Die Skandale des Big-Brother-Bewohners "Crazy Dani"

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„Big Brother is watching you“ wurde nicht nur als Parole im George-Orwell-Roman „1984“ bekannt.

Es war in weiterer Folge auch der Slogan des sozialen TV-Projekts, in welchem wildfremde Personen für eine längere Dauer in einen Container gesperrt wurden und schlussendlich einen Geldkoffer für den Sieg geschenkt bekamen.

Nach der x-ten Staffel hat das TV-Publikum den Reiz an der Zuschaustellung einiger Möchtegern-Darsteller vor laufenden Kameras verloren. Seitdem müssen Promis herhalten, um die Quote zu steigern.

Wobei man bei „Promi Big Brother“ richtige Stars vergeblich sucht. Während in sportlicher Hinsicht der Ex-DFB-Teamspieler David Odonkor noch einigen bekannt ist, überrascht aus österreichischer Sicht die Nominierung von Ex-Tennis-Spieler und Skandalnudel Daniel Köllerer.

LAOLA1 rollt die unrühmlichen Aktionen des Bad Boys im „Promi-Big-Brother“-Container noch einmal auf:

 

  • Mai 2003: Erstmals so richtig auffällig wurde Köllerer bei seinem Team Lido Luzern gegen Genf Eaux-Vives, als er dafür verantwortlich zeichnete, dass der Aufstieg von der Nationalliga B in die Nationalliga A nicht gelang. Wegen angeblicher Provokation seines Gegners rastete der Oberösterreicher beim Stand von 5:3 aus, schimpfte und tobte. Die Partie war verloren, der Aufstieg verpasst und Köllerer vom Team entlassen.
  • September 2004: Nach einer Verwarnung in St. Pölten war der damals 21-Jährige quasi auf Bewährung. Nur drei Tage vor Ablauf der dreimonatigen Frist sorgte er in Genua für einen erneuten Eklat. Gegen den mittlerweile verstorbenen Frederico Luzzi schaukelte sich das Spiel auf, beide agierten disziplinlos – ein Skandalspiel. Köllerer wurde verwarnt, dem Italiener wurde sogar ein ganzes Strafgame aufgebrummt, welches Köllerers Sieg bedeutete. Das war jedoch noch nicht alles: Noch in der Kabine wurde der Österreicher von Luzzis Gefolge verprügelt und in weiterer Folge telefonisch bedroht. Im Oktober wurde ihm von der ATP nach seinen Disziplinlosigkeiten während dem Spiel eine achtmonatige Strafe aufgebrummt, die kolportierte Schlägerei wurde angeblich nie offiziell der ATP gemeldet.

Skandale stellten Karriere in den Schatten

Seit der eben erst 32 Jahre alt gewordene Welser 2002 zum Profi aufstieg, brachte es „Crazy Dani“ auf der ATP-Tour in Hauptbewerben auf 19 Siege und 36 Niederlagen und schaffte es 2009 sogar auf Rang 55 der Weltrangliste.

Von einem Titel war er weit entfernt, der größte Erfolg hingegen gelang ihm mit dem Erreichen des Sechzehntelfinales bei den US Open 2009, als er selbst dem Argentinier Juan Martin Del Potro Paroli bot.

Das Sportliche war aber ohnehin selten der Grund, warum sich Köllerer ins Rampenlicht spielte. Vielmehr war es die Anzahl der Skandale, die seinen Weg pflasterten und schlussendlich in einer lebenslangen Sperre gipfelte.

  • Februar 2006: Alle Versuche, das Temperament Köllerers zu zügeln, fruchteten nicht. Auch Davis-Cup-Kapitän Thomas Muster scheiterte. So kam es in Acapulco zum nächsten Aufreger, nach dem Köllerer als erster Spieler des Turniers überhaupt ausgeschlossen wurde. In der Partie gegen den Spanier Nicolas Almagro jubelte dieser nach einem gewonnen Punkt aufreizend, worauf sich der ÖTV-Spieler zum Schimpfwort „Hijo de Puta“ (Hurensohn) hinreißen ließ. Alle Erklärungs-Versuche, er wollte auf Spanisch nur „schöner Punkt“ sagen, scheiterten. Dieses Vergehen blieb nicht unbestraft.
  • März 2006: Neben dem Turnierausschluss in Acapulco beschloss die ATP eine halbjährige Sperre. Bei der Verkündung spielte Köllerer jedoch gerade bei den österreichischen Hallenmeisterschaften und lag im Achtelfinale mit 1:4 zurück, ehe er erneut ausrastete und einen Strafpunkt zum 1:5 kassierte. Von der drohenden Strafe scheinbar wissend, brach er die Partie ab und begründete dies mit einer Erkältung. Sehr kurios.
  • Oktober 2006: Anstatt nach Ablauf der Sperre einen Gang hinunter zu schalten, kehrte Köllerer bei seiner Rückkehr in Montevideo erneut das „Enfant terrible“ hervor. Der Österreicher gewann zwar gegen den Italiener Fabio Fognini, provozierte und attackiert ejedoch alle Beteiligten. Die Zeilen von Fogninis Trainer Leonardo Caperchi an die ATP machten die Runde: „In zehn Jahren habe ich so etwas noch nie erlebt. Köllerer hat beleidigt, provoziert und die Regeln verletzt. Die Attacken waren gegen seinen Gegner gerichtet, das Publikum, die Stadt Montevideo, gegen den Schiedsrichter und den Supervisor. Er legt eine Aggressivität an den Tag, die mit Sport nichts mehr zu tun hat. Köllerer ist eine Zeitbombe. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis seine Provokationen dazu führen, dass jemand etwas Schlimmes tut.“ Die Aufforderung, den Spieler zu sperren, unterschrieben 200 Profis, u.a. auch die rot-weiß-roten Vertreter Werner Eschauer, Marco Mirnegg und Rainer Eitzinger. Letzterer wurde zitiert: „Wir schämen uns als Österreicher. Was Daniel macht, ist bodenlos.“

