Bakers Comeback-Märchen

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Ein fabelhafter "Baker-Boy" sorgt für Furore

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Ein Tennis-Märchen der besonderen Art geht in dieser Woche in Nizza über die Bühne.

US-Qualifikant Brian Baker sorgte am Mittwoch Abend im Achtelfinale mit seinem 6:3, 7:6 (9)-Erfolg über den französischen Star Gael Monfils für eine Sensation.

Außenseiter-Siege sind freilich nichts Ungewöhnliches, doch wer die Lebensgeschichte der aktuellen Nummer 216 der Welt kennt, weiß, dass dieser Sieg auch auf der ATP-Tour etwas ganz Besonderes war.

Erstes ATP-Turnier seit sieben Jahren

Baker bestreitet an der Côte d'Azur nämlich sein erstes ATP-Turnier seit fast sieben Jahren und prompt schafft es das ehemalige Ausnahme-Talent erstmals unter die letzten Vier.

Mit dem Erfolg über Monfils war sein Siegeszug nämlich nicht beendet. 24 Stunden später bewies Baker gegen den Kasachen Mikhail Kukushkin Nervenstärke. Nach 4:6-Verlust des ersten Satzes gewann er die folgenden mit 6:3 und 7:6(4).

Seinen letzten Auftritt auf der großen Tennis-Bühne hatte Baker bei den US Open 2005.

Überraschungs-Erfolg gegen Gaston Gaudio

Damals nährte er die Hoffnungen der amerikanischen Tennis-Fans bald wieder einen echten Superstar in ihren Reihen zu haben.

Als 20-jähriger Nobody eliminierte er in der ersten Runde den Weltranglisten-Neunten und ehemaligen French-Open-Sieger Gaston Gaudio.

Schon davor machte sich der 1,90 Meter große Rechtshänder aus Tennessee auf der Junioren-Tour einen Namen, als er mit den späteren Top-Ten-Spielern Marcos Baghdatis, Jo-Wilfried Tsonga oder Stanislas Wawrinka um Titel rang.

Körper machte Baker Strich durch die Rechnung

Baker war jedoch kein derartiges Schicksal vergönnt. Während seine damaligen Konkurrenten den Durchbruch schafften und sich in der Weltklasse etablierten, machte ihm sein eigener Körper einen gewaltigen Strich durch die Rechnung.

Komplizierte Operationen an der linken (zwei Mal) und rechten Hüfte, der Leiste und am Ellbogen setzten ihn unglaubliche sechs Jahre außer Gefecht.

Erst im Sommer des vergangenen Jahres feierte er mit einem Future-Turniersieg in Savannah nach seiner rekordverdächtigen Pechsträhne ein bemerkenswertes Comeback.

"Warum ich?"

„Ich habe gelernt, dass es nichts bringt, gegen etwas anzukämpfen, was man sowieso nicht ändern kann“, erklärte Baker vor wenigen Wochen in einem ESPN-Interview.

„Es hat natürlich Momente gegeben, wo ich mich gefragt habe: ‚Warum ich?‘ Aber man muss einfach weiter machen und auf bessere Zeiten hoffen.“

Wild Card für die French Open

Diese besseren Zeiten scheinen mittlerweile begonnen zu haben. In den letzten Monaten spielte sich der Unglücksrabe wieder nach oben. Dank der Erfolge in Nizza wird er sich nächsten Montag bereits unter die Top 200 schieben.

Als Lohn für seine Mühen bekam Baker schon vor einigen Wochen vom amerikanischen Tennis-Verband USTA eine Wild Card für die am Sonntag beginnenden French Open zugeteilt.

"Bin unglaublich aufgeregt"

„Ich bin unglaublich aufgeregt, dass ich wieder in Paris spielen kann“, fiebert Baker seinem ersten Grand-Slam-Match seit fast sieben Jahren entgegen.

„Damals habe ich dort gute Resultate erzielt. Wobei diese Turniere ja schon antike Geschichte sind“, scherzt der 27-Jährige, der die French Open aber trotzdem mit dem nötigen Ernst bestreiten will.

"Will mich nicht unter Druck setzen"

"Ich werde nicht damit zufrieden sein, endlich wieder dabei sein zu düfen. Wenn man nicht daran glaubt, auch gewinnen zu können, soll man gar nicht erst auf den Platz kommen."

"Ich werde mich aber auch nicht unter Druck setzen und einen Zweit- oder sogar Drittrunden-Einzug von mir erwarten. Ich will nur da rausgehen, mein Spiel spielen und alles geben."

Gelungene Generalprobe

Die Generalprobe in Nizza ist Baker jedenfalls gelungen: Schon vor dem Sensationssieg gegen Monfils wusste er mit drei Erfolgen in der Qualifiktion und dem harterkämpften 6:7 (2), 6:4, 7:5 über den Ukrainer Sergiy Stakhovsky zu überzeugen.

Besonders bei seinen Service-Games legte Baker eine beeindruckende Souveränität an den Tag. Gegen Monfils machte er 75 Prozent der Punkte beim ersten Aufschlag.

"Ich bin sehr, sehr aufgeregt"

"Ich bin sehr, sehr aufgeregt", kann Baker seinen Erfolgslauf selbst noch kaum begreifen. "Ich komme hier her und schlage einen Typen, der unheimlich gut Tennis spielt - vor allem auf Sand. Das ist einfach unglaublich."

"Ich weiß natürlich, dass ich solche Leute nicht nach einer langen Rallye von hinter der Grundlinie schlagen kann. Ich muss in den Platz gehen, aggressiv spielen, viele Stops und meinen Kick-Aufschlag einsetzen."

Wenn ihm dies auch weiterhin so gelingt, wird der Name Brian Baker mit jahrelanger Verspätung wohl doch noch den damals hohen Erwartungen gerecht werden.

 Kein „Was, wäre, wenn“-Spielchen

Einem „Was, wäre, wenn“-Spielchen will Baker aber trotz dieses beeindruckenden Comebacks nicht nachhängen. „Nicht jeder gute Junioren-Spieler wird zwangsläufig ein Profi."

"Durch meine Verletzungen hatte ich halt nie die Chance, zu sehen, was ich alles schaffen hätte können. Ich habe viele Jahre verloren, ich versuche aber, nicht zurückzuschauen.“

Grund dazu hat Baker derzeit zum Glück sowieso nicht. Schließlich sieht die Zukunft endlich wieder positiv aus.

Christian Frühwald

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