Marat Safin als Putin-Nachfolger?

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2009 beendete Marat Safin seine Profikarriere und zog 2011 als Abgeordneter des Wahlkreises Nischni Nowgorod in die russische Duma* ein. Im Exklusiv-Interview mit www.tennisaustria.at wirft die ehemalige Nummer 1 der Welt einen ersten Blick voraus auf Russlands Davis Cup-Duell mit Österreich.
Kann man Politik in irgendeiner Weise mit Spitzensport vergleichen? 
Auf jeden Fall! Sowohl im Sport als auch in der Politik muss man Tag für Tag hart arbeiten, jeden Tag Neues lernen und bereit sein, seine Ziele zu verfolgen. Macht man das nicht, würde weder das Eine noch das Andere funktionieren. Wäre ich vor meiner Aufgabe als Politiker nicht Sportler gewesen, hätte ich es jetzt auf jeden Fall viel schwerer.
Weshalb?
Weil dir Sport Kraft gibt und Charakter, Geduld und Disziplin stärkt – alles Eigenschaften, die dir sowohl im Sport als auch in der Politik weiterhelfen.
Tennis heute hat viel mit Business, aber auch mit Show zu tun. Macht Politik eigentlich Spass?
Wie überall im Leben macht es erst dann Spass, sobald du die Resultate deiner Arbeit siehst und dennoch einen Weg findest, um noch besser zu werden.
Welches Leben war bzw. ist eigentlich spannender? Das am Tenniscourt oder das in der Duma *?
Das kann man nicht miteinander vergleichen, da es sich dabei um einen komplett anderen Lifestyle handelt, andere Szenarien, eine komplett andere Welt von Menschen. Beide Jobs sind auf eine völlig andere Art und Weise interessant.
Wie kann man eigentlich Ihren neuen Job beschreiben? Was machen Sie tagein, tagaus?
Ich bin Mitglied in der Duma – ein Job, der täglich deine gesamte Aufmerksamkeit verlangt, um in sämtlichen Bereichen, die in der Duma diskutiert werden, kompetent zu sein.
Wann beginnt Ihr Arbeitstag? Wann haben Sie Feierabend?
Das ist unterschiedlich. Manchmal ist es sieben Uhr, manchmal neun Uhr in der Früh. Spät wird es aber jeden Tag.
Vermissen Sie manchmal noch ihr altes Leben?
Ich hatte ein großartiges Leben als Tennisspieler und durfte unvergessliche Momente erleben. Es war aber an der Zeit, mich weiterzuentwickeln und neue Herausforderungen in neuen Bereichen zu suchen. Das Leben geht nun einmal weiter und ich bin sicher, dass ich noch viele grossartige Moment erleben darf. Ich will auf jeden Fall bereit sein, um keine Chance auszulassen und jede von ihnen zu nutzen und zu genießen.
Wie intensiv verfolgen Sie noch das, was weltweit auf den Tenniscourts passiert?
Eher weniger. Ich unterstütze im russischen Tennisverband aber einige Kids, damit sie die richtigen Schritte auf ihrem Weg zum Profi-Tennisspieler machen. Ich bin für sie so etwas wie ein „alter“ Freund.
Als Sie erfahren haben, dass Russlands nächster Gegner „Österreich“ heißt – wie war da Ihr erster Gedanke? 1.) Sehr gut, das ist ein schlagbarer Gegner! Oder 2.) Puh, das könnte eng werden!
Kurz und bündig: Es wird ziemlich tough werden für uns. Ich glaube aber an „meine“ Burschen. Sie haben genügend Erfahrung. (lächelt)Deshalb traue ich es mir jetzt schon zu, Russland als Sieger in diesem Duell zu bezeichnen.
Sowohl Jürgen Melzer als auch Davis Cup-Kapitän Clemens Trimmel erwarten im Februar mit Russland ein „Duell auf Augenhöhe“ ...
... (lacht)Fifty fifty? Kann schon sein! Trotzdem werden wir gewinnen. Das ist eine Gleichung, die mir sehr gut gefallen würde. 
Wie schätzen Sie Jürgen Melzer, Andreas Haider-Maurer, Martin Fischer, Oliver Marach, Alexander Peya und Julian Knowle als Spieler ein?
Ich kenne einige dieser Burschen aus eigener Erfahrung: Melzer, Peya, Marach, Knowle. Gute, solide und erfahrene Spieler. Warten wir ab ...
Im Davis Cup ist es oft das Doppel, das die Entscheidung bzw. die Vorentscheidung bringt ...
... das sehe ich genau so.
Russland hat mit Kunitsyn / Tursunov ein sehr gut eingespieltes Doppel, das 2011 in beiden Davis Cup-Partien (SWE, BRA; Anm.) allerdings jedesmal auf Hardcourt eine Niederlage einstecken musste. Wird in Russland daher das eigene Doppel vielleicht sogar als Schwachpunkt gesehen?
Sagen wir einmal so: Diesmal sollten sie es besser machen.
2008, 2009 und 2010 ist Russland nie über das Viertelfinale hinausgekommen, 2011 blieb Russland erst nach einem Sieg im Weltgruppen-Playoff (gegen Brasilien; Anm.) oben. Wie ist diesbezüglich die Stimmung in Russland?
Wir müssen unbedingt in der Weltgruppe bleiben. Bessere Zeiten für das russische Tennis werden dann sicherlich noch kommen ...
Ein Vergleich, der sich aufdrängt: Sowohl in Russlands Politik als auch in Russlands Tennis gibt es mit Wladimir Putin bzw. mit Shamil Tarpishev einen Mann, ohne den es offensichtlich nicht geht. Ist Russland ein Land bzw. eine Gesellschaft, das / die eine starke Führungshand benötigt?
Schwache Persönlichkeiten wären auf keinen Fall in der Lage, diese Jobs auszuüben. Man muss stark und weise sein, um das zu tun.
Was glauben Sie: Welche „Vorgaben“ setzt der Präsident des russischen Verbandes Tarpishev dem Davis Cup-Kapitän Tarpishev?
Wir alle wissen ganz genau, was jedes Team tun muss, um das andere zu schlagen. Shamil ist ein sehr erfahrener und intelligenter Mann – er wird ganz genau wissen, was er zu tun hat. Sollte er mich als Berater oder bloß einige Ratschlage brauchen, stehe ich dafür jederzeit zur Verfügung.
Wo sehen Sie sich eigentlich in ferner Zukunft? Pete Sampras hat schon einmal einen Blick nach vorne geworfen: „In 20 Jahren ist Marat Russlands Präsident.“
Ich freue mich darüber, dass Pete das tatsächlich glaubt. (lacht)Wer weiß schon, was passieren wird. Ich lasse das für mich noch offen. Viel wichtiger ist aber, mit beiden Beinen am Boden zu bleiben.

