Johnson: "Ich war schneller als andere"

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So staubtrocken Steve Johnson am Freitag bei den Erste Bank Open den Weltranglisten-Elften Kevin Anderson abserviert hatte, so staubtrocken gab sich der 25-jährige US-Amerikaner nach dem erst vierten Halbfinal-Einzug seiner Karriere auf ATP-Ebene.

Nein, überrascht sei er über einen der größten Erfolge seiner bisherigen Karriere nicht, „aber man ist natürlich zufrieden.“

Erst seit vier Jahren versucht er sich als Profi auf der Tour. Davor studierte er Sportmedizin in Kalifornien und feilte im College-Tennis an seinem Spiel.

"College-Zeit war perfekt"

„Das war für mich perfekt, um eine gewisse Reife zu erlangen“, erzählt er über diese Zeit und verweist dabei auf John Isner und eben Anderson, die beide ebenfalls über das College-Tennis den Sprung auf die Tour schafften.

Viele Spieler, die es über diesen Weg versuchen, brauchen oft viele Jahre, bis sie bei den großen Turnieren Fuß fassen können.

„Ich habe es etwas schneller geschafft als andere“, freut sich Johnson, dass ihm dieses Schicksal erspart geblieben ist.

Schon nach zwei Jahren kratzte er an den Top 100, durch den Halbfinal-Einzug in Wien, seinem dritten in dieser Saison nach Washington und Winston-Salem, steht er nächste Woche erstmals in den 40.

"Tennis war Plan A und B"

Für den Sohn eines Tennis-Lehrers stand aber schon immer fest, dass er sich diesen Traum erfüllen werde. „Tennis war mein Plan A – und mein Plan B war irgendwie auch immer Tennis“, ordnete er in seinem bisherigen Leben alles dem Sport unter.

„Denn nur mit dieser letzten Konsequenz kannst du es wirklich schaffen“, meint er auch mit Blickrichtung auf die vielen hoffnungsvollen US-Talente, die sein Heimatland wieder von besseren Zeiten träumen lassen.

Johnson verteidigt US-Tennis

Wobei Johnson findet, dass das amerikanische Tennis seinen derzeitigen schlechten Ruf nicht verdient hat. „Wir hatten in der Vergangenheit einfach unglaubliche viele Stars wie Sampras, Agassi, Courier und danach immer noch sehr gute Leute wie Roddick, Blake oder Fish. Die standen alle in den Top Ten."

"In den letzten zehn Jahren haben eben immer nur die gleichen vier Spieler Grand-Slam-Turniere gewonnen. Deshalb ist das US-Tennis aber nicht schlecht.“

Mit ihm und Aufschlag-Kanonier John Isner, der immer wieder mal in die Top Ten reinschnuppert, haben man auch aktuell einige starke Spieler. Zudem verweist er auf Hoffnungen wie Taylor Fritz, der kürzlich zwei Challenger-Turniere in Folge gewinnen konnte. „Bei ihm kann es sehr schnell nach oben gehen.“

Interessantes Duell gegen Gulbis

Wie weit es für ihn selbst nach oben gehen kann, will Johnson nicht sagen. Als größten Vorteil in seinem Spiel sieht er neben Aufschlag und Vorhand vor allem seinen Wettkampfgeist an. Eine Zielstrebigkeit, die er wohl auch seiner Zeit vom College zu verdanken hat.

Womit es am Samstag im Halbfinale der Erste Bank Open zu einem interessanten Aufeinandertreffen kommt. Schließlich ist Gegner Ernests Gulbis eher der genialen, dafür aber auch recht launischen Art zuzuschreiben.

„Es wird ein tolles Match werden. Er war schon einmal in den Top Ten und ist ein großartiger Tennis-Spieler“, meint Johnson, der die 2:0-Führung im Head-to-Head nicht überbewerten will. „Es kommt auf diesem Level immer auf wenige Punkte an.“

Wien wird Johnson aber nicht nur aufgrund der sportlichen Erfolge in Erinnerung bleiben. Neben dem begeisterungsfähigen Publikum fand der US-Amerikaner vor allem an der Stadt viel Gefallen.

„Mir gefällt es hier sehr gut. Man kann durch die Straßen spazieren und gut essen gehen. Zudem braucht man kein Auto. So macht es Spaß“, würde er seinen Aufenthalt in der Bundeshauptstadt gerne noch verlängern.

Christian Frühwald

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