"Das ist hochverdient, Wien ist eine Weltstadt"

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Dominic Thiem hat mit seinen 22 Jahren in der Wiener Stadthalle schon viel erlebt.

2011 verabschiedete der damals 18-Jährige Thomas Muster in der ersten Runde endgültig in die „Tennis-Pension“, gleichzeitig war es sein erster Sieg auf der ATP-Tour.

Zwei Jahre später verlangte der Niederösterreicher dem topgesetzten Franzosen Jo-Wilfried Tsonga im Viertelfinale alles ab und musste sich im dritten Satz erst im Tiebreak geschlagen geben.

Im Vorjahr kam er mit hohen Erwartungen nach Wien, scheiterte aber zum Auftakt überraschend am Niederländer Robin Haase. Heuer will Thiem wieder für positive Schlagzeilen sorgen.

"Die Vorfreude ist extrem groß, in Österreich will man immer besonders gut spielen. Es sind noch einige Turniere vorher, trotzdem ist Wien das letzte große Highlight der Saison", macht er keinen Hehl daraus, sich für den Heim-Event viel vorzunehmen.

Der erste Titelgewinn in der Heimat wird jedoch ein schwieriges Unterfangen. Der neue 500er-Status lockt zahlreiche starke Spieler an, auch einer der „Big Four“ soll noch kurzfristig verpflichtet werden.

Auf Djokovic, Federer, Murray oder Nadal kann Thiem verzichten. "Ich will das Teilnehmerfeld nicht noch stärker haben. Wenn es nach mir geht, soll gar keiner mehr kommen", scherzt er im Gespräch mit LAOLA1.

Doch die Aufwertung hat für die Spieler auch positive Nebeneffekte. So wurde das Preisgeld auf insgesamt 2,3 Millionen Euro erhöht. Der Sieger erhält nun 423.000 Euro Preisgeld, im Vorjahr strich Andy Murray für seinen Sieg noch 94.500 Euro ein. Alleine für das Erreichen der zweiten Runde winken 22.230 Euro.

Warum die Aufwertung in Wien hochverdient ist, Wien eine Weltstadt ist, Coach Günter Bresnik das Beste ist, das ihm jemals passiert ist und wie er zur Kritik von Thomas Muster steht, erklärt Dominic Thiem im LAOLA1-Interview:

LAOLA1: Wie groß ist die Vorfreude auf die Erste Bank Open?

Dominic Thiem: Extrem groß, in Österreich will man immer besonders gut spielen. Es sind noch einige Turniere vorher, trotzdem ist Wien das letzte große Highlight der Saison. Ich habe heuer bei den 250ern sehr gut gespielt, bei den anderen Turnieren hatte ich nur vereinzelt Ausreißer. Mein Ziel ist es, hier weiter zu kommen. Ich möchte mich spielerisch so weiterentwickeln, dass ich bei den größeren Turnieren auch so spiele wie bei den 250ern. Nachdem ich letztes Jahr nicht so gut gespielt habe, will ich es dieses Jahr um jeden Preis besser machen.

LAOLA1: Worauf können sich die heimischen Fans freuen?

Thiem: Ich hoffe auf alles. Ich will einfach besser spielen, als letztes Jahr. Ich denke schon, dass ich um einiges stabiler bin, als letztes Jahr. Bei dem Turnier geht es nicht nur um mich, die Fans können sich auf den ganzen Event freuen. Ein 500er ist etwas ganz besonderes, Wien hat sich das redlich verdient. Es kommen richtig gute Spieler, das Starterfeld ist stark. Nichtsdestotrotz hoffe ich, dass ich selbst richtig gut spiele.

LAOLA1: Kann man sagen, die Erste Bank Open stoßen mit dem 500er-Status in neue Dimensionen vor?

Thiem: Auf jeden Fall. Es war schon länger die Rede davon, insgeheim habe ich gehofft, dass es klappt. Es freut mich riesig, dass es jetzt so weit ist. Wenn man sich die Stadt, die Halle und das ganze Umfeld ansieht, ist es einfach hochverdient. Wien steht in dieser Hinsicht in einer Reihe mit anderen Weltstädten. Dort gehört Wien auch hin, Wien ist eine Weltstadt.

LAOLA1: Du hast bei den Erste Bank Open schon viel erlebt, Spiele gegen Thomas Muster und Jo-Wilfried Tsonga. Welcher Moment steht für dich an erster Stelle?

Thiem: Für mich war das Spiel gegen Tsonga bis jetzt das beste Erlebnis. Gegen Thomas war es sehr sentimental, aber vor allem auf seiner Seite. Das Duell mit Tsonga war so etwas wie der Startschuss für weitere, erfolgreiche Wochen und Monate. Die Stimmung war damals die beste, bei der ich jemals Tennis gespielt habe.

LAOLA1: In Wien könntest du im Doppel mit Philipp Oswald antreten. Wieso sieht man dich immer öfter im Doppel?

Thiem: "Er meint die Kritik positiv, um mich zu schützen"

Thiem: Er sagt immer, ich soll nicht auf die Schulterklopfer hören, sondern immer am Boden bleiben und hart weiterarbeiten. Ich denke aber, dass ich das ganz gut mache.

LAOLA1: Hast du das Finale der US Open live mitverfolgt?

