Hoch-Saison für Schwarzmaler

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Österreichs Spieler in Paris unter Wert geschlagen

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Österreichs Tennis steht 2012 nach zwei Grand-Slam-Turnieren mit einer seit vielen Jahren einzigartigen Bilanz da.
 
Weder bei den Australian Open noch in Roland Garros hat es ein ÖTV-Spieler geschafft, die zweite Einzel-Runde zu erreichen.
 
Doch der oberflächliche Blick auf die Statistik wäre zu simpel.
 
Und betrachtet man das Potenzial von Jürgen Melzer, Tamira Paszek, Andreas Haider-Maurer und Patricia Mayr-Achleitner, dann ist dieses Quartett unter Wert geschlagen worden.
 
Keine Niedergeschlagenheit
 
Darum war in den Stellungnahmen nach den Matches auch bei keinem der Vier Niedergeschlagenheit zu bemerken.
 
Jürgen Melzer hat sich nach überstandener Knöchel- und danach Hüftverletzung überhaupt erst am Tag vor seinem frühen Sonntag-Match für einen Turnierstart entschieden.
 
Natürlich hatte er bis zu einer möglichen dritten Runde eine gute Auslosung, doch was nützt die beste Auslosung, wenn der Körper einfach nicht mitspielt?
 
Sein Manager Ronnie Leitgeb sieht Melzer nach den vielen Rückschlägen und immer wieder neuen Anläufen an der Grenze der mentalen Belastbarkeit. Nun soll dem Weltranglisten-32. etwas Druck genommen werden und er sich in Ruhe auskurieren.
 
Haider-Maurer mit überraschender Qualifikation
 
   Andreas Haider-Maurer hat sich für ihn selbst überraschend ohne Satzverlust für den Hauptbewerb qualifiziert. Auch er hat eine langwierige Sprunggelenksverletzung hinter sich.
 
Sein Erstrunden-Gegner war mit Bernard Tomic ein australischer Jungstar, der mit seiner unberechenbaren Spielweise alles andere als ein Wunschlos war.
 
"AHM" hat gerade mit Werner Eschauer und Roland Berger ein neues Trainer-Team verpflichtet und blickt ebenso positiv in die Zukunft wie auch Tamira Paszek.
 
Paszek mit katastrophaler Bilanz
 
Dabei hätte gerade Paszek, die nach den ersten fünf Monaten in elf Turnieren nur zweimal die zweite Runde erreicht hat, allen Grund zur schlechten Stimmung. Sie war am Dienstagabend schon die letzte rot-weiß-rote Protagonistin im Einzel, die ausschied.
 
"Es ist nicht so einfach für den Sportler, so viele Niederlagen und Rückschläge zu haben. Aber ich hatte schon einige in meiner Karriere, das war jetzt eher ein kleinerer würde ich sagen. Wenn der Körper nicht mitspielt, dann ist es einfach sehr schwer, auf so hohem Niveau dabeizusein", sagte Paszek.
 
"Bin zum ersten Mal gesund"
 
Auch die 21-jährige Vorarlbergerin hat heuer schon der Verletzungsteufel geplagt, sie hatte vor ihrem Match gegen Peng Shuai über vier verschiedene Verletzungen in den ersten Monaten geklagt.
 
"Jetzt bin ich zum ersten Mal gesund und konnte zwei Wochen durchtrainieren. Ich fühle mich auch körperlich viel besser, von der Fitness, vom Gewicht her", beschrieb Paszek, der freilich noch Matchpraxis fehlt.
 
"Ich gebe mir selbst die Zeit"
 
Kein Grund zur Panik also? "Ich bin ehrlich zu mir selbst. Ich habe dieses Jahr nicht wirklich arbeiten können, ich gebe mir selbst die Zeit. Letztes Jahr habe ich mich nach den French Open schlechter gefühlt als jetzt."
 
Zumal sie mit dem rumänischen Ex-Weltklassemann Andrei Pavel nun endlich fündig geworden sein will.
 
"Momentan kann ich sagen, dass er in einem Trainer das verwirklicht, was ich seit langer Zeit gesucht habe", versichert Paszek. Pavel sei ein sehr positiver, bodenständiger Mensch und "er hat auch extremes Vertrauen in mich".
 
Mayr-Achleitner mit Leistung zufrieden
 
   Als vierte im Bunde hatte sich auch Patricia Mayr-Achleitner gegen eine bei den French Open immer besonders motivierte Jelena Jankovic tapfer gewehrt, nur knapp in drei Sätzen verloren.
 
"Da gibt es nichts zu weinen, wenn man gegen eine ehemalige Nummer 1 so ein Match hingelegt", lautete die Bilanz der Tirolerin.
 
Paszek brach eine Lanze für Österreichs Tennis-Akteure: "Ich glaube, dass wir alle viel mehr draufhaben und dass es definitiv wieder nach oben gehen wird im österreichischen Tennis."
 
Auch Jürgen Melzer habe genau wie sie in diesem Jahr sehr viele Verletzungen und gesundheitliche Probleme gehabt. "Er kann bestätigen, wie es einem Sportler mit dem Selbstvertrauen geht, wenn man einfach nicht zum Trainieren kommt. Ich sehe definitiv sehr viel Positives in der Zukunft. Jetzt heißt es, an uns selbst glauben."
 
Jedenfalls scheint dies ein besserer Ansatz zu sein, als typisch österreichische Raunzerei. Denn die Schwarzmaler haben jetzt wieder Hochsaison.

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