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ÖTV ernennt Trimmel zum Davis-Cup-Kapitän

Der neue Davis-Cup-Kapitän des ÖTV heißt Clemens Trimmel.

Der 33-jährige Wiener tritt mit Jänner 2012 die Nachfolge von Gilbert Schaller an. Er unterschreibt für drei Jahre und wird auch als Sportdirektor des Verbands agieren.

Seine erste Aufgabe als Davis-Cup-Kapitän wartet von 10. bis 12. Februar 2012 mit dem Heim-Duell gegen Russland in der 1. Runde der Weltgruppe.

Großes Talent Mitte der 90er Jahre

Trimmel galt in den 90er Jahren als großes Talent und war von 1997 bis 2004 auf der ATP-Tour aktiv.

Er schaffte es bis auf Rang 147 der Weltrangliste. Nach insgesamt sieben Operationen musste er jedoch seine Karriere vorzeitig beenden.

"Liebe zum Tennis ist nie verklungen"

In Folge absolvierte Trimmel eine Management-FH und arbeitete als Produktmanager des Wettkonzerns "bwin". Diesen Job wird er noch bis Mitte November ausüben, ehe er sich mit dem Jahreswechsel seinen neuen ÖTV-Aufgaben widmet.

"Ich habe in den letzten Jahren zwar wenig gespielt, meine Liebe zum Tennis ist aber nie erloschen", erklärt Trimmel, der auch nach seiner Karriere noch viele Kontakte zur heimischen Szene pflegte. "Ich wollte immer Sport und Wirtschaft verbinden."

"Es wurde zu wenig miteinander gesprochen"

Ein besonderes Augenmerk will er bei seinen neuen Jobs auf die Kommunikation legen.

"Ich hatte den Eindruck, dass in der Vergangenheit zu wenig miteinander gesprochen wurde", will Trimmel in Zukunft "alle an einen Tisch bringen."

Dazu zählen neben reger Kontaktaufnahme zu den aktiven Spielern auch intensive Kooperationen mit privaten Trainingszentren.

Südstadt soll aufgewertet werden

Herzstück der Aufgabe des ÖTV-Sportdirektors soll aber weiterhin das nationale Leistungszentrum in der Südstadt bleiben.

Dieses soll in den nächsten Jahren wieder aufgewertet werden. "Die besten Nachwuchsspieler sollen zu uns kommen", erklärt Trimmel.

Daran scheiterte allerdings schon Vorgänger Schaller. Top-Talente wie Dominic Thiem oder Babsi Haas zogen individuelle Betreuungen vor.

ÖTV setzt auf "Internationalisierung"

Für derartige Fälle soll es aber weiterhin externe Förderungen geben. "Privatinitiativen sind auch wichtig, Konkurrenz belebt das Geschäft. Ich werde versuchen, mich nicht auf irgendwelche unnötigen Grabenkämpfe einzulassen."

Um die Südstadt attraktiver zu machen, will der ÖTV auf "Internationalisierung" setzen. "Das betrifft sowohl Spieler als auch Trainer. Im Fokus steht aber natürlich die Betreuung von österreichischen Athleten."

"Meine Aufgaben liegen nicht am Platz"

Im Gegensatz zu Schaller wird Trimmel selbst nicht bzw. nur aushilfsweise als Coach agieren.

"Meine Aufgaben liegen nicht am Platz, sondern in den Management-Funktionen. Ich werde nur aushelfen, wenn Not am Mann ist."

"Das ist sonst zu viel", weiß auch ÖTV-Vize-Präsident Helmut Dorn. "Das ist Gilli damals über den Kopf gewachsen."

Französischer Verband als Vorbild

Schaller will in der Südstadt bleiben und sich auf seine Trainer-Funktion konzentrieren.

Neben ihm will Trimmel weitere ehemalige Spitzenspieler in die Südstadt holen. "Ähnliches praktiziert auch der französische Verband", zieht er das große, finanziell freilich weitaus besser gestellte Vorbild als Vergleich heran.

Trimmel kann noch keine Namen nennen

Namen will und kann der Neo-Sportdirektor aber noch keine nennen. Trimmel hat jedenfalls die "Personalhoheit" was die Besetzungen betrifft.

"Natürlich muss man schauen, was das Budget hergibt", verweist der ehemalige Profi auf den finanziell nicht auf Rosen gebetteten Verband .

Trotzdem sieht er eine gute Basis, auf der er vor allen in seinem Amt als Davis-Cup-Kapitän aufbauen kann.

"Wir stehen in Österreich gut da. Tennis ist immerhin eine Weltsportart und trotzdem haben wir uns jahrelang in der Weltgruppe gehalten."

Erster Viertelfinal-Einzug seit 17 Jahren?

Den Gang in die Relegation hofft Trimmel, im nächsten zu vermeiden. Dazu muss ein Sieg über Russland und der damit verbundene erste Viertelfinal-Einzug seit 17 Jahren her.

"Das muss definitiv das Ziel sein. Als ungesetzte Nation sind wir natürlich immer Außenseiter in der ersten Runde. Wenn alle gesund sind und ihre Topleistung abrufen, haben wir gegen Russland sicher eine 50:50-Chance", blickt Trimmel seiner Premiere im Februar zuversichtlich entgegen.

Christian Frühwald

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