"Jeder hat über Hose geredet"

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"Hätte nie erwartet, einmal so stark zu werden"

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Es war ein Grand-Slam-Finale, von dem Tennis-Fans noch in Jahrzehnten sprechen werden.

Stan Wawrinka und Novak Djokovic begeisterten am Sonntag Zuschauer in der ganzen Welt 3:12 Stunden lang mit Spitzen-Tennis vom Feinsten.

Doch es werden nicht nur die beeindruckenden Gewinnschläge von Sieger Wawrinka oder der verpasste Karriere-Grand-Slam von Djokovic in Erinnerung bleiben.

„Die Hose wird wahrscheinlich Kult“

Mit den French Open 2015 werden in Zukunft auch untrennbar die pink-grau gemusterten Hosen des 30-jährigen Schweizers verbunden bleiben.

„Die Hose wird jetzt wahrscheinlich Kult“, war sich kurz nach dem Ende der Partie nicht nur Alexander Antonitsch auf seinem Facebook-Profil sicher. Vielfach wurden die Shorts bereits mit den legendären neonfarbenen Radler-Hosen von Andre Agassi verglichen.

Wawrinka beweist Selbstironie

Wawrinka blieben die Diskussionen um sein extravagantes Kleidungsstück in den vergangenen zwei Wochen nicht verborgen. Diesem Umstand zollte er auch bei seiner finalen Pressekonferenz in Roland Garros Tribut.

Als er Platz nahm, um sich der wartenden Journalisten-Schar zu stellen, hängte er seine von manchen als Pyjama, von einigen als Boxer-Short und wiederum von anderen als Badehose bezeichneten Shorts über seinen Media-Desk und erntete für seine Selbstironie schallendes Gelächter und tosenden Applaus.

Hosen kommen ins Museum

„Jeder hat über meine Hosen geredet“, schmunzelte der Eidgenosse über seinen modischen Fauxpas, für den er in den letzten Tagen einigen Spott erdulden musste. „Ich habe sie wirklich gemocht. Aber anscheinend war ich der Einzige.“

Da sich über Geschmack so ausgezeichnet streiten lässt, wird Wawrinka diese Diskussionen auch zukünftigen Generationen nicht vorenthalten. Er wird seine Hosen dem „Tenniseum“ spenden, dem Tennis-Museum in Roland Garros.

„Ich war unglaublich nervös“

So cool der Vater einer fünfjährigen Tochter sowohl bei der Pressekonferenz als auch davor im Finale gegen Djokovic agierte, so gab er doch zu, dass es während der Partie in seinem Inneren teilweise deutlich aufwühlender zuging.

“Ich war wirklich unglaublich nervös”, erinnerte sich Wawrinka an seinen zweiten Matchball zurück, den er mit einem hammerharten Rückhand-Winner entlang der Linie abschloss.

Der Junioren-Paris-Sieger von 2003, übrigens der erste seit Mats Wilander 1988, der seinen Junioren-Sieg bei den Erwachsenen wiederholten konnte, rechnete auch selbst nicht mit so einer starken Vorstellung im Endspiel gegen den im Turnierverlauf bislang so überragenden Djokovic:  „Ich bin immer noch davon überrascht, wie unglaublich ich heute gespielt habe.“

 

„Ich habe immer nach dem richtigen Schlag gesucht und ihn fast immer gefunden. Ich bin sehr stolz, dass ich heute gegen Novak gewinnen konnte“, meinte Wawrinka, der im Head-to-Head immer noch mit 4:17 zurückliegt.

„Habe viel Respekt vor Novak Djokovic“

Mit dem Verlierer, mit dem er auch befreundet ist, hatte er allerdings auch Mitleid. Schließlich wusste Wawrinka genau, wie sehr sich Djokovic die Komplettierung seiner Trophäen-Sammlung gewünscht hatte.

Nachdem der Serbe den neunfachen Paris-Sieger Rafael Nadal und den immer stärker werdenden Andy Murray eliminierte hatte, schien der Weg zum Karriere-Grand-Slam, den er als erst achter Spieler der Geschichte geschafft hätte, bereits geebnet. Doch auch nach seinem dritten Finale nach 2012 und 2014 blieb der Weltranglisten-Erste ohne French-Open-Titel.

„Ich habe viel Respekt vor ihm und seinem Team. Er ist ein toller Freund und ich weiß, dass er diesen Titel unglaublich gerne gewonnen hätte. Ich hoffe, dass es ihm eines Tages gelingen wird. Verdient hätte er ihn auf alle Fälle.“

Djokovic erwies sich trotz der großen Enttäuschung als fairer Verlierer. Nachdem er ankündigte, es in den nächsten Jahren wieder versuchen zu wollen und alles dafür geben werde, endlich einmal in Roland Garros zu triumphieren, erntete er minutenlange Standing Ovations und eine Gänsehaut-Stimmung, bei der er vor Rührung die Tränen nicht mehr zurückhalten konnte.

Es war eben ein Finale, von dem wir in Jahrzehnten noch sprechen und schreiben werden. Nicht nur wegen der Hose.

Christian Frühwald

„Danach war ich einfach nur ruhig und entspannt. Es war ein ganz eigenartiges Gefühl, das nur schwer zu beschreiben ist. Ich hatte eine Menge Emotionen in mir. Ich empfand auch sehr viel Stolz.“

Stolz darf die zukünftige Nummer vier der Welt auf seine Karriere mittlerweile auf jeden Fall sein. Der jahrelang im großen Schatten von Landsmann Roger Federer gestandene Rechtshänder hat mittlerweile fast alles gewonnen, was es im Tennis zu gewinnen gibt.

„Hätte so eine Karriere nie erwartet“

„Es fühlt sich befremdlich an, wenn ich daran denke, dass ich schon eine Olympische Goldmedaille (Peking 2008 im Doppel mit Federer), einen Davis Cup und zwei Grand-Slam-Turniere gewonnen habe. Das ist eigentlich unglaublich. Ich hätte nie erwartet, so viel in meiner Karriere zu erreichen und einmal so stark zu werden“, sagte der auf einem Bauernhof im Kanton Waadt Aufgewachsene.

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