Thiem: Nein, das war zu spät. Ich musste am nächsten Tag trainieren. Ich weiß ohnehin, wie beide spielen (lacht). Ich habe lieber geschlafen.

LAOLA1: Was sagst du zum Ausgang? Hättest du - wie so viele - Federer den Titel gegönnt?

Thiem: Djokovic spielt derzeit so stark und ist in dieser Saison unfassbar konstant. Wenn du gewinnst, ist der Titel verdient. Anscheinend hat er gut gespielt und Federer dürfte nicht alle seine Chancen genützt haben. Daher ist Djokovic der hochverdiente Sieger.

LAOLA1: Wenn du dir einen Top-Star aussuchen könntest, der nach Wien kommt, wer wäre es?

Thiem: Gar keiner. Ich will das Teilnehmerfeld nicht noch stärker haben (lacht). Für das Turnier wäre es super, wenn einer kommt. Ich denke, Federer ist für jedes Turnier das Größte.

LAOLA1: Wie geht es auf der Tour kurz- und langfristig weiter?

Thiem: Ich habe nach den US Open ein bis zwei Tage pausiert. Danach war ich wieder im Training, weil die Zeit sehr wertvoll ist. Während der Saison hat man nicht so oft die Möglichkeit, zu trainieren. Am Samstag geht es nach St. Petersburg, dann startet endgültig die letzte Phase der Saison. Wegen nächster Saison weiß ich nur, dass ich in Brisbane beginne. Brisbane, Sydney, Australian Open – das ist der Plan. So kann ich mich perfekt für das erste Grand Slam akklimatisieren. Was dann kommt, weiß ich nicht, es ist noch lange Zeit. Wichtig wird eine gute Vorbereitung auf die Saison sein, den Rest wird man sehen.

LAOLA1: Im Fußball ist das Transferfenster seit kurzem geschlossen. Gibt es auch im Tennis Anfragen anderer Coaches?

Thiem: Das weiß ich, um ehrlich zu sein, nicht. Ich hatte noch kein Angebot. Es gibt aber keine Anfrage, bei der ich schwach werden könnte. Günter (Bresnik/Anm.) ist das Beste, was mir im Tennis passieren konnte. Ich würde ihn um keinen Preis verlassen.


Das Gespräch führten Matthias Nemetz und Claus Schlamadinger

Thiem: "Osi" und ich hatten bei den US Open Kontakt, es ist aber noch nicht ganz sicher, ob wir gemeinsam spielen. Cool wäre es aber schon. Ich versuche, bei den Turnieren, bei denen ich im Einzel antrete, auch im Doppel zu spielen. Ganz einfach, weil es das beste Training ist. Vor allem in den Bereichen, wo ich noch Schwächen habe, Aufschlag und Return. Auch für das Netzspiel und vollieren ist Doppel ein ideales Training unter Wettkampfbedingungen.

LAOLA1: Haben dich letztes Jahr die hohen Erwartungen gehemmt?

Thiem: Das nicht, da gab es andere Gründe. Ich bin das erste Mal direkt aus Shagnhai gekommen, hatte mit dem Jetlag zu kämpfen. Noch dazu war ich unerfahren und am Ende meiner ersten Saison einfach ein bisschen müde. Das ist dieses Jahr alles anders, ich bin erfahrener und fitter. Deshalb werde ich hoffentlich um einiges besser zurechtkommen.

LAOLA1: Wie bist du mit deiner Entwicklung und der Saison zufrieden?

Thiem: Der Saisonstart war nicht gut. Ab Nizza und Paris habe ich das Ruder sehr gut herumgerissen, die zweite Saisonhälfte war sehr gut. Vor allem bei den 250er-Turnieren hätte es eigentlich nicht besser laufen können. Jetzt gilt es, auch bei den größeren Turnieren – den 500ern wie Wien, den 1000ern und den Grand Slams – genauso gut zu spielen.

LAOLA1: Du bist bereits in den Top 20, was ist noch drinnen?

Thiem: Ich schaue nicht nur aufs Ranking. Ich bin überzeugt davon, dass es nicht nur auf die Weltranglistenposition ankommt, vor allem wenn man jung ist. Es geht darum, sein Spiel weiterzuentwickeln und immer besser zu werden. Wenn man das macht, kommt das gute Ranking automatisch. Ich habe das Glück – eigentlich das Pech von letztem Jahr – dass ich bis Miami wenige Punkte zu verteidigen habe. Wenn ich in dieser Zeit gute Ergebnisse erziele, kann ich in der Weltrangliste auch weiter nach vorne kommen. Mein Primärziel ist aber, mich spielerisch so zu verbessern, dass ich bei den großen Turnieren genauso auftrete und gute Resultate liefere, wie bei den kleinen Turnieren.

LAOLA1: Thomas Muster hat im letzten Jahr immer wieder die Euphorie gebremst, um dich zu schützen. Wie gehst du damit um?

Thiem: Er war Nummer eins der Welt, ist mit Abstand Österreichs bester Spieler aller Zeiten. Deshalb kennt er sich im Tennis extrem gut aus. Die Kritik an mir meint er immer positiv, davon bin ich überzeugt. In den Medien kommt vieles anders rüber. Ich habe mit ihm persönlich gesprochen, er hat noch nie etwas negativ gemeint.

LAOLA1: Was rät er dir?

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