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Leitgeb: "Die Kommunikation ist wichtig"

Eigentlich sollte man meinen, dass ein Herz-Chirurg über ein ordentliches Maß an Fingerspitzengefühl verfügt.

Vernünftiges Timing ließ Universitäts-Professor Dr. Ernst Wolner am sonntäglichen Abend trotzdem vermissen.

Der 71-Jährige verkündete in der TV-Sendung „Sport am Sonntag“, dass er nach seinem Ausscheiden als ÖTV-Präsident im März 2012 Ronnie Leitgeb als Nachfolger vorschlagen werde.

Nur wenige Stunden zuvor schafften die rot-weiß-roten Tennis-Asse den Klassenerhalt in der Davis-Cup-Weltgruppe. Die Feierlichkeiten um Melzer & Kollegen rückten damit in den Hintergrund.

Leitgeb: "Es ist das gute Recht des Präsidenten"

„Es ist das gute Recht des amtierenden Präsidenten solche Ankündigungen zu machen“, sieht Leitgeb im Gespräch mit LAOLA1 die Situation gelassen. „Über den Zeitpunkt kann man natürlich diskutieren.“

Der aktuelle Manager von Österreichs Nummer eins, Jürgen Melzer, wurde immerhin im Vorfeld von Wolner informiert.

„Er hat mich kurz vor der Sendung angerufen und mir gesagt, dass er diese Ankündigung machen wird. Das ist für mich absolut in Ordnung.“

Leitgeb stellt sich zur Verfügung

Leitgeb bestätigt, dass er sich für den Präsidenten-Posten zur Verfügung stellt: „Der offizielle Status ist, dass es im März Neuwahlen gibt und man mich gefragt hat, ob ich kandidieren will. Dazu habe ich mich bereit erklärt.“

Während für Wolner die Sache damit klar ist ("Leitgeb ist mein Wahlvorschlag und ich nehme an, dass man dem folgen wird"), gibt sich der ehemalige Betreuer von Thomas Muster ob seiner Erfolgssausichten seiner Bewerbung noch zurückhaltend.

"Das ist alles nur Spekulation"

„Das ist alles nur Spekulation. Es ist eine demokratische Wahl und man muss den Leuten auch das Recht geben, ihre Wahlentscheidung zu treffen“, verweist Leitgeb auf die am 25. März steigende ÖTV-Generalversammlung.

Deshalb will er auch noch nicht auf geplante Veränderungen oder Ziele unter seiner Amtsführung eingehen.

 „Ich bitte um Verständnis, dass ich derzeit weder über derzeitige noch zukünftige Verbandsaktivitäten etwas sagen möchte.“

"Eine sehr reizvolle Aufgabe"

Für Leitgeb wäre der Job als ÖTV-Präsident jedenfalls „eine sehr reizvolle Aufgabe. Der Tennis-Verband ist einer der drei großen Sportverbände in Österreich. In den letzten zwanzig Jahren ist er auch sehr erfolgreich gewesen. Sich in einer Weltsportart  durchzusetzen und immer zu den 16 besten Nationen der Welt zu gehören – das ist schon etwas.“

Das Prestige stehe für ihn nicht im Vordergrund. „Ich lebe ja schon seit 30 Jahren in der Tennis-Szene. Ich sehe es weniger als prestigeträchtig, eher als verantwortungsvoll. Der ÖTV ist mit seinen Landesverbänden dafür verantwortlich, dass wir gute Nachwuchsspieler in Österreich haben bzw. das wir ein gutes Umfeld schaffen, damit sich die Spieler gut entwickeln können.“

Leitgeb setzt auf gute Kommunikation

Besonders wichtig ist für Leitgeb dabei „die Kommunikation innerhalb der Spieler und der Funktionäre.“ Zudem wollen natürlich auch die Kontakte zu den neun Landesverbänden gepflegt werden.

Als ehemaliger Präsident des Kärntner Verbands ist Leitgeb mit den Strukturen vertraut. Zudem hat der ehemalige Journalist ja auch schon als Trainer, Davis-Cup-Kapitän, Turnierdirektor und Manager genügend Erfahrungen im heimischen Tennis-Zirkus gesammelt. „Sagen wir mal so: Im Tennis ist mir nichts unbekannt.“

Noch nichts mitreden kann Leitgeb bei der Verpflichtung des neuen Davis-Cup-Kapitäns. Dieser soll schon in den kommenden Wochen präsentiert werden.

Trimmel ist Favorit auf den Kapitäns-Posten

Für Leitgeb ist das allerdings kein Problem: „Es ist nicht entscheidend, dass der nachfolgende Präsident darauf Einfluss hat. Viel wichtiger ist, dass verbandsintern alles abgeklärt ist und dass er auch einen guten Kontakt zu den Spielern hat.“

Top-Favorit auf den Kapitäns-Posten ist der 33-jährige Wiener Clemens Trimmel: Der ehemalige Weltranglisten-147. stand selbst zwei Mal im Davis-Cup-Team und arbeitet derzeit hauptberuflich für einen Online-Wettanbieter (Trimmel bei LAOLA1).

Dies ist auch sein größtes Manko im Kampf um den Posten des ÖTV-Kapitäns. Der internationale Verband (ITF), der in den letzten Jahren dem Wettbetrug im Tennis den Kampf ansagte, hätte mit dieser Konstellation aufgrund der unglücklichen Optik vermutlich wenig Freude.

Leitgeb: „Ich kenne den Clemens von Jugend an und - egal ob er es wird oder nicht - er hat bisher in seinem Leben eine tolle Karriere gemacht und ist ein toller Bursche. Er bringt alles Nötige mit, um Kapitän zu werden.“

Lob für Vorgänger Schaller

Für Vorgänger Gilbert Schaller hat Leitgeb viel Lob über: „Er hat einen sehr ordentlichen Job gemacht und dieses Pendler-Schicksal, das wir in den letzten Jahren hatten, gut gelöst.“

Der 43-jährige Schaller zieht sich heuer zudem  von seinem Posten als ÖTV-Sportdirektor zurück. Der Steirer will zurück auf die sportliche Ebene wechseln und als Trainer junge Spieler Richtung Weltspitze führen.

Leitgeb: „Ich glaube, dass er das auch sehr, sehr gut kann. Er war ein Top-20-Spieler und war jahrelang auf der Tour. Er weiß, um was geht. Als Spieler – als ich sein DC-Kapitän war - und auch danach als Trainer habe ihn  sehr geschätzt. In seiner Zeit als Kapitän habe ich zu Gilli immer seinen sehr guten Kontakt gehabt.“

Ab März 2012 soll sich das dann auszahlen. Schließlich ist die Kommunikation das Wichtigste.

Christian Frühwald

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