Eine neue Justine Henin ist nicht in Sicht

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Seit dem Rücktritt von Justine Henin sucht die WTA-Tour ein Äquivalent für Rafael Nadal.

Während bei den Herren in den letzten Jahren das spanische Muskelpaket klar den Ton auf der roten Asche angab und sich zum allseits respektierten Sand-König krönte, konnte bei den Damen keine Spielerin dauerhaft Akzente setzen.

Seit Henins vierten und letzten Paris-Sieg 2007 gab es mit Ana Ivanovic, Svetlana Kuznetsova, Francesca Schiavone und der Chinesin Li Na vier verschiedene Gewinnerinnen.

Die Stars mögen keine Sandplätze

LAOLA1 hat sich die Sandbilanzen der aktuellen Top-Stars näher angesehen und bei einem Blick auf diese, verwundert die hohe Fluktuation kaum.

So erfolgreich die derzeitigen Spitzen-Spielerinnen in der Vergangenheit nämlich auch agierten: Auf Sand kam häufig selbiger ins Getriebe.

Serena Williams als Titel-Favoritin

Da spricht es Bände, wenn in diesem Jahr ausgerechnet Serena Williams als Titel-Favoritin nach Roland Garros kommt.

Die 30-jährige US-Amerikanerin erwies sich trotz ihrer bekannten Abneigung gegenüber Sandplätzen als bislang souveränste Spielerin und ist nach ihren Turniersiegen in Charleston und Madrid sowie ihrer vorzeitigen Aufgabe in Rom noch ohne Niederlage.

Ein Wörtchen bei der Titelvergabe mitreden, werden aber auch die Weltranglisten-Erste Victoria Azarenka und die immer stärker werdende Maria Sharapova.

Wen man sonst noch auf der Rechnung haben sollte, findet ihr in den folgenden Absätzen. 

Serena Williams

Eigentlich sind die French Open nicht gerade das Lieblings-Turnier von Serena Williams. Nur einen einziger ihrer insgesamt 13 Grand-Slam-Titel fuhr die 30-jährige US-Amerikanerin auf der roten Asche von Roland Garros ein. Selten zuvor lieferte die jüngere der beiden Williams-Schwester aber so eine beeindruckende Sandplatz-Vorbereitung ab wie heuer. In Charleston feierte sie ihren ersten Turniersieg auf Sand seit vier Jahren. Danach ließ Serena neben zwei souveränen Fed-Cup-Erfolgen den Madrid-Titel folgen. In der spanischen Hauptstadt schlug sie unter anderem Azarenka, Sharapova und Wozniacki. In dieser Form wird Serena Williams in Paris nur ganz schwer zu biegen sein. Ein Fragezeichen steht allerdings hinter ihrer vorzeitigen Aufgabe in Rom, wo sie wegen einer Rückenverletzung nicht zu ihrem Halbfinal-Match gegen Li Na antrat. 

Maria Sharapova

Sand scheint für Maria Sharapova heuer ein guter Boden zu sein. Nachdem sie sich zuvor bei den Australian Open und in Folge auch in Indian Wells und Miami jeweils im Finale geschlagen geben musste, klappte es auf Sand in Stuttgart gleich auf Anhieb mit dem ersten Turniersieg in dieser Saison. Nach der klaren Viertelfinal-Niederlage in Madrid gegen Serena Williams ließ sie die erfolgreiche Titelverteidigung in Rom folgen.  Ein French-Open-Triumph würde der 25-jährigen Russin extrem viel bedeuten. Schließlich ist es der letzte Grand-Slam-Titel, der ihr noch in ihrer Trophäen-Sammlung fehlt. Im Vorjahr scheiterte sie im Halbfinale an der späteren Siegerin Na Li, die sie erst vor ein paar Tagen im Endspiel von Rom in die Knie zwang. Die Zeichen stehen also gut für Sharapova, die ihre langwierige Schulterverletzung endlich komplett ausgeheilt zu haben scheint und nach den Final-Einzügen in Wimbledon und Melbourne überreif für einen Major-Titel wäre.