2009 beendete Marat Safin seine Profikarriere und zog 2011 als Abgeordneter des Wahlkreises Nischni Nowgorod in die russische Duma ein.

Im Interview mit www.tennisaustria.at wirft die ehemalige Nummer 1 der Welt einen ersten Blick voraus auf Russlands Davis Cup-Duell mit Österreich.

Frage: Kann man Politik in irgendeiner Weise mit Spitzensport vergleichen?

Safin: Auf jeden Fall! Sowohl im Sport als auch in der Politik muss man Tag für Tag hart arbeiten, jeden Tag Neues lernen und bereit sein, seine Ziele zu verfolgen. Macht man das nicht, würde weder das Eine noch das Andere funktionieren. Wäre ich vor meiner Aufgabe als Politiker nicht Sportler gewesen, hätte ich es jetzt auf jeden Fall viel schwerer.

Frage: Weshalb?

Safin: Weil dir Sport Kraft gibt und Charakter, Geduld und Disziplin stärkt – alles Eigenschaften, die dir sowohl im Sport als auch in der Politik weiterhelfen.

Frage: Tennis heute hat viel mit Business, aber auch mit Show zu tun. Macht Politik eigentlich Spass?

Safin: Wie überall im Leben macht es erst dann Spass, sobald du die Resultate deiner Arbeit siehst und dennoch einen Weg findest, um noch besser zu werden.

Frage: Welches Leben war bzw. ist eigentlich spannender? Das am Tenniscourt oder das in der Duma?

Safin: Das kann man nicht miteinander vergleichen, da es sich dabei um einen komplett anderen Lifestyle handelt, andere Szenarien, eine komplett andere Welt von Menschen. Beide Jobs sind auf eine völlig andere Art und Weise interessant.

Frage: Wie kann man eigentlich Ihren neuen Job beschreiben? Was machen Sie tagein, tagaus?

Safin: Ich bin Mitglied in der Duma – ein Job, der täglich deine gesamte Aufmerksamkeit verlangt, um in sämtlichen Bereichen, die in der Duma diskutiert werden, kompetent zu sein.

Frage: Wann beginnt Ihr Arbeitstag? Wann haben Sie Feierabend?

Safin: Das ist unterschiedlich. Manchmal ist es sieben Uhr, manchmal neun Uhr in der Früh. Spät wird es aber jeden Tag.

Frage: Vermissen Sie manchmal noch ihr altes Leben?

