"Frischer Wind" in Wien

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"Flamme, auf der wir kochen, ist kleiner geworden"

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Zum vierten Mal ist Veranstalter Herwig Straka in der Turnierleitung, zum dritten Mal als alleiniger Boss des Erste Bank Open in der Wiener Stadthalle für Österreichs größtes Tennisturnier verantwortlich.

Im Gespräch mit der APA erläuterte der Steirer u.a. seine Gedanken zur Finanzkrise, der Turnierpolitik sowie einem neuen Entertainment-Konzept.

Frage: Sie sind jetzt schon einige Zeit als Turnierveranstalter tätig. Wird es immer schwieriger ein Turnier wie jenes in Wien zu vermarkten?

Herwig Straka: "Wir haben eine kontinuierlich positive Entwicklung, aber halt auf einem flacheren Niveau als vor vielen Jahren, als es noch leichter war mit den Sponsoren. Aber der Weg zeigt nach oben. Wir haben mit den beiden Hauptsponsoren Erste Bank und Wiener Städtische längerfristige Verträge bis 2014 abgeschlossen, das ist ein gutes Zeichen für das Turnier. Und wir haben auch neue Sponsoren dazugewonnen."

Frage: Neu ist auch der Termin in der Woche vor dem Nationalfeiertag.

Straka: "Ja, wir sind eine Woche früher, unmittelbar nach dem 'asian swing' nach Shanghai. Wir hätten jetzt viele Anfragen für Wildcards von Top-20-Spielern gehabt, das wird sich auch in der Zukunft wiederholen. Da müssen wir künftig wahrscheinlich ein bisschen kurzfristiger planen. Aber wir haben ein gutes Feld mit zwei Top-Ten-Spielern, noch dazu zwei, die wirklich darum kämpfen müssen, noch ins Finale in London (ATP-World-Tour-Finale der besten acht, Anm.) zu kommen. Das ist genau unser Kalkül."

Frage: Was sagen Sie zu den drei Österreichern Melzer, Haider-Maurer und Thiem im Hauptbewerb?

Straka: "Jürgen hat immer das Potenzial, dass er gewinnt, es muss ihm halt der berühmte Knopf aufgehen. Andi spielt sehr gut in den letzten Wochen, deshalb haben wir ihm auch zeitig die Wildcard gegeben. Ich erwarte mir da schon einiges, er hat auch eine Okay-Auslosung. Dominic hatte in den letzten Wochen aufsteigende Form, hat ein Viertelfinale aus der Quali in einem großen Challenger in Frankreich erreicht. Er kann unbekümmert spielen und entwickelt sich auch körperlich in die richtige Richtung. Voriges Jahr hat er mit Thomas Muster eine sehr emotionale erste Runde gehabt, vielleicht schafft er auch heuer die zweite Runde."

Frage: Die dreijährige Kooperation mit Jürgen Melzer läuft heuer aus. Werden Sie versuchen, ihn auch künftig ans Heimturnier zu binden?

Straka: "Ich gehe davon aus, dass wir beide höchstes Interesse haben, weiter zusammenzuarbeiten. Da mache ich mir wenig Sorgen, wir haben immer eine faire Zusammenarbeit gehabt."

Frage: Wie viele Zuschauer erwarten Sie dieses Jahr?

Straka: "Der Kartenverkauf ist gleich gut wie letztes Jahr - bis auf den Dienstag als wir im Vorjahr Thomas Musters Match angekündigt hatten. Wir rechnen wieder in Richtung 50.000 Zuschauer in der Woche."

Frage: Gibt es sonst wieder Neuerungen in der Stadthalle?

Straka: "Wir haben uns sehr viel zusätzlich einfallen lassen. In Sachen Inszenierung wie die Spieler auf den Court kommen, einem Countdown, den Münzwurf mit Videoanimation - es wird viel für den Zuschauer passieren. Außerdem haben wir ein neues Team im Bereich Moderation und DJ. Es ist ein neues Konzept, das uns überzeugt hat und das frischen Wind reinbringen soll. Da erwarte ich mir mehr Atmosphäre und Leben."

Frage: Das heißt, mit dem Turnier geht es aufwärts?

Straka: "Die Flamme, auf der wir kochen, ist halt kleiner geworden. Sie brennt und das ist das Gute dran. Das ist in allen Bereichen so. Nicht nur im Sport und Marketing. Wir alle sind ein bisschen mehr geerdet worden, die ganze Gesellschaft, glaube ich, ist zurück zu den Wurzeln. Das haben wir jetzt gemacht. Deshalb spielt Unterhaltung eine entscheidende Rolle."

Frage: Welche Rolle spielt Tennis-Legende Thomas Muster als Turnier-Botschafter?

Straka: "Das sind viele kleine Nuancen, die dazukommen, wir sind gemeinsam auch viel international unterwegs. Thomas macht gute Stimmung für Wien - Geld ist nicht alles auch bei den Spielern, da setzt er an."

Frage: Was ist eigentlich aus dem geplanten Filmprojekt (für den deutschsprachigen Raum, Anm.) über Musters Karriere geworden?

Straka: "Es gibt viele Projekte in der Pipeline. Die Filmidee ist gut, aber wir müssen die Produktion und Distribution checken. Es bringt nichts, wenn man für sein Ego einen Film hat, der dann nirgends zu sehen ist. Da sind wir noch nicht ganz am grünen Zweig."

Frage: Mit Thomas Vanek managen sie einen anderen österreichischen Sportstar, der es zu einer Weltkarriere gebracht hat. Wird er in die Stadthalle kommen?

Straka: "Das wäre die Idee, die Grazer spielen am Freitag in Wien gegen die Capitals. Es wird aber nicht viel gehen, wenn es irgendwie geht, wird er vielleicht am Freitag vorbeischauen. Thomas würde es sehr gerne tun, weil er ein Riesen-Tennisfan ist. Als Melzer (2010, Anm.) in Paris gespielt hat, habe ich ständig mit ihm gesmst."

Frage: Und gibt es Neues von ihrem weiteren Schützling, Schwimmstar Dinko Jukic?

Straka: "Da gibt es gar keine Neuigkeiten. Sein Anwalt prüft derzeit alles juristisch. Da mische ich mich nicht ein."

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