"Ich spiele das ganze Jahr für Österreich"

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Dominic Thiem hat sein sechstes Grand-Slam-Turnier hinter sich und schon richtet sich der Fokus in Richtung Rasen-Saison.

Mit der Erkenntnis, dass er körperlich fitter geworden ist und er den Abstand zur Spitze weiter verringert hat.

Bis zum ATP-Turnier in Kitzbühel hat der Nizza-Sieger jetzt Wochen lang keine Punkte zu verteidigen und könnte im Ranking weiter nach oben klettern.

"Ich bin ein Patriot!"

Ein bisschen verteidigen muss sich Österreichs Jungstar, der sich selbst die "spielerisch zwei besten Wochen in den vergangenen zwei Jahren" attestierte, vielleicht in Sachen Davis Cup.

Die leidige Diskussion, ob Thiem nun beim Länderkampf Mitte Juli gegen die Niederlande in Kitzbühel antritt oder nicht, hat in diversen Foren auch Zweifel am Patriotismus Thiems aufkommen lassen.

Thiem sieht das anders. "Ich bin ein Patriot. Ich spiele das ganze Jahr für Österreich."

Olympia kein Kindheitstraum

"Ich würde es schlimm finden, wenn man nach Monte Carlo auswandert, die monegassische Staatsbürgerschaft annimmt, um sich ein paar Steuern zu ersparen, aber ich zahle meine Steuern in Österreich", erklärte der 21-jährige Niederösterreicher.

"Ich spiele das ganze Jahr unter österreichischer Flagge."

Auf die Frage nach einer möglichen Teilnahme an den Olympischen Spielen 2016 in Rio (Voraussetzung dafür sind Davis-Cup-Einsätze, Anm.) wich Thiem zunächst aus.

"Da habe ich noch nicht darüber nachgedacht." Ob es denn den Traum, bei Olympia dabei zu sein, gar nicht gäbe?

"Olympia ist für mich irgendwie Leichtathletik, Schwimmen - für mich als Tennis-Spieler ist es ein Traum, hier dabei zu sein, in Wimbledon dabei zu sein, dort gut zu spielen. Sicher wäre es schön, einmal bei Olympia dabei zu sein, aber ich träume nicht jeden Tag davon."

"Ich sage jetzt noch nichts dazu. Wenn die Zeit gekommen ist, werden alle erfahren, ob es so weit ist oder nicht."

Für den Weltranglisten-31. gibt es nach seiner Heimkehr einmal eine kurze Pause.

Großes Ziel Rasen

Er wird dann vielleicht auch noch einmal in seiner Vitrine zu Hause bei den Eltern seinen Siegespokal von Nizza betrachten. Stuttgart lautet die nächste Destination nach seinem Heimatort Lichtenwörth.

"Es ist ein großes Ziel von mir, dass ich gut auf Rasen spiele." Seine erstmalige Setzung bei einem Herren-Major in Wimbledon will er "so gut wie möglich ausnützen".

Bis dahin wird Bresnik mit Thiem wohl auch sehr viel am Return arbeiten. "Wenn du nicht gut returnierst, tust du dir am Rasen besonders schwer", konstatiert Bresnik, der bei Thiem körperlich eine extreme Verbesserung ortet, auch von den Grundschlägen her.

"Die Vorhand ist richtig griffig jetzt und außergewöhnlich gut. Der Return war in letzter Zeit die Schwachstelle, vor allem beim zweiten Rückschlag."

"Das sind Narren"

Sein Langzeit-Coach und -Manager Günter Bresnik sieht das ähnlich und unabhängig von finanziellen Forderungen.

"Ich kann den Blödsinn nicht hören, dass wenn jemand nicht Davis Cup spielt, er kein Patriot ist. Wenn ein Patriot jemand ist, der das Vaterland liebt und gerne ein Österreicher ist, dann ist der Dominic in der allerersten Reihe", stellt Bresnik im Gespräch mit der APA - Austria Presse Agentur klar.

"Für mich sind Leute Narren, die behaupten, dass man kein Patriot ist, wenn man nicht im Davis Cup spielt."

Es geht nicht nur um Geld

In den Gesprächen mit dem ÖTV, - u.a. hatte Bresnik Neo-Präsident Robert Groß zu einem fünfstündigen Gespräch zu sich nach Hause eingeladen -, versuchte Bresnik seine Vorstellungen klar zu machen.

"Ich warte, was der Verband macht. Diese sportlichen Geschichten im Verband gehören in Ordnung gebracht. Momentan betrifft das nicht mehr den Dominic, der Hauptstreitpunkt ist nicht das Finanzielle."

"Es ist die sportliche Situation. Es kann nicht sein, dass Leute am Werk sind, die ihr Handwerk nicht verstehen. Ich sehe in erster Linie die Südstadt."

"Keiner kann mir vorschreiben, was ich zu tun habe"

Einem etwaigen Druck von außen will sich und wird sich Bresnik sicher nicht beugen.

"Ich möchte wissen, welcher mündige Mensch sich von anderen Leuten und im Speziellen von der Öffentlichkeit vorschreiben lässt, was er zu tun hat? Ich bin davon ein kompletter Feind, wenn mir einer vorschreibt, was ich zu tun habe."

Thiem, so Bresnik, habe keinerlei Verpflichtung gegenüber dem ÖTV, er sei nie unterstützt worden. Die gesamte Ausbildung habe die Familie Thiem selbst finanziert.

Und obwohl Bresnik selbst einmal Davis-Cup-Kapitän war, so sieht er den Davis Cup eher als Hindernis. "Einem Sportler bringt das nichts für seine sportliche Entwicklung. Das ist wie wenn ich sagen würde, ein Fußballer muss bei den Commonwealth Games mitspielen."

Spielt er oder spielt er nicht?

Und die besondere Davis-Cup-Stimmung, das tobende Publikum auf seiner Seite hat Thiem auch bei anderen Momenten schon erlebt, erinnert Thiem selbst.

"Ich denke, dass es nicht viel besser als in Wien 2013 und letztes Jahr in Kitzbühel sein kann. Das war unmenschlich", erklärte Thiem. Ein bisschen schien es so, als würde Thiem die Antwort, ob er im Sommer gleich zweimal in der Gamsstadt spielt oder nicht, schon kennen.

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