Safin: Ich hatte ein großartiges Leben als Tennisspieler und durfte unvergessliche Momente erleben. Es war aber an der Zeit, mich weiterzuentwickeln und neue Herausforderungen in neuen Bereichen zu suchen. Das Leben geht nun einmal weiter und ich bin sicher, dass ich noch viele grossartige Momente erleben darf. Ich will auf jeden Fall bereit sein, um keine Chance auszulassen und jede von ihnen zu nutzen und zu genießen.

Frage: Wie intensiv verfolgen Sie noch das, was weltweit auf den Tenniscourts passiert?

Safin: Eher weniger. Ich unterstütze im russischen Tennisverband aber einige Kids, damit sie die richtigen Schritte auf ihrem Weg zum Profi-Tennisspieler machen. Ich bin für sie so etwas wie ein „alter“ Freund.

Frage: Als Sie erfahren haben, dass Russlands nächster Gegner „Österreich“ heißt – wie war da Ihr erster Gedanke?

Safin: Erstens: Sehr gut, das ist ein schlagbarer Gegner! Oder zweitens: Puh, das könnte eng werden! Kurz und bündig: Es wird ziemlich tough werden für uns. Ich glaube aber an „meine“ Burschen. Sie haben genügend Erfahrung. (lächelt) Deshalb traue ich es mir jetzt schon zu, Russland als Sieger in diesem Duell zu bezeichnen.

Frage: Sowohl Jürgen Melzer als auch Davis Cup-Kapitän Clemens Trimmel erwarten im Februar mit Russland ein „Duell auf Augenhöhe“...

Safin: ...(lacht) Fifty-fifty? Kann schon sein! Trotzdem werden wir gewinnen. Das ist eine Gleichung, die mir sehr gut gefallen würde. 

Frage: Wie schätzen Sie Jürgen Melzer, Andreas Haider-Maurer, Martin Fischer, Oliver Marach, Alexander Peya und Julian Knowle als Spieler ein?

Safin: Ich kenne einige dieser Burschen aus eigener Erfahrung: Melzer, Peya, Marach, Knowle. Gute, solide und erfahrene Spieler. Warten wir ab ...

Frage: Im Davis Cup ist es oft das Doppel, das die Entscheidung bzw. die Vorentscheidung bringt ...

Safin: ...das sehe ich genau so.

Frage:  Russland hat mit Kunitsyn / Tursunov ein sehr gut eingespieltes Doppel, das 2011 in beiden Davis Cup-Partien (Schweden, Brasilien; Anm.) allerdings jedesmal auf Hardcourt eine Niederlage einstecken musste. Wird in Russland daher das eigene Doppel vielleicht sogar als Schwachpunkt gesehen?

Safin: Sagen wir einmal so: Diesmal sollten sie es besser machen.
2008, 2009 und 2010 ist Russland nie über das Viertelfinale hinausgekommen, 2011 blieb Russland erst nach einem Sieg im Weltgruppen-Playoff (gegen Brasilien; Anm.) oben.

Frage: Wie ist diesbezüglich die Stimmung in Russland?

Safin: Wir müssen unbedingt in der Weltgruppe bleiben. Bessere Zeiten für das russische Tennis werden dann sicherlich noch kommen ...

Frage: Ein Vergleich, der sich aufdrängt: Sowohl in Russlands Politik als auch in Russlands Tennis gibt es mit Wladimir Putin bzw. mit Shamil Tarpishev einen Mann, ohne den es offensichtlich nicht geht. Ist Russland ein Land bzw. eine Gesellschaft, das / die eine starke Führungshand benötigt?

Safin: Schwache Persönlichkeiten wären auf keinen Fall in der Lage, diese Jobs auszuüben. Man muss stark und weise sein, um das zu tun.

Frage: Was glauben Sie: Welche „Vorgaben“ setzt der Präsident des russischen Verbandes Tarpishev dem Davis Cup-Kapitän Tarpishev?

Safin: Wir alle wissen ganz genau, was jedes Team tun muss, um das andere zu schlagen. Shamil ist ein sehr erfahrener und intelligenter Mann – er wird ganz genau wissen, was er zu tun hat. Sollte er mich als Berater oder bloß einige Ratschlage brauchen, stehe ich dafür jederzeit zur Verfügung.

Frage: Wo sehen Sie sich eigentlich in ferner Zukunft? Pete Sampras hat schon einmal einen Blick nach vorne geworfen: „In 20 Jahren ist Marat Russlands Präsident."

Safin: Ich freue mich darüber, dass Pete das tatsächlich glaubt. (lacht) Wer weiß schon, was passieren wird. Ich lasse das für mich noch offen. Viel wichtiger ist aber, mit beiden Beinen am Boden zu bleiben.

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