"War selbst überrascht"

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"Kann auch gegen die guten Spieler mitspielen"

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Seit mittlerweile fünf Jahren gehört Andreas Haider-Maurer zum österreichischen Davis-Cup-Team.

Im Erstrunden-Duell der Europa-Afrika-Zone I gegen Schweden in Örebro bestreitet der 27-jährige Waldviertler an diesem Wochenende seinen mittlerweile neunten Länderkampf.

Dieser ist etwas ganz Besonderes: Erstmals wird der Niederösterreicher Rot-Weiß-Rot als Nummer eins anführen.

„Letzten Monate sehr gut gelaufen“

Zu verdanken hat er dies aber nicht nur der Absage von Dominic Thiem. “Die letzten Monate sind schon sehr gut gelaufen“, strotzt die aktuelle Nummer 55 der Welt im LAOLA1-Interview vor Selbstvertrauen.

Vor allem bei dem mit 1,4 Millionen Dollar dotierten ATP-500-Turnier in Rio de Janeiro lief es ausgezeichnet. In der brasilianischen Metropole am Zuckerhut schlug er unter anderem den spanischen Altstar Tommy Robredo.

Erst David Ferrer, der anerkannt zweitbeste Sandplatz-Spieler der Welt, stoppte im Halbfinale den Erfolgslauf des aufstrebenden Österreichers.

Anstrengende Reisestrapazen

Eine Woche danach klappte in Acapulco auch die Umstellung auf Hartplatz, wo Haider-Maurer immerhin das Achtelfinale erreichte. Einziger Wermutstropfen sind die Reisestrapazen aufgrund des Davis-Cup-Termins in Europa.

Nach Rio und Acapulco geht es über Wien nach Schweden und danach gleich wieder zurück nach Amerika, wo in Kalifornien das ATP-1000-Turnier in Indian Wells auf dem Programm steht.

Deshalb flog Haider-Maurer auch erst am Montag - und nicht wie der Rest des ÖTV-Teams schon am Sonntag - nach Stockholm. „Ich bin erst von Donnerstag auf Freitag in der Nacht zurück nach Österreich gekommen und war davor zwei Monate unterwegs. Ich brauche unbedingt eine kurze Pause, damit ich wieder ein bisschen runter komme, sonst wird das Ganze zu viel“, erklärt der derzeit im niederösterreichischen Ebreichsdorf Ansässige.

Bei uns spricht er zudem über seine Erfolge in den letzten Monaten, welchen Anteil daran sein neuer Coach Daniel Huber hat und wie er die schwedischen Gegner einschätzt.

LAOLA1: Hast du die Erfolge der letzten Wochen schon etwas verarbeitet?

Andreas Haider-Maurer: Es lief wirklich sensationell für mich. Die Erfolge geben mir viel Selbstvertrauen für die Zukunft. Ich habe gesehen, dass ich bei großen Turnieren gegen die guten Spieler mitspielen kann. Ich werde weiter hart arbeiten und versuchen, dass ich daran anknüpfen und mich noch weiter entwickeln kann.

LAOLA1: Warst du vielleicht selbst ein bisschen von deinen Siegen überrascht?

Haider-Maurer: Ein bisschen vielleicht schon. Wobei man nicht vergessen darf, dass ich schon die letzte Saison als Nummer 82 der Welt so gut abgeschlossen habe wie nie zuvor. Es ist die letzten Monate schon gut gelaufen. Mit meinem neuen Trainer Daniel Huber habe ich auch einen tollen Aufbau hinter mich gebracht. Dass es dann so gut läuft wie in den letzten zwei Wochen, ist natürlich eine positive Überraschung. Ich habe aber schon gemerkt, dass ich definitiv am richtigen Weg bin.

LAOLA1: Was macht Daniel Huber anders als deine bisherigen Trainer?

Haider-Maurer: Sehr viel. Wir haben an einigen Sachen gearbeitet. Vor allem haben wir bei Defiziten geschaut, wie wir die am besten ausmerzen können. Ich habe mich von Anfang sehr wohl gefühlt und hatte immer das Gefühl, dass wir die richtigen Hebel bewegen. Nichtsdestotrotz ist es weiterhin ein harter Weg.

LAOLA1: Du bist jetzt 27 Jahre alt und damit quasi im besten Tennis-Alter. Hast du selbst auch das Gefühl, dass du dich deinem maximal möglichen Top-Level annäherst?

Haider-Maurer: Ich versuche natürlich, dass es noch weiter nach oben geht. Der Altersschnitt bei den Top 100 ist mittlerweile über 29 Jahre. Mit 29, 30 Jahren ist man sicher noch nicht zu alt, dass man gut wird. Victor Estrella Burgos hat erst vor wenigen Wochen seinen ersten Titel mit 35 Jahren gewonnen. Es ist also noch sehr viel drin.

LAOLA1: Dein Reiseplan in diesen Tagen ist mit Rio, Acapulco, Österreich, Schweden und Indian Wells gewaltig. Gibt es da einen Trick, wie man das am besten verkraften kann?

Haider-Maurer: Der Davis-Cup-Termin ist natürlich sehr ungünstig. Gleich nach Südamerika nach Europa und dann wieder zurück zu fliegen ist schon sehr anstrengend. Der Davis Cup ist für mich einfach ein Bewerb, der für mich sehr wichtig ist. Deshalb habe ich mich auch dazu entschieden, in Schweden zu spielen. Ich werde versuchen, top vorbereitet in die Partien zu gehen. Ich habe eine Woche Zeit, mich auf die Verhältnisse einzustellen. Ich bin jedenfalls froh, körperlich wieder gut beieinander zu sein, das ist gut für den Gemütszustand.

LAOLA1: Erstmals wirst du in Örebro ein Davis-Cup-Duell als heimische Nummer eins bestreiten. Was ist das für ein Gefühl?

Haider-Maurer: Das ist sicher ungewohnt, ändert aber an der Situation wenig. Der Druck ist der gleiche. Es ist aber auf jeden Fall auch eine große Ehre.

LAOLA1: Euer neuer Kapitän Stefan Koubek hat im LAOLA1-Interview gesagt, dass ihr natürlich die Favoriten seid. Dafür müsse er nur auf die Weltranglisten-Positionen der Spieler schauen. Siehst du das auch so?

Haider-Maurer: Ymer und Lindell sind zwei junge, aber auch zwei sehr gefährliche Spieler. Die beiden sind kein unbeschriebenes Blatt und werden im Ranking in nächster Zeit sicher noch nach oben klettern. Außerdem haben die Schweden ein starkes Doppel und den Heimvorteil. Wir sind die Favoriten, schwierig wird es auf jeden Fall. Der Davis Cup hat seine eigenen Regeln.

LAOLA1: Vor allem der erst 18 Jahre junge Elias Ymer wird international immer wieder hoch gelobt.

Haider-Maurer: Ich habe einmal in Quito mit ihm trainiert. Der hat sicher viel Potenzial. Aber auch Lindell ist mit seinem Aufschlag sehr gefährlich.  Wir sind auf jeden Fall gewarnt.

Das Gespräch führte Christian Frühwald

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