French Open: Lob für Thiem - "Tamira is back"

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Aus. Schluss. Vorbei.

Für Österreichs Tennis-Stars ist der Einzelbewerb bei den French Open Geschichte.

In Runde zwei war für die verbliebenen ÖTV-Asse Schluss. Zum Teil, weil sie nicht ihr volles Potenzial abrufen konnten. Vor allen Dingen aber, weil ihnen häufig schier übermächtige Gegner gegenüber standen.

Die heiße Phase geht somit ohne rot-weiß-rote Beteiligung über die Bühne, nichtsdestotrotz kann ein durchaus positives Fazit gezogen werden.

Wenngleich es ein schwacher Trost ist: Auch zahlreiche Topstars müssen die zweite Woche in Roland Garros notgedrungen vor dem Fernseher verbringen. Bei den Damen ereignete sich sogar Historisches in den ersten beiden Runden.

Die French Open 2014 – was bisher geschah:

Haider-Maurer mühte sich durch die Quali und rang den Deutschen Brands nieder

HERREN – NATIONAL

Drei Mann im Hauptbewerb – und alle drei schafften den Sprung in die zweite Runde. Andreas Haider-Maurer kämpfte Daniel Brands zum Auftakt nieder, obwohl er „saudeppert“ den ersten und „noch depperter“ den zweiten Durchgang verlor. Gegen Ivo Karlovic war jedoch kein Kraut gewachsen. „Ich war bei seinen Aufschlägen chancenlos“, gestand der 27-Jährige.

Auch Jürgen Melzer, der in seinem ersten Spiel David Goffin in vier Sätzen eliminierte, musste die Übermacht seines Gegners im zweiten Match anerkennen. „Es hat sich relativ früh herausgestellt, dass er ein bisschen mehr Power hat als ich“, befand der Routinier nach seiner klaren Dreisatz-Niederlage gegen Jo-Wilfried Tsonga. Positiv hervorgetan hat sich einmal mehr Dominic Thiem. Der 20-Jährige blieb gegen Lokalmatador Paul-Henri Mathieu cool und fertigte den Wildcard-Spieler in drei Sätzen ab. Im Duell mit Rafael Nadal, dem wohl besten Sandplatzspieler aller Zeiten, zog er erwartungsgemäß den Kürzeren.

Trotz einer Dreisatz-Pleite vor 15.000 Zuschauern auf dem Court Philipp Chatrier wusste der Niederösterreicher zu überzeugen. „Er ist ein zukünftiger Star der Szene“, streute ihm der Titelverteidiger Blumen. Und auch Legende Mats Wilander fand lobende Worte für den ÖTV-Jungstar. „Er hat Qualitäten wie die besten Spieler, einen guten Aufschlag und bewegt sich gut. Thiem hat großes Potenzial“, bescheinigt der French-Open-Sieger von 1982, 1985 und 1988 dem aktuell besten U21-Spieler der Welt eine rosige Zukunft.

Bye, bye: Wawrinka scheiterte in Runde 1

HERREN – INTERNATIONAL

Völlig überraschend kam bereits in Runde eins das Aus für Stan Wawrinka. Der Schweizer, bei den Australian Open noch der strahlende Sieger, wirkte gegen Guillermo Garcia-Lopez lust- und ideenlos und schied in vier Sätzen (0:6 im vierten) aus. „Ich versuchte mein Spiel zu finden, aber ich fand es nicht“, stand ihm die Ratlosigkeit in sein Gesicht geschrieben.

Landsmann Roger Federer gab sich dagegen ebenso wie die Herren Rafael Nadal (der Spanier könnte mit einem neunten Sieg einen neuen Allzeit-Rekord aufstellen), Andy Murray, David Ferrer und Novak Djokovic keine Blöße. Letzterer gewann viele Sympathien, als er mit einem Balljungen während einer Regenpause flachste. Für Aufsehen sorgte zudem Marinko Matosevic mit einem außergewöhnlichen Jubel. Ansonsten läuft im Herren-Lager vieles wie erwartet.

Die Adduktoren machten Paszek gegen Cibulkova einen Strich durch die Rechnung

DAMEN – NATIONAL

Patricia Mayr-Achleitner, Yvonne Meusburger und Tamira Paszek bildeten das ÖTV-Dreimäderlhaus im Damen-Einzel. Erstere musste nach einer glatten Zweisatz-Niederlage gegen Flavia Pennetta frühzeitig die Segel streichen und verabschiedete sich mit einem verbalen Paukenschlag. Zunächst haderte sie mit ihrer Auslosung („Ich hatte wieder mal eine schwere“), ehe sie den Teamspirit der ÖTV-Ladies anprangerte. „Es gibt keine Stimmung, es gibt nichts zu besprechen.“

Meusburger, als Weltranglisten-38. Nummer eins des Landes, tat sich gegen die mit einer Wildcard ausgestattete Amandine Hesse schwer, bewies aber großen Kampfgeist und setzte sich in drei Sätzen durch. Gegen Sam Stosur war jedoch Schluss mit lustig. Die Vorarlbergerin hatte kein „Leiberl“ und zog klar in zwei Sätzen den Kürzeren gegen die ehemalige US-Open-Siegerin. „Ich bin schon enttäuscht“, erklärte „Meuse“. „Es fehlt die Entschlossenheit noch ein bisschen.“

Diese scheint bei Paszek zurückgekehrt zu sein. Über die Qualifikation erarbeitete sich die 23-Jährige ihr Ticket für das Konzert der Großen und feierte dort prompt einen Sieg über Alison Van Uytvanck. „Die Quali war das Beste, was mir passieren konnte. Einige Spiele auf Sand zu haben, bevor es losgeht. Das erste Spiel seit sieben Jahren hier zu gewinnen, war ein wunderbares Gefühl“, strahlte „Mimi“ über das ganze Gesicht. Eine Adduktorenverletzung im Duell mit Dominika Cibulkova verhinderte, dass ihr Erfolgslauf eine Fortsetzung fand, gegen die Australian-Open-Finalistin war in zwei Sätzen Schluss. „Ich bin am Beginn meiner zweiten Karriere“, zog sie dennoch zufrieden Bilanz und fügte an: „Tamira is back!“

Williams ging gegen Muguruza in die Knie

DAMEN – INTERNATIONAL

Historisch verliefen die ersten Tage aus internationaler Sicht. Historisch schlecht, um genau zu sein. Mit Topfavoritin und Titelverteidigerin Serena Williams (Aus in Runde 2) und Melbourne-Triumphatorin Li Na (Runde 1) mussten erstmals in der Open Era die beiden topgesetzten Ladies schon nach zwei Runden die Heimreise antreten. Das Feld erscheint ausgeglichener denn je, zumal sich niemand im Vorfeld so wirklich aufdrängte, um in die Rolle der Titelanwärterin Nummer eins zu schlüpfen.

Am ehesten scheint noch Maria Sharapova, auf der roten Asche von Paris vor zwei Jahren nicht zu bezwingen, dem auf ihr lastenden Druck standhalten zu können. Einen guten Eindruck hinterließen in den letzten Wochen auch Simona Halep und Ana Ivanovic. „Ich verspüre etwas Druck, aber ich will einfach fokussiert bleiben in jedem Match“, erklärte Halep unlängst, während Sharapova cool zum Besten gab: „Du musst einfach deinen Weg durchziehen und dich auf deinen Job konzentrieren.“


Christoph Nister

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