"Bryans sind nicht unschlagbar"

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"Das Hauptaugenmerk liegt klar auf dem Doppel"

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Oliver Marach hält die österreichische Fahne in Roland Garros hoch.

Sowohl im Doppel- als auch im Mixed-Bewerb steht der 31-jährige Steirer beim zweiten Grand-Slam-Turnier des Jahres im Viertelfinale.

Nach den Erstrunden-Niederlagen in den Einzelbewerben sind diese Erfolge Balsam auf die Wunden der ÖTV-Equipe.

Trennung von Alex Peya

Dabei sah es im Vorfeld gar nicht gut für Marach aus: Nach vielen Verletzungen zu Saisonbeginn und durchwachsenen Ergebnissen mit Neo-Partner Alexander Peya beschlossen die beiden erst vor wenigen Wochen ein vorzeitiges Ende der Zusammenarbeit.

„Wir sind nicht im Streit auseinander gegangen. Der Zeitpunkt war aber nicht einfach“, erzählt Marach im LAOLA1-Interview. Wenige Tage vor Nennschluss für die French Open musste sich der in Panama lebende Grazer nach einem neuen Partner umsehen.

Seine Wahl fiel schließlich auf den Argentinier Horacio Zeballos. „Mit ihm wollte ich immer schon mal spielen.“

Ein Glücksgriff, wie sich in den letzten Tagen herausstellte. Nach drei Siegen darf sich das Duo nun am Dienstag auf den Viertelfinal-Kracher gegen die beiden Bryan-Brüder Bob und Mike („Das beste Doppel der Welt“) freuen (2. Partie nach elf Uhr).

Wie Marach die Chancen auf eine Sensation einschätzt, warum Mixed nur „ein Bonus“ ist und warum es letztlich nicht mit Alex Peya funktionierte, lest ihr in den folgenden Zeilen.

LAOLA1: Mit dem bisherigen Turnierverlauf bei den French Open kannst du wohl mehr als zufrieden sein, oder nicht?

Oliver Marach: Bislang ist es wirklich gut gelaufen. Im ersten Match hatten wir kleine Anlaufschwierigkeiten, weil wir davor kein einziges Mal gemeinsam trainieren konnten. In der zweiten und dritten Partie haben wir dann aber schon sehr gut gespielt.

LAOLA1: Schon vor zwei Wochen warst du in Nizza mit Filip Polasek im Finale. Davor wollte es mit Alex Peya sogar nicht laufen. Habt ihr euch vielleicht mit zu hohen Erwartungen zu stark unter Druck gesetzt?

Marach: Das hat sicher ein bisschen mitgespielt. Im Tennis kann es eben schnell gehen. Derzeit spiele ich eine Klasse besser als vor drei, vier Wochen oder zu Jahresbeginn. Das hatte auch mit meinen vielen Verletzungen zu tun.

LAOLA1: Wo liegen seine Stärken?

Marach: Er spielt sehr ähnlich wie ich. Er ist Linkshänder und hat ein gutes Service. Sein Volley ist nicht schlecht, aber sicher nicht seine große Stärke. Er spielt dafür sehr gut von hinten und deckt seine Seite gut ab.

LAOLA1: Ein klassisches Doppel habt ihr in Paris bislang also nicht geboten.

Marach: Wir sind beim Return sehr flexibel. Wir haben schon mehrmals zwischen Vorteil- und Einstandseite gewechselt. Mittlerweile bleibe ich auf der Vorteilseite, also auf der anderen, als ich noch mit Alex zusammen spielte. Mir ist das aber egal. Ich bin da sehr flexibel und richte mich nach meinem Partner.

LAOLA1: Was erwartest du dir von dem Duell mit den Bryan-Brüdern? Wie schätzt du eure Chancen ein?

Marach: Die sind sehr gut drauf, haben nach ihrem Turniersieg in Nizza sicher viel Selbstvertrauen. In Nizza habe ich im Endspiel mit Polasek knapp gegen die beiden verloren. Das war ein enges Match, da hätten wir beinahe einen Satz gewonnen. Wir werden alles geben und haben eine gute Taktik. Mal schauen, wie es laufen wird. Je weiter die beiden im Turnier sind, umso schwerer sind sie allerdings zu schlagen.

LAOLA1: Du hast die richtige Taktik angesprochen. Was muss man gegen die Bryans beachten?

Marach: Die beiden sind sehr groß, servieren sehr gut und decken gut die Mitte ab. Deshalb werden wir vermehrt Longline retournieren. Der Linkshänder Bob hat einen der besten Lobs auf der Tour. Auf Sand können sie auch gut von hinten spielen. Man muss aufpassen, weil sie einem optisch nicht viel Platz geben. Dann riskiert man zu viel und macht Fehler. Das ist ihre große Stärke. Sie sind sicherlich das beste Doppel-Team der Welt, aber auch nicht unschlagbar.

LAOLA1: Du bist auch im Mixed mit Nuria Llagostera Vives im Viertelfinale. Welchen Stellenwert hat dieser Bewerb für dich?

Marach: Ich spiele gerne im Mixed, aber das ist nur ein netter Bonus. Nuria spielt auf Sand sehr gut und steht im Doppel schon im Semifinale. Das Hauptaugenmerk liegt bei uns klar auf dem Doppel. Solange es im Mixed auch gut läuft, freut es uns natürlich auch.

LAOLA1: Auch wenn es nur Mixed ist, einen Grand-Slam-Titel könnte man auch dort einsacken.

Marach: Natürlich. Finanziell ist es ab dem Viertelfinale auch schon ganz interessant. Deshalb spielt man es auch. Denn Punkte kriegt man ja keine dafür. Wenn man weit kommt, wird der Bewerb durchaus interessant.

LAOLA1: Im Achtelfinale habt ihr mit Katerina Srebotnik/Nenad Zimonjic eine ganz starke Paarung rausgenommen. Habt ihr euch da selbst überrascht?

Marach: Wir haben eigentlich beide Partien sehr gut gespielt. Hoffentlich bringen wir das noch ein paar Mal so rüber.

Das Gespräch führte Christian Frühwald

LAOLA1: Woran ist die Zusammenarbeit mit Alex letztlich gescheitert?

Marach: Nach Madrid haben wir uns zusammengesetzt und gemeinsam erkannt, dass es einfach nicht gepasst hat. Wir sind aber  nicht im Streit auseinander gegangen. Wahrscheinlich haben wir uns einfach zu viel Druck auferlegt und zu viel vorgehabt. Es hatte einfach nicht sollen sein. Zu diesem Zeitpunkt zu wechseln war nicht leicht. So knapp vor Paris und Wimbledon will eigentlich niemand wechseln und so war es recht schwer, noch einen Partner für die beiden Grand-Slam-Turniere zu finden.

LAOLA1: Wie bist auf Horacio Zeballos gekommen?

Marach: Das war sehr kurzfristig. Drei, vier Tage vor Nennschluss habe ich mir einfach die Liste durchgeschaut. Eine Setzung wäre sich sowieso mit keinem verfügbaren Partner mehr ausgegangen. Mit Horacio wollte ich schon immer mal spielen. Er konzentriert sich meist aufs Single, wollte in Paris aber gerne auch im Doppel spielen. Horacio ist ein sehr guter Doppelspieler, er stand 2010 schon einmal im Halbfinale der US Open.

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