Melzer: "Es hat diesmal einfach alles gepasst!"

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Im 25. Länderkampf durfte sich Jürgen Melzer über sein bis dato erfolgreichstes Davis-Cup-Wochenende freuen.

Der 30-jährige Deutsch-Wagramer steuerte zwei von den drei nötigen Punkten im Erstrunden-Duell gegen Russland dabei.

Damit schaffte es Österreich erstmals seit 17 Jahren wieder ins Viertelfinale der Weltgruppe.

Nach dem entscheidenden Drei-Satz-Erfolg über Alex Bogomolov jr. (6:2, 6:4, 6:1) war die Freude dementsprechend groß.

Bevor das ÖTV-Team die verdiente Siegesfeier begann, sprach Melzer noch über...

...das Gefühl, endlich den Einzug ins Weltruppen-Viertelfinale geschafft zu haben:

Das ist natürlich toll! Darauf haben wir die ganze Woche hingearbeitet. Wir sind eine Mannschaft, die in den letzten Jahren zusammengewachsen ist. Zusammen mit Freunden so einen Erfolg zu feiern, ist einfach etwas Schönes. Wir hatten in den letzten Jahren oft gute Chancen. Es hat aber nie alles gepasst und jetzt ist es endlich soweit. Das Doppel war sicherlich ein kleiner Dämpfer, wir haben das aber super verkraftet.

…seine Leistung gegen Bogomolov jr:

Ich habe sehr, sehr gut gespielt und ihn von Anfang an dominiert. Dabei hat es nicht gut für mich begonnen: Im ersten Game hat er mir gleich einmal drei Winner um die Ohren geschossen, dann ein schnelles Break geholt. In Folge bin ich aber reingekommen und hatte das Gefühl, dass ich der bessere Spieler war. Mit jedem Winner habe ich in ein bisschen mehr Selbstvertrauen dazu bekommen. Es war eine sehr, sehr gute Leistung. Ich bin super happy. Es lastete ja doch viel Druck auf meinen Schultern.

...Unterschiede zu früheren Länderkämpfen:

Es hat diesmal einfach alles gepasst. Ich hab auch im Training gemerkt, dass Andi sehr gut drauf ist. Es hilft, wenn man sieht, dass man nicht alleine für den Sieg verantwortlich ist. Andi hat Bogomolov am Freitag richtig weggeschossen. Es war vom ganzen Team eine richtig gute Leistung.

…die Wertigkeit dieses Viertelfinal-Einzugs:

Der Davis Cup war für mich immer sehr wichtig. Es wäre schade gewesen, wenn ich mein ganzes Leben Davis Cup spiele und wir immer nur Pendler gewesen wären.

...die geplante Feier nach dem Triumph:

Das wird der Kapitän entscheiden. Sonntag in Wien wird wahrscheinlich ein bisschen schwierig werden. Wir werden aber schon was finden, wo wir es uns gut gehen lassen werden.

…die Erwartungen im Viertelfinale gegen ein ersatzgeschwächtes Spanien ohne Nadal und Ferrer:

Zwei Top-Ten-Spieler fallen aus, mit Almagro haben sie aber immer noch einen. Auswärts auf Sand sind wir natürlich krasser Außenseiter. Nichtsdestotrotz sind Ferrero und Almagro – wenn ich gut spiele – in meiner Reichweite. Wir fahren nicht nach Spanien, um dort Urlaub zu machen. Wir haben ein kompaktes Team und sind dort sicher nicht chancenlos. Es wird schwierig. Um das zu wissen, muss man aber keine Tennis-Koryphäe sein.

…seine aktuelle Formsteigerung:

Für mich war Zagreb schon sehr wichtig. Dort konnte ich sechs Matches in Folge spielen und mein Körper hat funktioniert. Natürlich war jetzt aber auch das Davis-Cup-Wochenende sehr wichtig. Ich habe lange gespielt und hatte keine Probleme mit meinem Rücken. Wenn ich wieder das Vertrauen in meinen Körper habe, dann bewege ich mich besser und spiele natürlich auch besser. Das Match gegen Bogomolov war ein weiterer Schritt in die richtige Richtung.

...das Debüt von ÖTV-Kapitän Clemens Trimmel:

Es war ein Teamchef-Effekt! Clemens hat sehr gut mit uns gearbeitet. Er hat sich um uns gekümmert und viel mit uns gesprochen. Wir haben uns wohl gefühlt. Es ist jeder für den anderen gelaufen – mehr kann man im Team nicht machen.

...die lange Durstrecke der letzten Monate:

Vom Spielerischen her war die Partie gegen Bogomolov sicher eine meiner besseren der letzten Monate. Ob es die beste war, ist schwierig zu sagen. Es hat Spaß gemacht, da draußen zu stehen und wieder eine Sicherheit zu fühlen. Ich habe gewusst, dass ich an die Linien gehen kann, wenn es eng wird. Außerdem habe ich gewusst, dass ich - wenn notwendig - auch fünf Stunden laufen kann. Das habe ich am Freitag gesehen und das macht nun mal einen Unterschied aus. Im vergangenen Jahr musste ich immer fürchten, ob mein Rücken hält oder ob ich voll durchservieren kann.

...die Planung für die nächsten Wochen:

Am Donnerstag fliege ich nach Memphis und starte meine Amerika-Tournee. Memphis ist das letzte Turnier in der Halle, danach spiele ich erstmals in Delray Beach. Ein neues Turnier zu spielen ist immer erfreulich. Danach kann man bei den ATP-1000-Turnieren in Indian Wells und Miami gut punkten. Miami war nie mein Favorit. Indian Wells spiele ich ganz gerne. Ich bin fit und ich freue mich drauf.

…seine Ziele auf der Tour:


Zahlen und Weltranglistenpositionen sind nicht mehr so wichtig für mich. In erster Linie zählen für mich Siege. Ich will einfach gut spielen und meine Punkte sammeln. Es wäre schön, wenn ich in Paris wieder gesetzt bin. Das ist ein langer und harter Weg. Wenn ich so spiele, wie zuletzt, werde ich aber meine Matches gewinnen.

...die Bedeutung seiner Doppel-Karriere mit Philipp Petzschner:

Für mich war und ist das Einzel immer wichtiger. Letztes Jahr war es wegen dem Rücken einfacher, im Doppel zu spielen, weil man da weniger servieren muss. Jetzt bin ich aber wieder fit und freue mich dementsprechend auf das Einzel. Es wird so laufen wie immer: Wir werden unser Bestes geben und schauen, was dabei rauskommt.

...die Olympischen Spiele:

Das ist sicherlich ein großes Ziel von mir. Vor allem weil es in Wimbledon auf Rasen stattfindet. Eine Medaille zu holen und die Hymne zu hören, wäre unglaublich.

...mögliche Doppel-Teams in London 2012:

Es wäre möglich, mit zwei Doppel-Teams zu spielen. Dazu muss aber einer in den Top Ten stehen. Natürlich will jeder spielen. Ich glaube, dass wir das beste Doppel hinschicken müssen. Man darf natürlich nicht vergessen, dass ich schon einmal in Wimbledon gewonnen habe. Wir werden uns rechtzeitig zusammen setzen und gemeinsam eine Lösung finden.

Aufgezeichnet von Christian Frühwald

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