Jahr French Open Bilanz Sand WTA-Titel Sand
2012 27:2 17:0 2 2
2011 - 22:3 0:0 2 0
2010 Viertelfinale 25:4 8:3 2 0
2009 Viertelfinale 50:12 4:4 3 0
2008
  1. Runde
44:8 11:3 4 1
2007 Viertelfinale 35:10 6:3 2 0
2006 - 12:4 0:0 0 0
2005 - 21:7 2:2 1 0
2004 Viertelfinale 39:9 10:3 2 0
2003 Halbfinale 38:3 12:3 4 0
2002 Sieg 56:5 18:3 8 2
2001 Viertelfinale 38:7 4:1 3 0
2000 - 37:8 0:1 3 0
1999
  1. Runde
41:7 6:3 5 0

Victoria Azarenka

Immer noch sehr stark, aber nicht mehr so dominant wie zu Saisonbeginn – Victoria Azarenka kann mit der bisherigen Sandplatz-Saison nicht hundertprozentig zufrieden sein. Von einer Nummer eins erwartet man sich einfach mehr als zwei Final-Teilnahmen. In Stuttgart verlor die 22-jährige Weißrussin die Revanche für das Australian-Open-Endspiel gegen Maria Sharapova überraschend klar. Danach setzte es in Madrid eine ebenso deutliche Schlappe gegen Serena Williams. In Rom zog sie nach der ersten Runde wegen einer Schultverletzung vorzeitig heraus. Auf Sand fühlt sich Azarenka einfach nicht so wohl. Nur einen einzigen ihrer zwölf Turniersiege konnte sie auf diesem Belag einfahren (Marbella 2011).

Jahr French Open Bilanz Sand WTA-Titel Sand
2012 29:5 11:1 2 2
2011 Halbfinale 43:14 12:2 2 1
2010
  1. Runde
33:11 7:2 2 1
2009 Viertelfinale 31:9 6:2 1 0
2008 Achtelfinale 32:4 6:1 3 0
2007 Halbfinale 40:11 7:2 1 0
2006 Achtelfinale 59:9 3:1 5 0
2005 Viertelfinale 53:12 9:3 3 0
2004 Viertelfinale 55:15 8:3 5 0
2003
  1. Runde
38:13 10:2 2 0

Agnieszka Radwanska

Sollte ihr Victoria Azarenka im Turnier-Raster der French Open erspart bleiben, stehen die Chancen von Agnieszka Radwanska auf ihren ersten Grand-Slam-Titel ganz ausgezeichnet. Bis auf eine ihrer insgesamt sieben Saison-Niederlagen kassierte die 23-jährige Polin nämlich alle gegen die Weltranglisten-Erste aus Weißrussland. Dadurch durfte sie sich in Dubai und Miami immerhin über zwei Turniersiege freuen. Doch während sie ansonsten beeindruckendes Tennis zeigt, spielt gegen ihre neue Angstgegnerin einfach der Kopf nicht mit.  Zudem scheint sich Radwanska gegen Azarenka immer mehr zu verkrampfen: Nur in den ersten beiden Saison-Duellen reichte es immerhin zu einem Satzgewinn gegen die Nummer eins.

Jahr French Open Bilanz Sand WTA-Titel Sand
2012 34:3 9:2 4 0
2011 Viertelfinale 55:17 16:4 3 1
2010
  1. Runde
42:20 4:6 2 0
2009 Viertelfinale 45:15 10:5 3 0
2008 Achtelfinale 40:20 17:7 0 0
2007
  1. Runde
34:18 7:4 0 0
2006
  1. Runde
29:16 10:5 0 0

Li Na

Im Vorjahr schrieb Li Na in Roland Garros Geschichte. Als erste Chinesin der Tennis-Geschichte gewann die 30-Jährige aus Wuhan ein Grand-Slam-Turnier. Seit ihrem vorläufigen Karriere-Höhepunkt scheint aber etwas die Luft raus zu sein. Turniersieg konnte Na Li seitdem keinen mehr einfahren. Kurz vor der Rückkehr an die Stätte ihres größten Erfolges kommt Li Na allerdings wieder in Form. In Stuttgart und Madrid war zwar noch jeweils im Viertelfinale Endstation, in Rom scheiterte die Chinesin erst im Endspiel an Maria Sharapova - hauchdünn im Tiebreak des dritten Satzes!

