es wegen der Streitigkeiten mit der Familie Thiem, dem unpopulären Leistungszentrum in der Südstadt oder negativer Ergebnisse in Davis und Fed Cup.

LAOLA1 zeigt die fünf größten Baustellen des neuen ÖTV-Präsidenten auf:

Umstrukturierung der sportlichen Abteilung

Schapers mit Schützling Miedler

Vor drei Jahren wurde Clemens Trimmel als Nachfolger von Gilbert Schaller als neuer ÖTV-Sportdirektor präsentiert. Der 35-jährige Wiener ging engagiert ans Werk, aufgrund der komplexen Aufgaben dauerte es einige Zeit, bis eine eigene, durchgängige Linie eingeschlagen werden konnte. Nun heißt es zurück zum Start: Trimmels Ende 2014 auslaufender Vertrag wurde von Alt-Präsident Ronnie Leitgeb nicht verlängert. Wie es jetzt genau weitergehen soll, soll der neue ÖTV-Präsident entscheiden. Entgegen Leitgebs ursprünglicher Ankündigung („Einen Sportdirektor wird es nicht mehr geben“), kann man sich mittlerweile auf der ÖTV-Homepage als Sportkoordinator bzw. dessen Assistent bewerben. Derzeit agiert der im Februar 2014 engagierte Michiel Schapers als Headcoach. Der erfahrene Niederländer hat Tennis-Trainer Andreas Fasching sowie Konditionscoach Florian Pernhaupt unter sich. Wem das Betreuer-Team ein bisschen klein vorkommt, der darf beruhigt sein: Die Südstadt ist NICHT unterbesetzt. Mit Lucas Miedler, Sebastian Ofner und David Pichler trainieren derzeit nämlich gerade einmal drei Nachwuchs-Spieler in der Südstadt. Ein Armutszeugnis für ein Bundes-Leistungszentrum.

Langfristige Lösung beim Posten des Davis- und Fed-Cup-Kapitäns

Neo-Davis-Cup-Kapitän Stefan Koubek

Sowohl Stefan Koubek bei den Herren als auch Jürgen Waber bei den Damen erhielten zu Jahresbeginn jeweils nur einen Vertrag für 2015. Eine vernünftige Entscheidung, schließlich soll der künftige ÖTV-Präsident sein Personal selbst auswählen dürfen. Ob Koubek und Waber auch in Zukunft engagiert werden, hängt von vielen Faktoren ab. Neben dem sportlichen Erfolg und dem Zugang zu den Spielern, geht es vor allem um die künftigen Aufgaben der Teamchefs. Waber plädiert beispielsweise für einen Fed-Cup-Kapitän, der quasi das Amt eines Damen-Sportdirektors ausüben, also auch für Nachwuchsarbeit und Strukturen innerhalb des Leistungszentrums zuständig sein soll. Ein interessanter Ansatz, den man wie auch andere Varianten zumindest andiskutieren sollte.

Kinder- und Jugend-Tennis

Zuwenige Kinder spielen Tennis

Fed-Cup-Kapitän Jürgen Waber sprach es im LAOLA1-Interview vor wenigen Tagen bereits an: Das Kinder- und Jugend-Tennis in Österreich ist quasi nicht vorhanden. In einem im Jänner veröffentlichen Ranking des europäischen Tennis-Verbands belegt Österreich bei den Junioren nur Platz 25 knapp hinter der Türkei. Zwar gibt es in Österreich um die 1.600 Tennis-Klubs mit fast 200.000 Mitgliedern, viele sind allerdings veraltet. Auf die Heranführung des Nachwuchses wird oft nur wenig Wert gelegt. Hier muss der künftige ÖTV-Präsident unbedingt eine Trendwende einleiten. Denn auch der Spitzensport ist von der Breite abhängig. Möglichkeiten gibt es sicherlich genug. Im ganzen Land finden sich vereinzelt engagierte Tennis-Schulen und –Trainer, die teilweise schon in den Kindergärten beginnen, die Kinder zum Sport zu bringen. Und die Erfahrung zeigt: Wo es das Angebot gibt, gibt es auch kein Nachwuchsproblem.

Kommunikation mit Team Thiem

Österreichs Nummer eins Dominic Thiem

Besonders geschickt hat sich der ÖTV in den vergangenen Jahren im Umgang mit Dominic Thiem nicht gerade angestellt. Zuerst konnte man sich noch unter Präsident Ernst Wolner jahrelang nicht über eine Förderung einigen. Nachdem schließlich unter Leitgeb doch endlich ein Vertrag unterschrieben werden konnte, wurde dieser aufgrund des steilen Aufstiegs des talentierten Niederösterreichs vorzeitig beendet. Kein Wunder, dass das Team um Thiem nicht sonderlich gut auf den Verband zu sprechen ist. Der neue Präsident sollte bemüht sein, die Wogen wieder zu glätten. Denn ein Davis-Cup-Team ohne Thiem scheint in Zukunft nur sehr schwer vorstellbar zu sein.

Sponsoren-Suche

Geld ist beim ÖTV meist Mangelware

Die wohl schwierigste Aufgabe. Abgesehen des Facility-Unternehmens “Simacek”, dessen Geschäftsführer ein großer Fan und Unterstützer des Tennis-Sports ist, liest sich die Sponsorenliste des Verbands überaus übersichtlich. Natürlich ist es nicht leicht, mit einer von den Zuschauern meist gemiedenen Staatsliga oder hoffnungsvollen Nachwuchsspielern zahlungskräftige Geldgeber an Land zu ziehen. Für den zweitgrößten Sportverband des Landes ist hier aber noch ordentlich Luft nach oben. Ein erfolgreiches Davis- und Fed-Cup-Team würde die Sponsoren-Suche freilich erheblich erleichtern.

 

Christian Frühwald

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