Melzer vor Karlovic: "Muss wenige Chancen nützen"

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Seit Mitte Juni konnte Jürgen Melzer auf der ATP-Tour kein Match über die volle Spielerdauer mehr für sich entscheiden.

Am Dienstagabend in der Wr. Stadthalle war es nun wieder soweit. Mit 3:6, 6:4, 6:3 zwang der 33-jährige Niederösterreicher den slowakischen Lucky Loser Norbert Gombos in die Knie.

„So einen Sieg braucht man“

„So einen Sieg braucht man“, atmete Melzer, mittlerweile nur mehr Nummer 123 der Welt und nur dank Protected Ranking im Hauptbewerb, nach dem hart erkämpften Sieg auf. „Ich habe nicht aufgegeben und immer probiert, ihn irgendwie aus dem Rhythmus zu bekommen.“

Gombos, der im April im Davis Cup schon Dominic Thiem überraschte, attackierte bedingungslos jeden Ball und stellte Melzer im ersten Satz vor einige unlösbare Aufgaben.

Wende zu Beginn des zweiten Satzes

„Ich habe von Bratislava gewusst, dass der ziemlich aggressiv spielt und auf jeden Ball draufgeht. In so einer Situation variiert man natürlich am besten – wenn einer so anpresst, dann ist das aber ganz schön schwer. Da kann man nur dagegenhalten. Ich bin froh, dass ich im zweiten Satz reingekommen bin“, so Melzer, der im zweiten Durchgang zwar gleich ein Break kassierte, dann aber postwendend das Rebreak zum 1:1 schaffte.

„Ab diesem Zeitpunkt war ich im Match drin. Da hat er das erste Mal gezeigt, dass er auch Fehler machen kann. Und da muss man dann eben auch bereit sein. Wenn man 33 Jahre alt ist, weiß man das. Mir wurde eine kleine Tür geöffnet und da bin ich dann durchgeschlüpft.“

„Ich habe gewusst, dass der irgendwann wegbrechen muss – sonst würde er schon lange in den Top 20 stehen“, analysierte der Niederösterreicher den Weltranglisten-138., der fast ausschließlich auf Challenger-Ebene agiert.

Hilfe vom Schiedsrichter

Zu Hilfe kam Melzer ein bisschen auch der Stuhlschiedsrichter. So konnte der Niederösterreicher im dritten Satz beim Stand von 3:1 einen Breakball nur mit etwas Glück abwehren konnte, da ein Winner von Gombos durch eine Hawkeye-Entscheidung zwar gut gegeben wurde, der Umpire den Ball aber wiederholen ließ.

„Replay the point war in diesem Fall sehr nett“, gab der ehemalige Weltranglisten-Achte zu. Grundsätzlich war Melzer mit seiner Leistung aber auf jeden Fall zufrieden.

Aufschlag-Kanonier im Achtelfinale

„Ich habe die engen Punkte heute sehr gut gespielt. Das war ausschlaggebend. Bei Breakbällen hatte ich fast immer den ersten Aufschlag im Feld. Vom Niveau her fand ich es gar nicht mal so schlecht. Ich bin froh, dass ich noch ein zweites Match kriege – wobei ich da wohl nicht viel Rhythmus bekommen werde“, spielt Melzer auf seinen kommenden Gegner im Achtelfinale an.

Dieser heißt Ivo Karlovic, ist 2,11 Meter groß und für seine Aufschläge seit Jahren auf der ATP-Tour gefürchtet.

„Er serviert nicht so schnell, er hat nur einen unglaublichen Winkel. Ich muss die wenigen Chancen, die ich bekomme, nutzen – darauf wird es ankommen“, weiß Melzer, der am Mittwoch in der dritten Partie nach 13 Uhr gegen Karlovic spielt. In den sechs bisherigen Aufeinandertreffen verließ der Österreicher fünf Mal als Sieger den Platz.

Melzer von der Stimmung beflügelt

„Ich spiele nicht unbedingt gerne gegen diese Typen, ich habe aber eine ganz gute Hand-Augen-Koordination und das kommt mir beim Return entgegen.  Das ist sicher eine meiner Stärken. Ich schaffe es meistens, dass ich den Ball recht früh retourniere und da agieren manche dann ein bisschen klobig.“

Kraft will Melzer auch wieder aus der Unterstützung des Publikums schöpfen. Schon am Dienstag war die Halle ausgezeichnet gefüllt. „Die Leute sind mitgegangen, das beflügelt einen schon, wenn man merkt, dass die Halle hinter dir steht. Das hat man sonst auf der Tour so nicht“, so Melzer, der im vergangenen Jahr verletzungsbedingt nicht in Wien antreten konnte. „Ich habe es wirklich vermisst, hier zu spielen.“

Doppel-Duell gegen Freund Peya

Im letzten Spiel des Tages am Center Court ist Melzer auch noch im Doppel an der Seite von Philipp Petzschner im Einsatz. Dort trifft er in Runde eins ausgerechnet auf die topgesetzten Alexander Peya und Bruno Soares.

„Das ist natürlich das beschissenste Doppel, das wir bekommen hätten können. Zum einen sind sie mit Abstand das beste Duo im Draw, zum anderen ist Alex ein sehr guter Freund. Wir werden natürlich trotzdem versuchen sie zu ärgern.“

Christian Frühwald

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