Jahr French Open Bilanz Sand WTA-Titel Sand
2012 36:7 10:3 3 1
2011 Achtelfinale 46:18 7:4 3 0
2010
  1. Runde
33:19 4:4 0 0
2009 Achtelfinale 44:23 8:4 0 0
2008 Achtelfinale 54:20 14:5 3 1
2007
  1. Runde
39:23 10:5 1 0

Caroline Wozniacki

Erstmals seit den US Open 2010 geht Caroline Wozniacki heuer bei den French Open nicht mehr als amtierende Nummer eins in ein Grand-Slam-Turnier. Vielleicht tut sich die 21-jährige Dänin nun ein bisschen leichter auf der Jagd nach ihrem ersten großen Titel. Die Erwartungen sind jedenfalls nicht nur wegen des neuen Rankings gering: 3:3 lautet die bislang mehr als magere Sandplatz-Bilanz in dieser Saison. In Rom musste sie krankheitsbedingt in der ersten Runde gegen Anabel Medina Garrigues aufgeben. Zudem verlief es schon in der Vergangenheit nicht unbedingt nach Wunsch in Paris: 2010 erreichte sie mit ihrem Einzug ins Viertelfinale das bislang beste Ergebnis.

Jahr French Open Bilanz Sand WTA-Titel Sand
2012 21:8 8:3 0 0
2011 Sieg 32:17 14:3 2 1
2010
  1. Runde
36:20 10:4 1 0
2009 Achtelfinale 35:16 5:4 0 0
2008 - 29:15 0:0 1 0
2007
  1. Runde
23:13 7:5 0 0
2006
  1. Runde
43:21 12:4 0 0

Petra Kvitova

Die amtierende Wimbledon-Siegerin gilt nicht gerade als Sandplatz-Spezialistin. Im Vorjahr fuhr sie in Madrid immerhin ihren ersten Turniersieg auf roter Asche ein. In der bisherigen Saison war die Tschechin davon weit entfernt. In Madrid scheiterte sie heuer schon in Runde zwei an ihrer Landsfrau und Qualifikantin Lucie Hradecka. Zuvor war in Stuttgart gegen Sharapova im Halbfinale Endstation. Auch in Rom lief es bei der Generalprobe nicht besser: Im Viertelfinale musste sie sich der Deutschen Angelique Kerber geschlagen geben. Roland Garros sollte ihr aufgrund der schnelleren Bedingungen zwar mehr entgegenkommen, zum engsten Favoritenkreis zählt die zweifache Paris-Achtelfinalistin deshalb aber noch lange nicht.

Jahr French Open Bilanz Sand WTA-Titel Sand
2012 20:10 3:3 0 0
2011
  1. Runde
63:17 17:5 6 2
2010 Viertelfinale 62:17 15:6 6 1
2009
  1. Runde
67:24 23:6 3 1
2008
  1. Runde
58:20 7:5 2 0
2007
  1. Runde
31:17 7:6 0 0

Samantha Stosur

Unverhofft kommt oft! Eigentlich haben die Tennis-Experten Samantha Stosur vor allem bei den French Open einen Grand-Slam-Titel zugetraut. Dank ihrer starken Fitness und hohen Beweglichkeit ist die 28-jährige Australierin für das Spiel auf roter Asche prädestiniert. 2009 verlor sie im Halbfinale, 2010 scheiterte sie erst im Endspiel an Francesca Schiavone. Nach dem überraschenden Drittrunden-Aus im Vorjahr gegen Gisela Dulko schien es so, als ob sich der Traum vom Major-Sieg nicht mehr für Stosur erfüllen würde. In dieser Phase des Zweifels stürmte sie im Spätsommer 2011 zu ihrem Sensation-Sieg bei den US Open. Es gibt keinen Grund, warum sie in einer derartigen Manier nicht auch in Roland Garros überraschen sollte. Auch wenn die Vorbereitungs-Turniere nicht optimal verliefen.

Jahr French Open Bilanz Sand WTA-Titel Sand
2012 17:7 5:3 0 0
2011 Achtelfinale 60:13 13:2 6 1
2010
  1. Runde
25:24 3:5 0 0
2009 - 23:21 3:5 1 0
2008 Achtelfinale 37:21 8:5 0 0

Christian Frühwald

Jahr French Open Bilanz Sand WTA-Titel Sand
2012 22:11 8:3 0 0
2011
  1. Runde
45:23 12:5 1 0
2010 Finale 47:19 20:3 1 1
2009 Halbfinale 38:20 6:4 1 0
2008
  1. Runde
27:16 7:4 0 0
2007
  1. Runde
17:18 6:7 0 0
2006
  1. Runde
33:26 6:5 0 0
2005
  1. Runde
23:25 3:5 0 0
2004
  1. Runde
41:28 9:6 0 0
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