"Rekorde sprechen für sich"

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Nadal: "Novak wird auch einmal hier gewinnen"

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„Für mich ist es einfach unvergleichlich, hier in Roland Garros zu spielen. Das wird für immer mein Lieblingsturnier bleiben“, strahlte Rafael Nadal am Sonntagabend nach dem Finale bei den French Open.

Der 28-jährige Spanier hatte allen Grund zur guten Laune. Mit seinem neunten Triumph in Paris schrieb er gerade Tennis-Geschichte. Noch nie zuvor gewann ein Spieler so oft dasselbe Grand-Slam-Turnier.

Dabei schien es noch vor zwei Wochen so, als ob sich die die Ära Nadal einem Ende zuneigen würde.

Toni Nadal: "Wir sind überglücklich"

„Heuer sind wir mit sehr vielen Niederlagen auf Sand nach Roland Garros gekommen“, gestand Trainer und Onkel Toni Nadal nach dem historischen Erfolg seines Schützlings.

„Wir haben in Monte Carlo, Barcelona und Rom verloren und in Madrid hat Kei Nishikori im Finale aufgeben müssen. Das Selbstvertrauen hat also sicher nicht gepasst. Deshalb sind wir überglücklich über diesen Sieg.“

Dabei hatte es zu Beginn der Partie wirklich so ausgesehen, als ob Novak Djokovic im Endspiel das richtige Rezept gegen seinen langjährigen Rivalen erwischt hätte.

Starker Beginn von Djokovic

„Djokovic hat im ersten Satz sehr gut gespielt. Rafael hat nicht schlecht gespielt, hat aber ein paar Fehler gemacht und die darf man sich gegen einen stark spielenden Novak nicht erlauben“, kamen Onkel Toni schon einzige Zweifel am fünften Sieg in Folge in Roland Garros.

Ein Kunststück, das zuvor ebenfalls noch keinem Spieler zuvor in der Geschichte des Turniers gelang.

„Die Partie hat sich am Ende des zweiten Satzes gedreht, weil Djokovic ein bisschen nachgelassen hat. Wir haben es alle gefühlt und Rafael hat das ausgenützt“, lobte der Coach die Hartnäckigkeit seines Schützlings.

Djokovic-Coach stimmt zu

Sein Gegenüber Marian Vajda, Chef-Coach von Djokovic, sah es ähnlich: „Es war ein eigenartiges Match. Die Enttäuschung ist groß, man muss aber zugeben, dass Rafa heute einfach der bessere Spieler war.“

„Novak hat gut begonnen und einen wirklich guten ersten Satz gespielt. Er konnte das Level aber nicht halten und Rafa ist immer besser geworden. Wenn du gegen Rafa nur ein bisschen nachlässt, hast du schon keine Chance“, erklärte der Serbe.

Krämpfe bei Nadal

Am Ende der Partie wurden im Team Nadal allerdings böse Erinnerungen an das Endspiel bei den Australian Open gegen Stan Wawrinka wach, als der Spanier körperlich angeschlagen unterlag.

Djokovic verpasst den Grand Slam

Die Zuschauer spendeten Djokovic bei der Siegerehrung mit minutelangen Standing Ovations Trost.

„Nach der Partie haben mir die Fans viel Anerkennung gezollt. Das gibt mir viel Kraft und motiviert mich, wieder zurückzukommen und es bis zum Ende meiner Karriere zu probieren, hier auch einmal den Titel zu holen“, gibt sich der sechsfache Grand-Slam-Sieger kämpferisch.

Nadal spricht Djokovic Mut zu

Auch Sieger Nadal sprach seinem Kontrahenten Mut zu: „Es tut mir wirklich sehr leid für ihn. Er hätte es verdient, auch einmal hier zu gewinnen. Ich bin mir sicher, dass ihm das einmal gelingen wird.“

Und der „Stier aus Manacor“ muss es ja schließlich wissen: Seit seinem Paris-Debüt im Jahr 2005 musste er sich in 67 Partien in Roland Garros nur einmal geschlagen geben, als er 2009 im Achtelfinale dem Schweden Robin Söderling unterlag.

„Diese Rekorde sprechen für sich“, meinte Djokovic auf die unglaubliche Bilanz des Spaniers angesprochen. „Er hat das Turnier neun Mal gewonnen. Es ist einfach nur beeindruckend, was er auf dem Platz abliefert. Er hat erst ein einziges Mal hier verloren. Es ist verdammt schwierig, ihn in Paris zu schlagen.“

"Solche Partien holen das Beste aus uns heraus"

Sechs Mal musste sich der Serbe in Roland Garros bereits dem Sandplatz-König geschlagen geben.

„Solche Partien holen das Beste aus uns Spielern heraus. Ich habe mein Bestes gegeben. Mein Bestes heute war aber nicht so gut, wie mein Bestes in Rom vor ein paar Wochen. In einem Grand-Slam-Finale hat man große Erwartungen."

"Ich bin ein emotionaler Spieler und ich gehe auf den Platz, um zu kämpfen und Emotionen zu zeigen. Diesmal hat es leider nicht geklappt.“

Christian Frühwald

 „Am Ende des vierten Satzes hatte Rafa Krämpfe. Wir haben ihn deshalb extrem angefeuert, weil wir wussten, dass Novak körperlich stärker drauf war und einen fünften Satz wohl gewonnen hätte. Nach der Partie hat er mir gleich gesagt, dass er unbedingt einen Arzt braucht, weil er so extrem ausgelaugt war.“

Mit diesem Wissen im Hinterkopf bekommt der umstrittene Matchball allerdings einen noch bittereren Nachgeschmack.

Bei 4:5, 30:40 und Aufschlag Djokovic kam es nach dem misslungenen ersten Aufschlag des Serben zu einem Zwischenruf aus dem Publikum. Djokovic unterbrach den Aufwurf und schlug in Folge auch seinen zweiten Aufschlag ins Aus.

Djokovic als fairer Verlierer

Trotz des unwürdigen Endes gab sich Djokovic aber als gewohnt fairer Verlierer: „Wenn ich gegen Rafa spiele, ist es immer sehr emotional und das überträgt sich natürlich auch auf die Zuschauer. Auf dem Platz herrscht dann einfach eine extreme Anspannung. Ich kann mich jetzt nicht auf das Publikum ausreden. Das gehört zum Sport dazu.“

Dabei stand für den Weltranglisten-Zweiten einiges auf dem Spiel: Djokovic hätte mit dem Sieg als erst achter Spieler der Tennis-Geschichte den Grand Slam, also den Sieg bei allen vier Major-Turnieren, komplettieren können.

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