Wer knackt die kasachische "Wundertüte"?

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“Kenne deinen Feind und kenne dich selbst,  und in hundert Schlachten wirst du nie in Gefahr geraten“ rät der chinesische Philosoph und Militär-Stratege Sun Tzu in seinem berühmten Buch „Kunst des Krieges“.

Letzteres sollte für das österreichische Davis-Cup-Team kein Problem sein.

Schließlich bilden Jürgen Melzer, Andreas Haider-Maurer, Alex Peya und Julian Knowle schon seit mehreren Jahren den schlagkräftigen Stamm der rot-weiß-roten Tennis-Fraktion.

Das Wissen über Kasachstan, den Gegner in der ersten Weltgruppen-Runde (Freitag, ab 7 Uhr im LAOLA1-LIVE-Ticker), hält sich allerdings in Grenzen.

Kasachische „Wundertüte“

Obwohl die Herren Michail Kukushkin (ATP-Nr: 105), Andrey Golubev (161) und Yevgeny Korolev (210) schon seit Jahren auf der ATP-Tour mit dabei sind, gilt das Trio doch als eine Art „Wundertüte“.

„Kasachstan ist unberechenbar und nicht zuletzt deshalb sehr gefährlich“, erklärt Doppel-Spezialist Knowle, der auf die vergangene Saison verweist. „Letztes Jahr haben sie immerhin Tschechien geschlagen – das hätte auch keiner geglaubt.“

Trimmel beobachtete die Kasachen

ÖTV-Kapitän Clemens Trimmel versuchte, sich während seines zweiwöchigen Australien-Aufenthalts ein Bild über die Kasachen zu machen.

„Primär konzentriere ich mich auf das eigene Team, wir wollen aber gut vorbereitet in die Spiele gehen“, so der Wiener, der unter anderem die klare Niederlage von Kukushkin gegen Melzer bei den Australian Open vor Ort verfolgen konnte.

„Bei Kukushkin hat man gemerkt, dass er nach seiner Hüft-OP noch nicht fit ist. Zwischen Australien und Davis Cup liegen aber drei Wochen. Ich rechne also, dass er bis zum Davis Cup wieder fit sein wird.“

„Das sind allesamt ‚Lauf-Spieler‘“

Auch Golubev und Korolev nahm Trimmel unter die Lupe. Echte Aufschlüsse gab es aber nur wenige. „Es sind gefährliche Gegner, die an einem guten Tag jeden Spieler schlagen können.  Das sind allesamt ‚Lauf-Spieler‘. Ich gehe davon aus, dass diese Spieler das Niveau nicht konstant hoch halten können.“

Schließlich gehe es in Astana bis zu fünf Sätze auf Sand – da könne es schon mal länger dauern.

Melzer: „Wir sind Favorit!“

Mit dem Belag hat Jürgen Melzer zwar keine Freude („Sand passt mir derzeit eigentlich gar nicht in den Turnierplan“), trotzdem geht auch Österreichs Nummer eins zuversichtlich in dieses Erstrunden-Duell.

„Wir sind Favorit – da müssen wir jetzt nicht um den heißen Brei herumreden. Wenn wir in Astana unsere Leistung abrufen, werden wir drei Punkte zusammenbringen. Es ist halt gefährlich, weil die Kasachen Spieler haben, die an einem Tag so gut wie jeden schlagen können. Golubev ist das beste Beispiel. In den letzten Monaten hat er das aber nie zeigen können, deshalb hoffe ich, dass er nicht jetzt damit anfängt.“

Melzer hat offene Rechnung mit Golubev

Mit dem 25-jährigen Kasachen hat Melzer zudem eine Rechnung offen: 2010 musste er sich im Finale des ATP-500-Turniers von Hamburg dem groß aufspielenden Golubev überraschend geschlagen geben. „Das hat damals wehgetan. Zu dem Zeitpunkt hat er aber einfach sehr, sehr gut gespielt.“

Knowle bringt die Unberechenbarkeit des „halben Italieners“ (Golubev trainierte lange Zeit in Italien) auf den Punkt: „Er spielt an einem Tag Weltklasse, am anderen Kreisklasse. Das beweist er auf der Tour regelmäßig.“

„Da war er wirklich hilfos“

Durch seine Operation ist Kukushkin diesmal aber wohl das noch größere Fragezeichen als Golubev. Der 25-Jährige aus Astana wurde nach dem Davis-Cup- Duell im September gegen Usbekistan an beiden Hüften operiert und feierte erst in Melbourne sein Comeback, wo er gegen Melzer chancenlos war.

„Da war er wirklich hilflos. Er kann sich seitdem aber natürlich gesteigert haben“, so Melzer, der Kukushkin als „Einzelgänger“ beschreibt. „Er ist auf und abseits des Platzes ein sehr ruhiger Typ.“

Haider-Maurer könnte gegen Kukushkin eröffnen

„Mit seiner Hüft-OP hat Kukushkin sicher nicht die besten Voraussetzungen“, meint auch Haider-Maurer, der als zweiter Einzelspieler am Freitag gegen die kasachische Nummer eins eröffnen würde.

„Seine Vorbereitung war sicher nicht optimal. Es kann aber natürlich auch sein, dass er gerade deshalb plötzlich jeden Ball trifft, weil er ohne Erwartungen in die Partie geht. Es kann aber auch sein, dass er gar nicht spielt, weil er noch nicht richtig fit ist.“

Routinier Schukin im Doppel?

Auch bei der Doppel-Aufstellung der Kasachen ist alles offen: In den letzten beiden Jahren agierte der schon 33-jährige Yuri Schukin als Fixpunkt im Team von Kapitän Dias Doskarayev.

Dieser ist allerdings auch nur mehr die Nummer 234 der Doppel-Welt.  Von seinen letzten vier Davis-Cup-Partien konnte er nur gegen die Usbeken einen Sieg einfahren. Ansonsten reichte es nicht einmal zu einem Satzgewinn.

Alex Peya, der wohl mit Knowle das österreichische Doppel-Duo bilden wird, erklärt: „Die Kasachen sind in erster Linie Einzelspieler, die aber natürlich auch im Doppel gefährlich sein können."

"An manchen Tagen bist du Passagier"

„Egal, wer spielt, die werden sicher kein klassisches Doppel spielen, sondern viel von der Grundlinie. Die spielen normalerweise Hopp oder Tropp. An manchen Tagen kannst du Passagier sein, an anderen erledigen sie deine Aufgaben von selbst.“

Auch dem Wiener ist allerdings klar: „Wir wissen, dass es der leichteste Gegner ist, den wir bei der Auslosung bekommen hätten können, und diese Chancen müssen wir nützen.“

Christian Frühwald

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