"Derzeit kotzt mich alles an"

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Thiem: „Die Enttäuschung ist natürlich riesengroß"

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„Derzeit kotzt mich einfach alles an. Ich kann nicht wirklich etwas Positives aus diesem Wochenende mitnehmen.“

Klare Worte fand Dominic Thiem nach der enttäuschenden 2:3-Niederlage Österreichs im Davis-Cup-Duell gegen die Niederlande.

„Die Enttäuschung ist natürlich riesengroß und es ist jetzt auch eine gewisse Leere da. Meine Leistung war einfach nicht gut genug“, ging er nach seinen Niederlagen gegen Thiemo De Bakker und Robin Haase mit sich selbst hart ins Gericht.

Warum es im Davis Cup erneut nicht klappte (0:4-Bilanz), konnte sich der 21-jährige Niederösterreicher selbst nicht erklären.

„Wenn man nicht das nötige Selbstvertrauen hat, ist es sehr schwer“, haderte er vor allem mit seiner extrem hohen Fehler-Quote.

Melzer und Haider-Maurer verständnisvoll

Verständnisvoll äußerte sich Jürgen Melzer über seinen Teamkollegen, der in der Vorbereitung in Kitzbühel einen extrem starken hinterlassen hatte, und ihm keinen Vorwurf machen wollte: „Im Tennis geht es eben immer darum, eine Trainingsleistung ins Match zu bringen. Das ist ein ganz anderer Druck als im Training, wenn du vor vielen Menschen spielst.“

Ähnlich sah es Andreas Haider-Maurer: „Es war sehr eng. Haase hat taktisch sicher perfekt gespielt. Dominic hat ganz okay gespielt. Er hat vielleicht eine Spur zu aggressiv agiert und zu viel die Vorhand von Haase attackiert.“

Für den 28-jährigen Waldviertler war es auch ein schwacher Trost, dass er mit seinem Sieg über Haase das Duell gegen die Oranjes zumindest bis Sonntag offenhalten konnte: „Wir haben uns viel vorgenommen und wir wollten natürlich gewinnen. Ich persönlich habe einen guten Job gemacht und den Punkt geholt. Leider hat es für das Team nicht gereicht und das ist sehr bitter.“

ÖTV-Präsident Groß verteidigt Standortwahl

Enttäuscht zeigte sich auch ÖTV-Präsident Robert Groß, der erst vor Kurzem eine Einigung mit der Familie Thiem erreichte und dadurch das Comeback von Dominic im Davis Cup möglich machte: „Wenn Dominic in der ersten Partie den Punkt gemacht hätte, wäre es wahrscheinlich leichter geworden. Haase hat heute aber auch sehr, sehr gut gespielt. Dominic hat sicher besser agiert als am Freitag – am Ende war es aber zu wenig. Man muss akzeptieren, dass die Niederländer einfach besser waren.“

Durch die Niederlage flammte freilich auch wieder die Diskussion um die Standortwahl auf. Kitzbühel erwies sich zwar dank ausgezeichneter Infrastruktur und Organisation als perfekter Gastgeber, allerdings wurden auch die Befürchtungen bestätigt, dass die Höhenlage den Niederländern entgegenkommen könnte.

Die noch fehlende Konstanz zu bekommen hat für den hochtalentierten Lichtenwörther in der nächsten Zeit sowieso höchste Priorität: „Ich werde die Niederlagen analysieren und dann schauen wir, woran ich in den nächsten Wochen arbeiten kann. Es ist nicht das erste Mal in diesem Jahr, dass ich Phasen habe, in denen ich schlechter spiele“, kennt er seine große Schwäche. „Ich muss einfach lernen, dass ich diese Phasen schneller überbrücken kann oder erst gar nicht in diese komme.“

Als ärgerlich empfindet es der Weltranglisten-28. besonders, dass er oft Probleme hat, wenn er als Favorit in eine Partie geht: „Ich habe ein Ranking erreicht, mit dem man gegen deutlich schwächere Gegner eigentlich nicht mehr verlieren sollte. Das passiert mir aber doch noch relativ häufig. Derzeit ist es so, dass ich mich mit dem Gegner steigere. Ich muss aber auch gegen andere mein bestes Tennis spielen.“

Volles Programm

Gelegenheiten, es besser zu machen, hat Thiem („Ich will jetzt wieder in einen ordentlichen Spielfluss kommen“) in den nächsten Wochen zur Genüge. Nächste Woche tritt er in Umag an, danach stehen Hamburg, Kitzbühel, die beiden Masters-Turniere in Montreal und Cincinnati sowie die US Open auf dem Programm.

In Flushing Meadows erreichte er im Vorjahr sein bislang einziges Grand-Slam-Achtelfinale. Dementsprechend wichtig wäre es für ihn, in New York zu den 32 Gesetzten zu gehören.

Christian Frühwald

Neben den finanziellen Gründen (Groß: „In Pörtschach hätten wir einen Verlust gemacht“), verwies der Präsident auf den Wunsch des Nummer-1-Spielers. „Dominics Coach Günter Bresnik hat gesagt: ‚Wenn er wo spielt, dann spielt er in Kitzbühel.‘“

Melzer will kein Öl ins Feuer gießen

Gegen die Gamsstadt sprach sich damals vor allem Melzer aus, der davor warnte, den zweifachen Kitz-Sieger Haase in dessen Wohnzimmer einzuladen. „Es bringt aber nichts, wieder Öl ins Feuer zu gießen“, gab sich der Routinier diplomatisch.

„Man hat sich für diesen Ort entschieden. Ob das gut oder schlecht war, können wir intern besprechen. Im Endeffekt haben wir hier versucht zu gewinnen und das ist uns nicht gelungen.“

Von manchen Seiten angedachte Überlegungen, die Davis-Cup-Duelle in der Freiluft–Saison immer fix in Kitzbühel auszutragen, erteilte Präsident Groß sowieso eine Absage: „Es wird auch in Zukunft Ausschreibungen geben, bei denen sich jeder bewerben kann. Am Ende werden wir das beste Angebot nehmen“, will sich der Verband weiterhin alle Optionen offenhalten.

Die Suche nach der fehlenden Konstanz

Nicht gezweifelt wird auch daran, dass Thiem „auf jeden Fall die Zukunft des österreichischen Tennis ist. Er ist ein junger Spieler, der einfach noch Formschwankungen hat.“

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