  • März 2009: Köllerer hatte es sich mit den meisten Kollegen auf der Tour verscherzt, fand auch kaum noch Trainingspartner. Kein Wunder, da er in Indian Wells erneut über die Stränge schlug und mit seinen Mätzchen, Provokationen und übertriebenen Art Marco Chiudinelli aus der Fassung brachte. Dieser beschimpfte seinen Kontrahenten daraufhin als „Vollidioten“. Harmlos im Vergleich dazu, dass Köllerer nach einer Schimpftirade gegen ein Ballmädchen endgültig alle Sicherungen durchbrennen. Der Referee verstand die Beschimpfungen angeblich jedoch nicht und verschonte Köllerer vor weiteren Strafen.
  • Juni 2010: Freunde werden Köllerer und sein damaliger Daviscup-Kollege Stefan Koubek wohl nicht mehr. Es war nur ein Bundesliga-Duell der beiden, als es zu einer handfesten Auseinandersetzung kam. Wieder trat der „Bad Boy“ in gewohnter Manier auf und veranlasste den sonst ruhigen Koubek dazu, Köllerer an die Gurgel zu gehen. Laut Angaben des Kärntners, der daraufhin disqualifiziert wurde, wurde er als „Wichser“ beschimpft, was alle außer der Schiedsrichter auch so vernommen haben sollen. "Niemand darf glauben, dass ich jemandem an die Gurgel gehe, wenn er nichts zu mir sagt. Vielleicht gehört so eine Aktion nicht auf den Platz, aber ich bin Manns genug, um mich nicht beschimpfen zu lassen. Schon gar nicht von einem Herrn Köllerer", so der heutige Daviscup-Kapitän.
  • Juli 2010: Auch abseits des Platzes sorgte Köllerer für Aufruhr, genauer gesagt am stillen Örtchen. Als er sich beim Challenger-Turnier in Cordenons (ITA) während des dritten Satzes auf die Toilette begab, soll nebenan dessen Coach Markus Egger durch die Toilettenwand Anweisungen für das weitere Spiel gegeben haben. Da Coaching verboten ist, wurde Köllerer disqualifiziert. Jegliche Ausreden wurden auch in diesem Fall nicht ernst genommen.

  • September 2010: Der letzte Akt auf dem Platz! „Crazy Dani“ rastete beim Challenger im polnischen Stettin aus, legte sich mit dem Schiedsrichter, dem Publikum und sogar den Balljungen an, ehe der eigentliche Skandal folgte. Beim Stand von 6:2, 4:6 und 0:1 gegen den Urugayer Pablo Cuevas gab Köllerer wegen einer angeblichen Verletzung auf. Diese soll ihm sein Gegner bei einem Netzangriff zugefügt haben. Der Österreicher ging zu Boden erwies sich unumstritten als Simulant. Ein tätlicher Angriff auf seinen Kontrahenten konnte vermieden werden.
  • Mai 2011/März 2012: Der Schlusspunkt einer skandalträchtigen Karriere! Köllerer wurde nach eineinhalbjährigen Ermittlungen von der Tennis Integrity Unit (TIU) zu einer lebenslangen Sperre als Spieler und Trainer verurteilt. Dem Oberösterreicher werden in drei Fällen Spielmanipulationen vorgeworfen. Wie übermittelt wurde, soll der ÖTV-Spieler versucht haben, Spielausgänge zu arrangieren und Spielern angeboten haben, nicht ihr oder sein Bestes zu geben sowie mittels Geld und anderen Mitteln die Leistung anderer Spieler negativ zu beeinflussen. Der Sportgerichtshof (CAS) bestätigte das Urteil im März 2012 und erließ Köllerer nur die Geldstrafe von über 100.000 US-Dollar.
  • Gegenwart: 2013 drängte Köllerer noch einmal in die Öffentlichkeit, als er in einem „Sportwoche“-Interview dem Spanier Rafael Nadal Doping unterstellt. Weiters gehe er davon aus, dass diese Praktiken von der ATP vertuscht werden und zehn Prozent aller Spieler an Wett-Manipulationen beteiligt sein sollen. Ansonsten wurde es ruhig um den Ex-Profi, der nur mehr als Hobby-Trainer mit dem Tennis in Berührung kommt und mit einer mittlerweile vierjährigen Tochter den Eindruck der Bodenständigkeit vermittelt. Die Produzenten der „Big Brother“-Erfolgsserie werden sich hingegen erhoffen, dass „Crazy Dani“ im Container sein damaliges Inneres noch einmal nach außen kehrt. Nur aus diesem Grund wäre die Einladung des exzentrischen Ex-Sportlers zum C-Promi-Treffen erklärbar.

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