Karriereende? "Who know(le)s!"

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Knowle: "Ich biete sicher nicht das beste Paket an"

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Fünf Mal ging Julian Knowle in der Wiener Stadthalle an den Start – zum ersehnten Titel reichte es nie.

Auch 2015 wird der Vorarlberger nicht die Sieger-Trophäe in die Höhe stemmen dürfen. Heuer setzte es an der Seite von Daniel Nestor schon im Viertelfinale gegen Fognini/Mirnyi ein vorzeitiges Ende.

Mit 41 Jahren könnte es sein letzter Auftritt bei den Erste Bank Open gewesen sein. Tennismüde sei Knowle zwar noch nicht, hinter der Fortsetzung steht nach einer durchwachsenen Saison jedoch ein Fragezeichen.

"2015 war schon ziemlich frustrierend"

Derzeit steht der ehemalige Weltranglisten-Sechste im ATP-Ranking nur mehr auf Position 56. Als bestes Ergebnis steht ein Final-Einzug in Doha zu Buche. Dies gelang ihm an der Seite von Philipp Oswald – einer von insgesamt acht Doppel-Partnern in dieser Saison. Keine idealen Voraussetzungen, um konstant gute Ergebnisse einzufahren.

„Das war schon ziemlich frustrierend. Da muss man sich genau überlegen, ob man das so Sinn macht. Es ist nicht befriedigend, wenn ich alle paar Wochen Partner wechseln muss und immer nur ein, zwei Runden gewinne. Ich habe nicht das Gefühl, dass ich so auf Dauer erfolgreich sein kann“, erklärt Knowle, der aufgrund seines schlechten Rankings bei den 1000er und 500er Turnieren nicht mehr in den Hauptbewerb reinkommt. „Und auf Challenger habe ich keine Lust mehr.“

"Biete nicht das beste Paket an"

Um 2016 noch einmal durchstarten zu können, wäre also ein Partner mit einem guten Ranking notwendig. Die Suche gestaltet sich allerdings alles andere als einfach: „Ich hatte einige im Visier, aber diese hatten mich nicht im Visier“, beweist der Lauteracher Galgenhumor. „Dadurch ist es schwierig und alles komplett offen.“

Dass er mit seinen 41 Jahren und einem Weltranglisten-Platz um die 50 „nicht das beste Paket anzubieten habe“, dafür sei er realistisch genug.

„Ich hätte auch kein Problem damit gehabt, wenn man mir gesagt hätte, dass das Team verjüngt werden soll und sie auf mich verzichten wollen. Die Art und Weise finde ich aber nicht in Ordnung“, ist er auf den ÖTV derzeit nicht allzu gut zu sprechen.

Vor allem habe ihn ein Anruf im Sommer geärgert, als Alex Peya kurz vor dem Davis Cup in Kitzbühel gegen die Niederlande verletzt absagen musste. Damals wurde Knowle im Familienurlaub am Sonntag kontakiert, ob er nicht am nächsten Tag nach Kitzbühel kommen könne.

„Ich bin sicher nicht der Typ, der in so einer Situation alles sofort liegen und stehen lässt. Schließlich hätte es im Vorfeld einige Sachen gegeben, die man vorher ausräumen hätte müssen. Und da wäre vorher genug Zeit dafür gewesen.“

Pläne nach der Karriere

Dementsprechend spielt der Verband in seinen Gedanken für die Zeit nach der Karriere derzeit keine große Rolle. Knowle wisse zudem noch gar nicht, ob er dem Tennis überhaupt erhalten bleiben wolle. Fest stehe nur, dass der Vater einer Tochter nach dem Leben als Profi das Reisen dramatisch reduzieren wolle.

Er interessiere sich sowohl für die Organisation von Sportevents als auch für mentales Coaching. „ Im Sport habe ich gelernt, mit Drucksituationen und Niederlagen umzugehen. Daraus kann man viel mitnehmen und das ist auch für andere Leute ein Thema.“

Vorerst sei dies aber noch alles Zukunftsmusik. Am Samstag tritt er beim ATP-500-Turnier in Basel in der Qualifikation an der Seite von Colin Fleming an. Danach geht in der Offseason die Partner-Suche weiter.

Ob und wie lange es danach weitergehen wird? Who know(le)s!

Christian Frühwald

Hinsichtlich eines Starts bei den Olympischen Spielen („Rio ist sicher ein Anreiz, auch wenn es derzeit unrealistisch ist“) wären die rein österreichischen Lösungen interessant gewesen.

Mit Philipp Oswald spielte Knowle teilweise auch recht erfolgreich in dieser Saison. „Wir sind aber zu dem Punkt gekommen, dass es für das tägliche Geschäft nicht reicht.“

Peya war der Wunschpartner

Knowles Wunschpartner wäre Alexander Peya gewesen. Der Wiener gab vor zwei Tagen die Trennung von Bruno Soares bekannt, wird aber im kommenden Jahr mit dem Deutschen Philipp Petzschner sein Glück versuchen.

Diese Ankündigung habe auch Knowle überrascht, denn Petzschner liegt in ähnlichen Ranking-Regionen wie der Vorarlberger. Dadurch steht das Duo in den ersten drei Monaten des Jahres extrem unter Druck, wichtige Weltranglistenpunkte zu sammeln, um im Ranking nicht abzurutschen.

„Mit Alex zu spielen, wäre noch einmal eine Riesen-Motivation gewesen. Wenn wir gemeinsam gespielt haben, haben wir meiner Meinung nach immer gut gespielt. Außerdem trainieren wir in Wien in der gleichen Halle“, so Knowle. „Vielleicht lag es auch daran, dass wir beide am liebsten über die Einstandsseite spielen.“

Knowle-Kritik am Verband

Lange Jahre war der rot-weiß-rote Doppel-Pionier auch Bestandteil des österreichischen Davis-Cup-Teams. Seinen letzten Auftritt im ÖTV-Team hatte Knowle vor über zwei Jahren in Groningen gegen die Niederlande.

Als Team-Mitglied in insgesamt 23 Länderkämpfen hätte sich der Vorarlberger auch einen angemessenen Abschied gewünscht. Knowle wurde vom Verband allerdings einfach nicht mehr kontaktiert.

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