Folgt nach dem Triumph der Geldsegen?

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Das Davis-Cup-Team hat am Wochenende erstmals seit 17 Jahren das Viertelfinale der Weltgruppe erreicht.

Für Jürgen Melzer und Co. wird der traditionelle Mannschaftsbewerb nun auch um einiges lukrativer.

Ein Blick hinter die Kulissen zeigt ansatzweise die komplizierte Arithmetik der Davis-Cup-Verträge, aber auch, dass der Österreichische Tennisverband (ÖTV) aus den Diskussionen aus der Hoch-Zeit um Thomas Muster gelernt hat.

"Spieler bekommen 75 Prozent"

Dr. Helmut Dorn ist seit 17 Jahren als Kassier im ÖTV für die Verhandlung der Verträge zuständig und als Vizepräsident auch im Präsidium vertreten. Um Streitereien oder Diskussionen zu vermeiden, hat er sowohl den Aufteilungs-Schlüssel vereinfacht, als auch eine Transparenz der Verträge veranlasst.

"Früher war die Schwierigkeit, dass für Thomas Muster eine gewisse Fixsumme verlangt wurde, die wir nicht hatten. Wir haben gesagt, wir können nur Geld verteilen, das wir auch erzielen", erinnert sich Dorn.

Nun gibt es klare Richtlinien, wie die Gelder aus den verschiedenen Töpfen wie Preisgeld, Einnahmen aus Heim-Veranstaltungen sowie des Team-Sponsors aufgeteilt werden.

"Vom Preisgeld bekommen die Spieler 75 Prozent, aus dem Veranstaltungserlös bei Heimspielen 50 Prozent der Nettoeinnahmen", so Dorn. Manchmal werde aber beim Heimspielen schon vorher ein Fixum vereinbart.

Melzer ist Topverdiener

Und wie wird das Geld dann unter den Spielern aufgeteilt? "Da haben wir drei Prinzipien: pro Sieg (im Einzel oder Doppel, Anm.) gibt es einen entsprechenden Anteil. Da es ein Teamwettbewerb ist, erhält jedes Teammitglied einen fixen Anteil und dann spielt auch das Ranking eine Rolle."

Entscheidend ist da nicht nur, ob ein Spieler Top Ten oder Top 40 ist, sondern die Relationen zwischen den Spielern in der Weltrangliste.

Auch wenn Melzer vor einem Jahr noch Top Ten war, so ist er nach wie vor, wenn er gewinnt, wenig überraschend der deutliche Topverdiener im Team.

Dieses Aufteilungssystem gibt es nun schon seit 17 Jahren, Modifikationen hat es hauptsächlich bezüglich einer Aufwertung des Doppels gegeben, da dieses früher auch unterbewertet war. Genaue Beträge lässt sich der ÖTV freilich nicht entlocken, lediglich das Preisgeld des internationalen Tennisverbands (ITF) ist zu erfahren.

Noch mehr Geld im Anmarsch?

Die ITF schüttet für den gesamten Davis Cup - also in der Weltgruppe, den Play-offs, und den Gruppen I und II - für sämtliche Begegnungen insgesamt 10,274 Mio. US-Dollar (7,75 Mio. Euro) aus.

Für das Antreten in der ersten Weltgruppen-Runde erhält jede Nation 137.050 Dollar (103.403 Euro), das Viertelfinale bringt immerhin schon 195.382 Dollar (147.414 Euro). Ein Halbfinaleinzug bringt rein an Preisgeld 236.557 Dollar (178.480 Euro), ein Finale 357.802 (269.958 Euro) und die Sieger-Nation teilt sich 651.778 Dollar (491.759 Euro).

Österreichs Teamsponsor "Simacek" möchte über Beträge nicht informieren, muss aber je nach Phase und ob es sich um ein Heimspiel (höherer Werbewert) oder Auswärtsmatch handelt, zuschießen. Dorn "beziffert" die Mittel mit einem Viertel bis zu einem Drittel des Gesamteinkommens.

Transparenz oberstes Gebot

Das Wichtigste für die innere Ruhe im Team ist aber die Transparenz: "Jeder Spieler kann alles nachvollziehen, die Offenlegung hat zum Vertrauen beigetragen", stellte Dorn fest.

Zur künftigen Doppelfunktion des designierten ÖTV-Präsidenten Ronnie Leitgeb, der als Manager ja auch für die monetären Interessen von Melzer und auch Tamira Paszek zuständig ist, glaubt Dorn an Positiva für den Verband.

"Das ist ein gewisser Interessenskonflikt, der in diesem Fall ein Vorteil für den ÖTV ist. Ronnie Leitgeb konnte als unabhängiger Manager, - ich habe mit ihm die Verhandlungen geführt -, relativ hart einen Standpunkt vertreten. Jetzt, wenn er Präsident wird, kann er die Verhandlung nicht führen, und wird die Grundsätze akzeptieren müssen", ist sich der langjährige ÖTV-Kassier sicher.

Leitgeb als Trumpf

"Ich finde, es stärkt die Position des ÖTV, weil er nicht seine ganze Verhandlungsmacht einbringen kann, da er gleichzeitig Präsident ist."

Bei den Damen ist die Regelung im Wesentlichen genauso, allerdings ist es dort noch schwieriger, Sponsoren zu finden, berichtet Dorn. "Bei den Damen zahlen wir dazu. Denn dass sie kostenlos spielen, kann man nicht verlangen."

Das Geld, das dem ÖTV übrig bleibt, fließt etwa zur Hälfte in den Spitzensport und in die Südstadt als dessen Institution, der Rest geht in die Jugendförderung.

Dorn erwartet vom neuen Präsidium "von der grundsätzlichen Linie nicht einen so krassen Unterschied. Leitgeb wird durch seine Professionalität vielleicht mehr Tempo reinbringen." Die oft zitierten Probleme mit den Landesverbänden sieht er nicht.

"Die Länder sind nicht die Ursache, wenn im ÖTV etwas schlecht läuft, da sind wir im ÖTV zu schwach gewesen." Im Gegenteil, das Verhältnis der Landesverbandspräsidenten untereinander sowie das Verhältnis zum ÖTV sei nie so friktionsfrei gewesen.

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