Die Diva und ihr Meisterstück

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Sharapova: "Ich bin heute dankbarer als früher"

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Maria Sharapova gilt zwar als die große Diva der WTA-Tour, ihre große Stärke hat aber eigentlich so ganz und gar nichts mit Glanz und Glamour zu tun.

Denn schließlich sind es ihr großer Kampfgeist und ihr unbändiger Ehrgeiz, denen sie  vor dem Damen-Finale in Paris ihre jetzt schon feststehende Rückeroberung des Tennis-Throns zu verdanken hat.

Am Montag wird Sharapova der Weißrussin Victoria Azarenka die Weltranglisten-Führung entreißen und zum dritten Mal nach 2005 und 2008 wieder das WTA-Ranking anführen.

Karriere-Grand-Slam zum Greifen nahe

So schön, so gut: Für die 25-jährige Russin hat trotzdem nur das Endspiel bei den French Open am Samstag gegen die Italienerin Sara Errani Priorität.

Mit einem Sieg würde Sharapova ihren Karriere-Grand-Slam vervollständigen und damit ein Kunststück vollbringen, das vor ihr bislang nur neun weitere Spielerinnen geschafft haben.

2004 triumphierte sie in Wimbledon, 2006 bei den US Open und 2008 in Melbourne.

Nur auf der bislang ungliebten roten Asche von Roland Garros wollte es nicht klappen. "Wie eine Kuh auf Eis" fühlte sich Sharapova in der Vergangenheit oft in Paris.

"Ein unglaublich schönes Gefühl"

Trotzdem schaffte sie es 2007 und 2011 immerhin bis ins Halbfinale. Spätestens seit dieser Saison gehört diese Abneigung gegen Sand aber der Vergangenheit an. Das bewies sie bereits mit ihren beeindruckenden Turniersiegen in Stuttgart und Rom.

Am Samstag will Sharapova nun ihr Meisterstück abliefern und sich endgültig einen Platz in den Geschichtsbüchern sichern.

"Es ist ein unglaublich schönes Gefühl", beschreibt die 26-fache WTA-Titelträgerin ihren Erfolgslauf in Paris.

Komplizierte Schulter-OP im Oktober 2008

"Ich war schon zwei Mal im Halbfinale und habe immer davon geträumt, auch einmal hier in Paris ins Endspiel einziehen zu dürfen. Jetzt habe ich die ganz große Chance auf den Titel. Ich bin unheimlich aufgeregt!"

Für Sharapova wäre es nicht nur der erste Erfolg in Roland Garros, sondern auch der erste Grand-Slam-Sieg seit ihrer komplizierten Operation an der rechten Schulter im Oktober 2008.

 Zehn Monate musste die bestverdienende Sportlerin der Welt, das "Forbes"-Magazin schätzt ihr Einkommen auf über 20 Millionen Euro, daraufhin pausieren.

Absturz auf Platz 126

Sharapova rutschte auf den 126. Weltranglistenplatz und fand nur langsam wieder in Tritt. Sukzessive arbeitete sich die 1,88 Meter große Blondine aber wieder zurück in die Weltspitze.

"Nach der Schulter-Operation bin ich aus den Top 100 rausgeflogen und habe mir gedacht: 'Ok. Ich habe es einmal ganz nach vorne geschafft, ich kann es also auch noch ein zweites Mal versuchen."

Kvitova zollt Sharapova Tribut

Im vergangenen Jahr scheiterte Sharapova, deren damals in der Nähe von Chernobyl lebende Eltern kurz nach dem Reaktorunglück 1986 flüchteten und schließlich in der Olympia-Stadt Sochi landeten, in Wimbledon erst im Endspiel an Petra Kvitova.

Jahr Spielerin Grand-Slam-Siege
2003 Serena Williams 13
1988 Steffi Graf 22
1983 Martina Navratilova 18
1982 Chris Evert 18
1972 Billie Jean King 12
1963 Margaret Smith Court 24
1957 Shirley Fry 4
1954 Doris Hart 6
1953 Maureen Connolly 9

Jene Kvitova, die sie am Donnerstag in Paris im Halbfinale klar in zwei Sätzen in die Schranken wies. "Maria hat wirklich sehr gut gespielt", zollte die 22-jährige Tschechin ihrer Bezwingerin Tribut.

"Sie hat sich in den letzten Monaten stark verbessert - nicht nur auf Sand. Sie hat es verdient, dass sie wieder die Nummer eins ist."

"Bin heute dankbarer als früher"

Sharapova, die zu Saisonbeginn im Finale der Australian Open gegen Azarenka verlor, kann den neuerlichen Sprung an die Spitze heute jedenfalls mehr genießen, als es in der Vergangenheit der Fall war.

"Ich bin heute viel dankbarer für die Dinge, die ich habe und und die ich machen darf. Wenn man schon so früh Erfolg hat wie ich, passiert einfach alles nur und man verliert die Nähe zum Sport."

"Jetzt fühle ich mich viel positiver als früher. Ich werde nicht mehr so leicht zornig. Außerdem sehe ich meine gesamte Karriere viel positiver, als ich es vorher gemacht habe"."

Wenn Sharapova diese neu gewonnene Lockerheit auch im Endspiel gegen Errani an den Tag legen kann, wird es die italienische Überraschungs-Frau ganz schwer haben, ihren Sensationslauf in Roland Garros zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen.

Christian Frühwald

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