Gulbis: "Ihr habt in Österreich viele gute Leute"

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Ernests Gulbis ist die Wundertüte der ATP-Tour.

Seine Gegner wissen nie so recht, was ihnen vor dem Aufeinandertreffen bevorsteht. Von sicheren Siegen bis bitteren Lehrstunden ist gegen den talentierten Letten alles drin.

2015 war der 27-jährige Sohn eines der reichsten Männer seines Landes bei fast jeder Turnier-Auslosung ein gern gesehener Auftaktgegner. Satte 17 Erstrunden-Niederlagen fuhr Gulbis in diesem Kalenderjahr ein.

Sieg über Karlovic

„Ich habe heuer eigentlich nur zwei gute Turniere gespielt: Das war in Montreal (Anm.: Viertelfinale) und nun eben hier“, sagte Gulbis am Freitag in der Wiener Stadthalle.

Kurz zuvor entschärfte er im Viertelfinale der Erste Bank Open den kroatischen Aufschlag-Weltrekordler Ivo Karlovic mit 7:6 (5), 7:6 (4).

Zudem erklärte er die Umstände für seine durchwachsene Saison. Aufgrund einer Schulter-Verletzung kam Gulbis zu Jahresbeginn nur langsam in Schwung. Danach machten ihm Probleme mit dem Handgelenk zu schaffen, wegen der er zuletzt sogar zwei Turniere in Asien absagen musste.

Therapie und Training in Österreich

Gulbis ließ sich in den letzten zwei Wochen in Wien behandeln und trainierte in dieser Zeit bei Günter Bresnik in dessen Tennis-Akademie in der Südstadt.

Vor mittlerweile über drei Jahren hat der extrovertierte Balte beim erfahrenen Niederösterreicher, der früher auch schon mit Boris Becker oder Patrick McEnroe zusammenarbeitete, sein sportliches Zuhause gefunden. Daran konnte auch eine zweimonatige  Auszeit im Frühjahr nichts ändern.

„Günter ist ein starker Charakter und ich kann manchmal auch ein bisschen schwierig sein. Es ist aber nichts vorgefallen, wegen dem wir uns nicht mehr in die Augen schauen könnten. Ich habe mich gefreut, dass ich danach wieder zu ihm zurückkommen konnte. Ich bin davon überzeugt, dass er der beste Technik-Coach ist“, ist Gulbis mit seinem Betreuer mehr als  zufrieden.

Im ATP-Ranking soll es für die aktuelle Nummer 117 der Welt nun bald wieder aufwärts gehen. Schließlich war der French-Open-Halbfinalist von 2014 schon einmal in den Top Ten.

„Wer hat nicht gerne Spaß?“

Mit ein Grund für die seit Jahren währende Achterbahnfahrt im Ranking war wohl auch der bisherige Lebensstil des Millionärs-Sohnes.

Oft wurde ihm vorgeworfen, lieber Party zu machen, als auf dem Trainingsplatz zu schwitzen. Das Image des bunten Hundes pflegte er zudem bei so mancher Pressekonferenz.

In Wien gab er sich bei der Frage, ob für ihn der Spaß im Leben zu sehr im Vordergrund stehe, diesbezüglich etwas geläutert: „Wer hat nicht gerne Spaß? Als ich 18, 19 Jahre alt war, hat mir etwas anderes Spaß gemacht, als jetzt mit 27 Jahren. Ich habe aber immer noch gerne Spaß.“

Viel Lob für junge Östereicher

Harte und konsequente Arbeit gesteht Gulbis dafür vor allem den jungen Österreichern zu. Dominic Thiem und Dennis Novak sind schon seit Jahren Stallkollegen vom Letten, mit Lucas Miedler stieß vor drei Wochen aufgrund der am Mittwoch neu vorgestellten ÖTV-Kooperation ein neues Talent dazu.

Noch ohne vorher ein gemeinsames Training gehabt zu haben, traf Gulbis in der ersten Runde der Erste Bank Open auf den erst 19-jährigen Tullner, der sich zuvor überraschend durch die Qualifikation kämpfte.

Prompt brachte Miedler den großen Favoriten an den Rand einer Niederlage, vergab zwei Breakbälle auf ein 4:2 im dritten Satz und musste sich in diesem schlussendlich knapp geschlagen geben.

"Das wird ein tolles Davis-Cup-Team"

Gulbis prophezeit uns nicht nur aufgrund dieses Matches eine rosige Zukunft: „Ihr habt in Österreich sehr viele gute junge Leute. Wie gut sie einmal wirklich werden, kann ich nicht sagen. Ich mag die Burschen auf jeden Fall. Da wächst ein tolles Davis-Cup-Team für die Zukunft heran.“

Die Gegenwart  sieht freilich anders aus: Während Gulbis am Samstag auf Steve Johnson trifft, ist für die Österreicher der Einzelbewerb seit Mittwoch beendet.

Johnson überrascht Anderson

Der US-Amerikaner sorgte im Anschluss für die nächste Überraschung des Tages: Er eliminierte den an zwei gesetzten Südafrikaner Kevin Anderson mit 5:7, 7:6 (5), 6:4.

Für Johnson ist es das 4. ATP-Halbfinale seiner Karriere bzw. das erste auf europäischen Boden und in dieser Turnier-Kategorie. 

Christian Frühwald

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